Stierhatz in Eggenfelden

Bulle tobt durch Supermarkt: Polizei muss schießen - Video

Eggenfelden - Nach dem Unfall eines Viehtransporters stürmte ein Stier einen Supermarkt. Die Polizei musste eingreifen und die Schusswaffe einsetzten.

Es war halb neun, als bei der Freiwilligen Feuerwehr Eggenfelden der Alarm losging. Der Beginn zu einem Einsatz, wie ihn die Leute um den Kommandanten Otto Ettinger (59) noch nie erlebt haben. „Eine gefährliche Sache“, beschreibt der 59-Jährige. Nachdem auf der B 388 der Anhänger eines Viehtransporters umgekippt war und das Dach aufriss, waren zunächst neun Stiere auf der Flucht. Ein gut 18 Zentner schwerer Bulle aber, den man für tot hielt, rappelte sich plötzlich hoch und nahm den Weg in Richtung Netto-Markt. Er kam durch die Tür und drinnen brach Chaos aus. Die Polizei stoppte den Wahnsinn – mit dem Gewehr.

Was sich davor abgespielt hatte, war alles anderes als Slapstick. Denn der Bulle, in den plötzlich das Leben geschossen war, sorgte hier für Angst und Schrecken. Kommandant Ettinger hörte immer wieder von seinen Leuten: „Pass auf! Pass auf!“ Es ging zu wie bei der Stierhatz von Pamplona. Gefährliche Situationen, ein aus Angst schnaubender Bulle, der mal still stand, dann zu traben und laufen anfing. Brisant wurde es auf einem Radweg, an dem eine Feuerwehrfrau zur Sicherung abgestellt war. Hinter ihrem Rücken erhob sich auf einmal der massige Körper. Kommandant Ettinger: „Sie blieb ganz still stehen.“ Der Bulle galoppierte los. Die Frau suchte minimalen Schutz hinter dem Pfosten eines Verkehrsschildes. Michael Wimmer, Vorstand der Feuerwehr: „So wie der Stier auf das Mädel los ist – die könnte tot sein.“ Doch der Stier rammte mit dem Schädel das Verkehrsschild. Die Frau erlitt nur einen Riesenschrecken. Puh.

Der Bulle wurde später nach draußen gebracht. Im Supermarkt herrschte Chaos. Einsatzkräfte beobachten die Situation.

Während sie in Sicherheit war, erreichte das Drama seinen Höhepunkt. Der Stier sprang über die Straße auf den Netto-Parkplatz. Feuerwehrleute ahnten, was da kommen könnte. „Rein in die Autos!“ Der Koloss tobte, ließ sich nicht beruhigen. Und dann passierte es: Er schaffte es in den Supermarkt. Dort hielten sich 30 Kunden, darunter junge Mütter samt Nachwuchs, und das Personal auf. Draußen hörte man Schreie, dann wieder Anweisungen: „Alles raus hier, schnell!“ Todesangst. Verzweifelte Leute stürmten aus dem Laden. Alle blieben unverletzt. Feuerwehrmann Manfred Eder zur tz: „Wir hatten heute 100 Schutzengel.“ Die Polizei ging hinein, der Stier war oft nicht zu sehen, aber zu hören. Er warf Regale um, ruinierte die Kassenanlage. Überall Blut, das Tier war verletzt und deshalb auch so gefährlich. Polizisten besprachen sich. Die Entscheidung: Wir müssen schießen! Einer legte mit dem G3-Sturmgewehr an: Der erste Schuss verletzte das Tier, ein zweiter Treffer erlöste es.

Bulle entkommt aus Transporter und stürmt Supermarkt

Bulle entkommt aus Transporter und stürmt Supermarkt

Draußen war das Drama noch nicht vorbei. Ein zweiter Stier ließ sich nicht einfangen, warf sogar einen Feuerwehrmann um. Jetzt sah die Polizei wieder keine andere Lösung mehr, auch dieses Tier musste mit dem Gewehr gestoppt werden – drei Schüsse. „Wir konnten nicht anders handeln, denn es war die Gefahr zu groß, dass der Stier auf die Bundesstraße läuft oder sogar in die Stadt gelangt. Dieses Risiko war einfach zu groß“, sagt später Polizeichef Armin Zehentbauer.

Im Supermarkt wurde inzwischen schon geputzt. Filialleiterin Christine Bensch beseitigte Scherben, der Schock stand ihr im Gesicht. Aber sie war froh, dass niemandem etwas passiert war. Und auch die Kunden waren erleichtert. „Das hätte schlimm ausgehen können“, sagte einer. Seinen Einkauf will er morgen nachholen. „Denn für heute, für heute brauch ich nichts mehr.“

Jacob Mell, Severin Kreibich, Markus Christandl

Rubriklistenbild: © fib

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