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Sprachprojekt: Hier lernen die Zwergerl Bairisch

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Rauten-Malen für die Brauchtums-Pflege. © Andrea Jaksch

Starnberg - Immer weniger Kinder im Freistaat sprechen bairisch, vor allem in Städten stirbt der Dialekt langsam aus. Ein neues Sprachprojekt soll da helfen: Ein Kindergarten in Starnberg setzt Bairisch auf den Stundenplan.

Jonas weiß genau, was Bairisch ist. „Oachkatzlschwoaf“, sagt der fünfjährige Bub, ein waschechter Starnberger. „Und goibe Ruam“, ruft Oscar hinterher, sein Freund in der katholischen Kindertagesstätte St. Nikolaus. Dann kichern die Kinder und malen mit blauen Bundstiften weiter Rauten aus – die Rauten im bayerischen Wappen.

Jonas und Oscar sind zwei von 98 Kindern in dem Kindergarten am Stadtrand von Starnberg. Die Einrichtung ist etwas Besonderes – denn seit Beginn des neuen Schuljahres wird dort der bairische Dialekt gefördert. Es gibt ein ähnliches Projekt in einer Kita in Denkendorf (Kreis Eichstätt), doch die Starnberger Konzeption ist einzigartig.

Die Idee stammt von Nadine Wackerl, Leiterin der Kita. Die 31-Jährige ist Starnbergerin, Mitglied im örtlichen Trachtenverein – und spricht von Herzen gerne Bairisch. Die Erzieherin ist mit einem Thüringer verheiratet. „Unsere Tochter Celina wächst zweisprachig auf – thüringisch und bairisch“, lacht sie. Bei den Trachtlern kam vor ein paar Monaten eine Diskussion über Sprache auf: „Nicht mal mehr im Kindergarten lernen die Kleinen Bairisch,“ beschwerten sich Wackerls Bekannte. Die 31-Jährige begann, sich über das Thema Gedanken zu machen. Ergebnis: Nach den Sommerferien beschloss das Kindergarten-Team, Bairisch auf den Stundenplan zu setzen. Zunächst mussten die Eltern überzeugt werden – eine Mutter beschwerte sich, wollte nicht, dass ihrem Kind Dialekt aufgezwungen wird. „Aber wir machen ja keinen Frontalunterricht“, erklärt Nadine Wackerl.

Also, wie läuft die Mundart-Pflege? Die Kinder in St. Nikolaus sind altersmäßig weit auseinander. Die jüngsten sind erst acht Monate, andere bereits sechs und damit im Vorschulalter. Ohne groß Unterricht zu halten oder auf das Alter oder den Entwicklungsstand zu achten, redet das Personal bairisch – zumindest der Teil, der es beherrscht. Johanna Lutz zum Beispiel. Die Kinderpflegerin kommt aus Steingaden im Landkreis Weilheim-Schongau. Anders als in ihren ersten Berufsjahren verbirgt sie jetzt ihre Muttersprache nicht mehr. Johannas Gegenpart ist Erzieher Sven – er kommt aus Baden-Württemberg und spricht hochdeutsch. So hören die Kinder in der Gruppe jeden Tag praktisch zwei Sprachen. Nadine Wackerl ist sich sicher: „Das Erlernen einer Fremdsprache wird ihnen dadurch später einmal leichter fallen.“ Mit diesem Argument der zusätzlichen Förderung gewann sie die Eltern für das Projekt: „Die hätten es nicht akzeptiert, wenn wir gesagt hätten, ,Die Kinder lernen bairisch, weil wir hier in Bayern sind‘.“

Nur mit Dialekt sprechen ist es in St. Nikolaus nicht getan – auch Bräuche werden erklärt: Erst vergangene Woche war die Gruppe in Raisting (Kreis Weilheim-Schongau) – dort lernten die Kinder, was eine Kirtahutschn ist. Mit einem Bäcker zusammen drehten sie Brezn, die bei einer Leberkas-Brotzeit im Anschluss gleich verspeist wurden. Für die St.-Martins-Fest-Vorbereitung hat der Sprachpfleger Sepp Obermeier, der von der Starnberger Initiative hellauf begeistert ist, schon ein Mundart-Lied geschickt: „Sankt Martin war a guada Moo“, heißt es darin.

Am Maltisch, in der Gruppe um Jonas und Oscar, wird jetzt gesungen – ohne, dass Johanna Lutz das angeregt hat. Ein Kind fängt leise an: „De Radl vom Bus, de drahn sie rumadum …“ Die anderen stimmen ein. Übrigens: Das Projekt hatte schon nach kurzer Zeit den ersten Erfolg: Viele Kinder sagen im Umgang miteinander schon mal „Jetz herst auf!“ Und zum Abschied, da hört man selten ein „Tschüss“ – aber immer öfter ein „Servus“ oder „Pfiadi“.

cl

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