Walhalla: Strauß und seine 104 Konkurrenten

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Die Walhalla für große Deutsche. Auch für Franz Josef Strauß?

Do­naustauf - Langsam wird’s eng in der Walhalla. Nachdem im Juli Heinrich Heine als 130. in den Ruhmestempel der Deutschen einzog, kann man die freien Plätze schon an einer Hand abzählen.

Vier sind’s noch! Und man darf gespannt sein, an wen sie vergeben werden. Denn Vorschläge gibt’s in Hülle und Fülle. Die Liste, die im Bayerischen Wissenschaftsministerium geführt wird, umfasst 105 Namen (siehe unten)! Einer wurde zuletzt besonders häufig (und besonders laut) genannt: Franz Josef Strauß!

Franz-Josef Strauß - Bilder seines Lebens

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Blick auf den am 5. Oktober 1988 im Prinz-Carl-Palais aufgebahrten Sarg von Franz Josef Strauß mit Ehrenwache. © dpa
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Franz Josef Strauß posiert mit seiner Familie anlässlich seines 72. Geburtstages am 6. September 1987 (v.l. nach r.): Sohn Franz Georg Strauß, Franz Josef Strauß, Tochter Monika Hohlmeier mit ihrer Tochter Michaela auf dem Arm und dahinter Ehemann Michael und Sohn Max Strauß. © dpa
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Strauß und seine Tochter Monika am 7. September 1985. © dpa
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Max Strauß (l.) mit seinem Vater, hier 1983 auf einem CSU-Wahlfest. Max Strauß gratuliert seinen Vater zum hervorragenden Wahlergebnis von 59,5 %. © dpa
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Das Foto zeigt Strauß (l) mit dem Bad Füssinger Unternehmer und "Bäderkönig" Eduard Zwick, ein enger Duzfreund des ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten, war seit langem schwer zuckerkrank. Er starb 1998. © dpa
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Strauß während seiner Rede auf dem "Kleinen Parteitag" der CSU am 5. Februar 1983 in München. © dpa
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Bundeskanzler Helmut Kohl (l.) und sein Rivale, der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß während des CDU-Bundesparteitags 1986 in Mainz. © dpa
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CSU-Parteitag 1979: Strauß (l) im Gespräch mit dem damaligen CSU-Generalsekretär Edmund Stoiber. © dpa
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Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß und seine Ehefrau Marianne im Oktober 1977. © dpa
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Strauß und seine Gattin Marianne auf einem Ball im Deutschen Theater in München 1965. © dpa

Vor zwei Jahren (und genau 20 Jahre nach dem Tod von Strauß) stellten der damalige CSU-Landesgruppenchef und heutige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und sein Parteifreund Peter Koschyk offiziell den Antrag, den Über-Vater der Partei mit der Aufstellung einer Büste in der Walhalla zu ehren. Seitdem gab es immer wieder einmal prominente Unterstützer. Zuletzt ließ Ministerpräsident Horst Seehofer keine Zweifel daran, dass er die Lebensleistung seines Vorgängers schätzt. Für ihn war Strauß schlichtweg „genial“.

Seehofers Urteil hat Gewicht. Denn schließlich ist es der Bayerische Ministerrat, der letztlich über die Aufnahme in die Walhalla entscheidet. Allerdings bekommt die Ministerriege zur Entscheidungsfindung Gutachten der Bayerischen Akademie der Wissenschaften vorgelegt. Und die hat die Qual der Wahl. Denn die Konkurrenz ist hochkarätig: Literaturnobelpreisträger Thomas Mann steht ebenso auf der Liste wie die Autopioniere Karl Benz und Gottlieb Daimler. Oder hätten Märchenkönig Ludwig II. und Berthold Brecht es mehr verdient, in die Walhalla einzuziehen?

