Nach Pflege-Skandal in Schwaben

Experten prüfen schwere Vorwürfe gegen ambulanten Pflegedienst

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In einer Senioren-WG in Schwaben soll es schwere Missstände gegeben haben. Fachstellen prüfen diese Vorwürfe nun.                                         

Gegen einen Pflegedienst aus Schwaben stehen schwere Vorwürfe im Raum. Die Leiterin bestreitet die Anschuldigungen vehement. Ein Runder Tisch kämpft nun für eine Gesetzesänderung für Senioren-WGs.

Augsburg – Nach den schweren Anschuldigungen gegen einen ambulanten Pflegedienst in Schwaben werden die erhobenen Vorwürfe aktuell von Fachstellen gründlich geprüft. Beim MDK Bayern seien im November und Dezember zwei Beschwerden eingegangen, die die von dem Pflegedienst versorgten Wohngemeinschaften im Raum Augsburg betreffen, berichtet Johanna Sell, die stellvertretende MDK-Geschäftsführerin. Zu den Inhalten dieser Beschwerden dürfe sich der MDK noch nicht äußern, sie betreffen jedoch pflegerische Defizite.

Eine Gruppe von Angehörigen, Ärzten und Krankenschwestern hatte dem Pflegedienst unter anderem vorgeworfen, dass in den Senioren-WGs zu wenige und teil ungelernte Pflegekräfte eingesetzt würden (wir hatten berichtet). So sei es zu gravierenden Vorfällen gekommen. Unter anderem sei ein Gebiss vertauscht worden, zeitweise habe es für zwölf Bewohner nur eine Zahnbürste gegeben. Der schwerwiegendste Vorwurf war, dass ein Bewohner neben den anderen Senioren tot am Tisch saß. Das hat der Hausarzt der Einrichtung inzwischen relativiert. Der Mann habe eine schwere OP hinter sich gehabt und sei in seinem Rollstuhl mit dem Rücken zum Tisch friedlich eingeschlafen, berichtete der Arzt der „Augsburger Allgemeinen“. Vorfälle wie diese seien in der Pflege nicht ungewöhnlich.

Leiterin des Pflegedienstes bestreitet alle Vorwürfe

Die Leiterin des betroffenen Pflegedienstes bestritt die Vorwürfe vehement, wollte sich aber gegenüber unserer Zeitung nicht weiter äußern. Auf Nachfrage eines TV-Senders sagte sie, der Hausarzt sei vor Ort gewesen, habe den Totenschein ausgestellt und der Verstorbene sei umgehend abgeholt worden. Keineswegs sei es so gewesen, dass stundenlang niemand den Tod des Bewohners bemerkt habe. In dem Interview stritt sie auch ab, dass zu wenig Pfleger im Einsatz seien.

Auch im Gesundheitsministerium sind die Vorwürfe gegen den Pflegedienst seit Oktober bekannt. Die zuständige Fachstelle habe alle rechtlichen Maßnahmen ergriffen, um die Wohn- und Pflegequalität für die Bewohner zu verbessern, berichtete ein Ministeriumssprecher. Dort, wo es Hinweise auf strafrechtlich relevantes Verhalten gab, sei die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden. Die betreffenden Wohngemeinschaften würden nun engmaschig überprüft.

Runder Tisch im Landratsamt will grundsätzlich etwas verändern

In Augsburger Landratsamt hat es kürzlich einen Runden Tisch gegeben, bei dem die Beschwerdeführer ihre Anliegen vorgelegt haben. Ziel des Runden Tisches sei es, eine Änderung des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes zu erreichen, sagte eine Sprecherin. Für ambulant betreute Wohngemeinschaften müsse es konkrete Mindestanforderungen geben – baulich und im personellen Bereich.

Dafür kämpft der Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Krahl schon lange, bevor die Vorwürfe im Raum Augsburg bekannt wurden. Er ist selbst ausgebildeter Fachkrankenpfleger. Senioren-WGs könnten künftig für noch mehr Menschen eine gute Alternative zum Heim oder zur Pflege zu Hause sein, betont er. „Aber dafür braucht es klare, gesetzliche Regelungen. Und vor allem: Pflegekräfte, die nicht wegschauen. Das greift jeglichen Kontrollen vor.“    

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