Satiriker-Protest

Er plant Demo gegen Münchner Waldfest-Besucher

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Maurice Iarusso, Satiriker aus Miesbach, plant eine Demo gegen Waldfestbesucher aus München.

Tegernseer Tal - Das könnte der Aufreger des Jahres werden: Maurice Iarusso, Satiriker aus Miesbach, plant eine Protestdemo auf dem Ostiner Waldfest. Der Titel: "Minga, goa Hoam! - Wir wollen wieder feiern wie früher!"  

Maurice Iarusso ist bekannt für krasse Aktionen: Anfang des Jahres hängte er in Tegernsee ein Plakat auf, auf dem er Miesbachs Ex-Landrat Jakob Kreidl und dessen Frau angriff. Jetzt holt Iarusso zum nächsten Schlag aus - und diesmal soll es die Münchner Gäste der Waldfeste im Tegernseer Tal treffen.

Laut einer Pressemitteilung des Satirikers kündigt die Privatinitiave Tegernblut für den 7. August eine Protestkundgebung "gegen den herrschenden Partytourismus auf den Tegernseer Waldfesten" an. Die Aktion trägt demnach den Titel "Minga, goa Hoam! - Wir wollen wieder feiern wie früher!" und richte sich gegen die Entwicklung der Waldfeste zu "mittlerweile kommerziellen Massenparties, die allmählich "Wiesn"-Charakter erreichen".

"Die Waldfeste verkommen dadurch zu einer niveaulosen Sauf-und-Protz-Party für Isarpreißn-Dumpfbacken aus der Landeshauptstadt" beschwert sich der Sprecher der Initiative, Maurice Iarusso, in der öffentlichen Mitteilung. Die Privatinitiative fordere unter anderem ein sofortiges Verbot von Tischreservierungen sowie eine "Beschränkung der Anzahl von Festbesuchern aus München mithilfe von Verkehrskontrollen und Straßensperren im Tal".

Gewagt ist nicht nur das Motto, sondern auch der Ort der geplanten Demo: Die Versammlung wird in unmittelbarere Nähe zum Waldfest des SC Ostin, dem Waldfest mit dem laut Mitteilung größten Aufgebot an Münchner Gästen, stattfinden. Geplant sei eine stehende Kundgebung, bei der die Teilnehmer unter anderem "dazu angehalten werden, Liedgut sowohl aus der bayerischen als auch der internationalen Folklore anzustimmen".

Die Tegernseer Zeitung konnte Maurice Iarusso bereits zu seinen Demo-Plänen befragen. Die Demo werde demnach auf jeden Fall stattfinden, die Anmeldung der Versammlung beim Miesbacher Landratsamt liegt der Pressemitteilung bei. Ob sie ernst zunehmen oder im Sinne der Satire zu verstehen ist, bleibe dabei jedem selbst überlassen, so Iarusso. Wie viele Menschen sich der Demo anschließen werden, sei aber noch unklar. "Wir rechnen aber mit einem großen Zuspruch bei den Menschen im Tegernseer Tal", so Iarusso.

Ganz anders sieht das Georg Reisberger, Vorsitzender des SC Ostin, der das Ostiner Waldfest veranstaltet. "Wir erwarten da eine kleine Schar." Außerdem werde Iarusso allein dort sein, da das Waldfest an dem Tag erst am Abend eröffnet. Eines sei jedenfalls klar: "Wir werden den Herren nicht mit Freibier und Biermarken empfangen."

Grundsätzlich versucht der SC Ostin die Aktion allerdings nicht allzu ernst zu nehmen. "Viel Feind, viel Ehr', sag' ich da bloß." Und: Natürlich sei jeder auf dem Ostiner Waldfest herzlich willkommen - ob Miesbacher, Tegernseer oder Münchner. Schade findet Reisberger allerdings die Demo schon: "Für das Ostiner Waldfest sind 200 Leute von früh bis spät ehrenamtlich im Einsatz. Und dann gibt es solche Menschen, die offensichtlich nichts zu tun haben."

Franz Zehendmaier, Vorsitzender des Gebirgstrachten-Erhaltungsvereins Hirschbergler Reitrain, hält von der Aktion auch nicht viel: „Des is' doch ein Schmarrn! Die Münchner sind herzlich willkommen bei uns. Wir gehen doch auch auf die Wiesn." Wenn sie sich allerdings nicht ordentlich aufführen, dann würden Gäste schon mal rausgeschmissen, so Zehendmaier. Das ist schon vorgekommen beim Waldfest der Hirschbergler, das wieder am kommenden Sonntag, 29. Juni, ab 10 Uhr rund um die Trachtenhütte an der Wallbergerstraße stattfindet. „Vor ein paar Jahren wollten drei extreme Transvestiten zu uns rein“, erinnert sich Zehendmaier, „da haben wir sie weggeschickt und gesagt, dass sie nicht hierher passen.“ Viele Jahre galt das Hirschbergler-Waldfest noch als Szene-Treff der aufgebrezelten Münchner. „Inzwischen haben wir das Gott sei Dank wieder runtergefahren“, sagt der Kreuther. Weniger Bestuhlung war zum Beispiel eine wirksame Maßnahme. Zehendmaier betont: „Wir Hirschbergler haben ein echtes und traditionelles Trachtenwaldfest.“

Die stehende Kundgebung findet am 7.08.2014 ab 15.30 Uhr bei Ostin auf der Schlierseer Straße an der Einfahrt zur Ödbergalm statt.

Veronika Stangl

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