Kinder müssen in die Kirche

Wirbel um Stempel für Gottesdienste

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Das schöne Waldkirchen. Der Pfarrverband mit den Pfarreien Waldkirchen, Karlsbach und Böhmzwiesel hat eingeführt, dass Kinder für ihre Erstkommunion zehn Gottesdienste besucht haben müssen.

Waldkirchen - In der Gemeinde Waldkirchen müssen die Schüler in die Kirche, damit sie zur Erstkommunion zugelassen werden. Die Stempelaktion sorgt für Wirbel.

Die Zeiten, in denen der gemeinsame Besuch des Sonntags-Gottesdienstes noch eine Selbstverständlichkeit für Familien war, sie sind längst vorbei. Da passt es gar nicht ins Bild, dass die Erstkommunion nach wie vor als „Event“ hoch im Kurs steht. Zum Nulltarif will nun aber der Pfarrverband Waldkirchen im Bayerwald dieses Sakrament nicht mehr anbieten. Die Verantwortlichen haben erstmals einen Streckenpass für die Kinder eingeführt − um zur Erstkommunion zugelassen zu werden, müssen die Grundschüler mindestens zehn Gottesdienste besuchen und sich die Anwesenheit im Anschluss daran in der Sakristei mit einem Stempel bestätigen lassen.

Ein Stempelbuch für Kirchenbesuche? Das Vorgehen stößt nicht bei allen Eltern auf Verständnis. Ob Zwang der richtige Weg sei, verlorene Schäfchen wieder in die Gemeinschaft der Gläubigen zu locken? Die Kinder jedenfalls scheinen kein Problem mit den Pflichtterminen zu haben. Ganz im Gegenteil. „Mein Sohn Alexander sieht den Stempel nach der Kirche als Belohnung, als eine Art Adventskalender, denn dieser führt ihn ja Schritt für Schritt zu seiner ersten Kommunion hin“, sagt der Waldkirchner Rainer Schüll.

Stadtpfarrer Bruno Pöppel begründet den Pass genüber der Passauer Neuen Presse wie folgt: „Seit vier, fünf Jahren experimentieren wir herum, wie wir die Eltern mit ihren Kindern überzeugen können, dass der Kirchenbesuch notwendig ist. Man kann kein Sakrament empfangen, wenn man das Hochamt der Eucharistie nicht respektiert und kennt.“ Doch bisher sind alle Versuche fehlgeschlagen, deshalb hat der Pfarrverband jetzt den Streckenpass eingeführt: „Was hat man denn sonst noch für Möglichkeiten? Wenn jemand etwas will, dann muss er auch eine gewisse Vorleistung bringen. Beim Fußball sind Kinder zum Beispiel ja auch bereit, bei Wind und Wetter auf den Platz zu gehen.“

Keine Antwort gibt der Stadtpfarrer übrigens auf die Frage, ob ein Kind tatsächlich nicht zur Erstkommunion zugelassen wird, falls die nötige Anzahl an Stempeln fehlt. Und zu Gerüchten, wonach der Pass im kommenden Jahr aufgrund des Widerstands mancher Eltern wieder abgeschafft werden soll, will sich Pöppel auch nicht äußern.

Übrigens: In der katholischen Gemeinde St. Joseph in Tutzing (Kreis Starnberg) gibt es auch so etwas wie eine Stempelkarte – allerdings bei den Firmlingen. Pfarrer Peter Paul Brummer ist keiner, der unter Verdacht stehen könnte, zu kontrollieren oder Druck auszuüben. Aber bei den Siebt­klässlern – den 13-jährigen Buben und Mädchen – funktioniere das mit der Karte recht gut. „Das hilft manchem, ein bisserl Selbstkontrolle zu üben“, sagt er. Er hat aber auch noch nie jemanden von der Firmung ausgeschlossen, weil die Karte nicht voll war. „Aber es war dann ein Anstoß für ein Gespräch mit dem Jugendlichen.“ Heutzutage hätten die Geistlichen schon damit zu kämpfen, dass manche Menschen meinten, ein so kostbares Sakrament wie die Kommunion „im Vorbeigehen mitnehmen zu können“.

chs/age

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