Viele Hochwasser-Opfer sauer auf Behörden

"Ihr habt uns doch absaufen lassen!"

Passau - Die schreckliche Flut: Viele Menschen haben durch sie ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Doch nun, wo sich die Pegelstände endlich wieder normalisieren, kommt zu der großen Verzweiflung noch ein anderes Gefühl: die Wut!

 Denn viele sind der Meinung, man habe sie viel zu spät über die kommende Katastrophe informiert. Die Chance, vieles noch retten zu können, sei wegen der mangelnden Information vertan worden.

Besonders deutlich wurde der Ärger bei vielen Bürgern am Mittwoch in Rosenheim. Dort gab es eine Bürgerversammlung mit Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) sowie Vertretern des Rosenheimer Wasserwirtschaftsamtes. Gut 450 Anwohner waren in die Aula der Grundschule gekommen. Der Tenor war deutlich: „Man hat uns regelrecht absaufen lassen“, schimpften viele Rosenheimer, die meist aus dem Ortsteil Oberwöhr stammten. Sie glauben nämlich, genau dort habe man die Dämme einbrechen lassen, damit die Flutwelle nicht voll das Zentrum trifft. „Zudem hat man uns viel zu spät gesagt, dass die Flut diesmal richtig schlimm werden würde“, kritisierten einige Anwohner. Die Bürgermeisterin verteidigte sich: Ein Fluten, um die Innenstadt zu schützen, habe nie stattgefunden. Als Antwort bekam sie ein Raunen vom Publikum.

Ist vor dem Hochwasser wirklich zu spät gewarnt worden? Auch in Passau sind viele Geschädigte sauer auf die Behörden. Unter ihnen befindet sich auch der Kabarettist Sigi Zimmerschied, der nur wenige Meter vom Inn entfernt wohnt. Er habe den harmlosen Vorhersagen nicht getraut und daher sicherheitshalber seinen Keller leer geräumt. Wenige Stunden später stand das Wasser bis in den ersten Stock seines Hauses. Ein Passauer Gastronom wird noch deutlicher: „Kein Mensch hat uns gesagt, dass wir hier ein Rekordhoch von fast 13 Meter bekommen. Wofür gibt es dann diese ganzen Hochwasser-Melde­behörden, wenn sie keine Ahnung haben?“ Die hingegen verteidigen sich: So habe der Deutsche Wetterdienst vor der Flut eine Unwetterwarnung herausgegeben – ans Umweltministerium.Diese sei wohl nicht richtig weitergegeben worden.

Fakt ist: In der Wochenendausgabe vor dem Hochwasser sprach die tz wegen des Dauerregens mit dem Leiter des Hochwassernachrichtendienstes in Rosenheim, Klaus Moritz. Auf die Frage, ob nun gar eine Flut wie 1999 kommen könnte, sagte der Experte im Interview: „Das kann man nicht ausschließen!"

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Rubriklistenbild: © dpa

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