Im Wissenschaftsministerium hält man sich bisher bedeckt. Eine Sprecherin meinte, dass man es nicht eilig hätte. Früher hätte man nur alle fünf bis sieben Jahre eine Büste aufgenommen. Nach dem Boom in den letzten Jahren – seit 1998 gab es sieben neue Büsten – wolle man wieder zum alten Zyklus zurück. Für Strauß bedeute das: Auch wenn man sich für ihn entscheide, werde er sich wohl noch etwas gedulden müssen.

Immerhin steht er ja bereits im Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds in Berlin – dort allerdings in weniger illustrer Gesellschaft. Nämlich bei den Bösewichten.

Stichwort Walhalla:

In der Gedenkstätte Walhalla (nach Walhall, Halle der Gefallenen) in Do­naustauf werden seit 1842 bedeutende Deutsche sowie mit der Geschichte Deutschlands bzw. der deutschsprachigen Staaten verbundene Persönlichkeiten mit Marmorbüsten und Gedenktafeln geehrt. Errichtet wurde der Bau von Architekt Leo von Klenze aus Kelheimer Kalkstein – und zwar von 1830 bis 1842 im Auftrag König Ludwigs I.

Die aktuelle Vorschlagsliste für die Gedenkhalle

Georgius Agricola, Hans Albers, Albrecht Altdorfer, Emil von Behring; Karl Benz, Götz von Berlichingen, Joseph Beuys, Friedrich von Bodelschwingh, Johann Friedrich Böttger, Ludwig Boltz­mann, Dietrich Bonhoefer, Wernher von Braun, Berthold Brecht, Max Bruch, Maria Cebotari, Lucas Cranach der Ältere, Gottlieb Daimler, Rudolf Diesel, Annette von Droste-Hülshoff, Kurt Eisner, Georg Elser, Paul Johann Anselm von Feuerbach, Johann Gottlieb Fichte, Theodor Fontane, Joseph von Fraunhofer, Caspar David Friedrich, Franz Xaver Gabelsberger, Gedenktafel „zur Erinnerung an die friedliche Revolution und zur Ehrung des ostdeutschen Volkes“, Hermann Gmeiner, Alfons Goppel, Jacob und Wilhelm Grimm; Prof. Bernhard Grzimek, Gerhart Hauptmann, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde, Werner Heisenberg, Hugo A. Heiss, Wilhelm Hoegner, Friedrich Hölderlin, Andreas Hofer, Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Alexander von Humboldt, Ignatia Jorth, Franz Kafka, Herbert von Karajan, Heinrich von Kleist, Leo von Klenze, Robert Koch, Käthe Kollwitz; Gertrud Kolmar, Adolph Kolping, Werner Krauss, Nikolaus von Kues, Friedrich Ladegast (Gedenktafel), Karl Landsteiner, Orlando di Lasso, Otto Lilienthal, Friedrich List, Franz Liszt, Wilhelm Löhe, König Ludwig II., Königin Luise von Preußen, Thomas Mann, Karl May, Robert Mayer, Felix Mendelssohn, Gerhard Mercator, Oskar von Miller, Eduard Mörike, Theodor Mommsen, Balthasar Neumann, Elly Ney, Friedrich Nietzsche, Max Planck, Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Leopold von Ranke, Ludwig Richter, Tilman Riemenschneider, Adam Riese, Rainer Maria Rilke, Dominikus Ringeisen, Sophie von La Roche, Peter Rosegger, Friedrich Rückert, Johann Michael von Sailer, Graf Claus Schenk von Stauffenberg, Heinrich Schliemann, Arp Schnitger (Gedenktafel), Arnold Schönberg, Arthur Schopenhauer, Heinrich Schütz, Hermann Schulze-Delitzsch, Robert Schumann, Albert Schweitzer, Werner von Siemens, Gottfried Silbermann (Gedenktafel), Andreas Silbermann (Gedenktafel), Arnold Sommerfeld, Franz Josef Strauß, Johann Strauß Sohn, Therese Studer, Bertha von Suttner; Franz von Taxis, Graf Johann von Tilly, Rudolf Virchow, Mathias Wiemann, Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, Marie Sophie von Wittelsbach, Johann Kaspar Zeuß, Konrad Zuse.

tz

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