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Verschollen: Vater sucht Sohn (29) seit einem Jahr

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Ein Bild aus glücklichen, gemeinsamen Tagen: CJ und sein Vater Nick. Die beiden hatten ein inniges Verhältnis. Seit CJ verschwunden ist, macht der Vater die Hölle durch
Ein Bild aus glücklichen, gemeinsamen Tagen: CJ und sein Vater Nick. Die beiden hatten ein inniges Verhältnis. Seit CJ verschwunden ist, macht der Vater die Hölle durch © -

Ruhpolding - Zwölf Monate. Für Nick Palmer-Miles waren sie die schlimmsten in seinem Leben. Seit einem Jahr sucht der Engländer seinen spurlos verschwundenen Sohn. Es könnte nun einen ersten Hinweis geben.

Christopher James – kurz CJ (gesprochen: SiTschäi) – verschwand im Juli 2010 in Ruhpolding – bis heute fehlt jede Spur des 29-Jährigen. Doch sein Vater gibt nicht auf: „Ich werde ihn suchen, bis ich ihn gefunden habe.“

Es ist der 31. Juli 2010. Der gebürtige Engländer Christopher lebt seit vier Jahren in Zell am See (Salzburger Land). Dort arbeitet er im Winter als Skilehrer, im Sommer betreut er Wandertouren und fährt Taxi. Auch an diesem Abend ist er im Einsatz. Der junge Brite aus Nottingham fährt zwei Urlauber von Österreich nach Bayern. Endstation ist Ruhpolding im Chiemgau. Was dann geschieht, ist bis heute ein Rätsel, denn es gibt keine Zeugen.

CJs Verschwinden bemerkt zuerst sein Vater. Weil sich sein Sohn nicht wie gewohnt meldet, ruft er in Zell am See an. Der Arbeitgeber des Briten wundert sich ebenfalls, weil sein Taxi bislang nicht wieder zurück ist. Die Suche beginnt. Wenige Stunden später wird die Polizei fündig: Das Taxi steht am Ruhpoldinger Bahnhof. Die Lichter brennen, der Schlüssel steckt. Mantel, Handy und Geldbeutel liegen auf dem Beifahrersitz. Doch wo ist der Fahrer?

Nick Palmer-Miles reist sofort nach Österreich. „Ich musste vor Ort nach ihm suchen.“ Seine Arbeit als Feuerwehrmann setzt er erstmal aus. Die Suche nach dem Sohn bestimmt die nächsten Monate sein Leben. Mehrmals ist er in Zell am See, trifft die österreichische und bayerische Polizei, nimmt an deren Konferenzen teil. Doch der Sohn bleibt verschollen.

Irgendwann muss der Vater dessen Wohnung auflösen. Er fühlt sich dabei wie ein Verräter. Mit Hilfe einer Facebook-Gruppe sucht er im Internet weiter nach Hinweisen, wo CJ sein könnte. „Die Frage, was passiert ist, zerrt an meinen Nerven“, sagt Palmer-Miles. Wurde sein Sohn Opfer eines Verbrechens? Oder nahm sich CJ, der seit einigen Monaten wegen einer leichten Depression in Behandlung war, das Leben? „Ich weiß es nicht. Glaube nicht, dass er sich das Leben nehmen wollte. Doch diese Ungewissheit bringt uns fast um“, sagt Nick Palmer-Miles.

Ein ganzes Jahr ist nun verstrichen, doch CJ ist immer noch verschwunden. CJs Vater ist mittlerweile wieder in England. Er versucht, sich bei der Arbeit abzulenken. „Es muss ja erstmal weitergehen.“ Nur zu wichtigen Terminen der Polizei fliegt er nach Österreich. Trotzdem: Für seine Familie gibt es kaum einen Moment, an dem sie nicht an den 29-Jährigen denkt. Oft sitzen sie gemeinsam im Garten, reden über die Zeit mit Christopher James. „Dabei stellen wir ein kleines Foto unseres Sohnes auf – um wenigstens das Gefühl zu haben, er ist irgendwie dabei“, sagt sein Vater Nick Palmer-Miles. Sie vermissen CJ – und sind gleichzeitig geplagt von der Ungewissheit. „Nichts ist so wie es einmal war“, betont Nick Palmer-Miles. Doch die Suche beenden, mit dem Verschwinden abschließen, ist ausgeschlossen: „Aufgeben werde ich nicht. Ich werde solange suchen, bis ich meinen Sohn wieder gefunden habe.“

Johannes Nebauer, Antonia Wille

Ein erster Hinweis?

Es könnte eine neue Spur sein: Vor 14 Tagen meldete sich ein Streetworker aus Nottingham und sagte, dass er einen Mann getroffen habe, der sich CJ nannte. Der Streetworker kannte aber den Vermisstenfall Christopher Miles nicht. Deshalb meldete er das Treffen erst, nachdem er ein Interview mit Nick Palmer-Miles im Radio gehört hatte. „Der Mann hat bestätigt, dass es sich um CJ handeln könnte. Der Mann sei etwas dicker gewesen“, sagte die Polizei. Die Ermittlungen laufen. Nick Palmer-Miles sagt: „Wir hoffen, dass CJ vielleicht seinen Weg nach Hause gefunden hat.“

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