An der Lechtalbrücke

Auf Wandertag: Schüler entdecken Leiche

Schongau - Schreckliches Ende eines Wandertags: Zwei Klassen der Schongauer Mittelschule entdeckten unterhalb der Lechtalbrücke die Leiche einer Frau. Eine schwere Situation auch für die Lehrer, die genau richtig reagierten.

So ein Erlebnis wünscht sich niemand. Auch Frank Pfaffenberger, Vize-Leiter der Schongauer Mittelschule, traf die Nachricht über den Vorfall am Dienstag wie ein Keulenschlag. Doch so schwer die Situation auch war, sie hat gezeigt, dass die Notfallpläne funktionieren: „Vom Ablauf her hat es toll geklappt“, so Pfaffenberger.

Die ganze Schule war am Dienstag bei herrlichem Herbstwetter zum Wandertag ausgeschwärmt. Eine 8. und eine 9. Klasse marschierten auf dem Weg von Peiting nach Schongau über die Lechtalbrücke, als die Schüler plötzlich unterhalb der Brücke die leblose Person sahen. „Leider waren beide Klassen so dicht hintereinander, dass die nachfolgenden Schüler nicht mehr rechtzeitig gewarnt werden konnten“, sagte Pfaffenberger.

Doch die Lehrkräfte haben einen kühlen Kopf bewahrt. Eine rief bei der Polizei an, die über die Rettungsleitstelle sofort die Alarmierungskette mit Notarzt und nicht zuletzt der Psychosozialen Notfallversorgung in die Wege leitete. Die andere meldete den Vorfall an der Schule. „Ich habe dann das Schulamt in Weilheim informiert, das gleich zwei Mitarbeiter der Schulpsychologischen Beratungsstelle auf den Weg geschickt hat“, so Pfaffenberger.

Als die beiden Klassen in der Schule ankamen, wurden sie bereits von der Notfallseelsorgern empfangen. Besuche an Schulen kommen immer wieder mal vor, sagt Bernhard Schöner, der mit Kollegin Heidi Hentschke vor Ort war. Sei es, weil Mitschüler gestorben waren oder eine Lehrerin verunglückt ist. „Wir haben uns mit beiden Klassen zusammengesetzt und erst einmal gefragt, was die Schüler gesehen haben“, so Schöner. Laut Schulpsychologe Robert Gerg reagiere jeder anders auf so ein Erlebnis: „Manche sind nur nachdenklich, andere verstört, manche traurig oder bedrückt“, erzählt er aus seinen Erfahrungen. „Die Menschen reagieren auf unterschiedliche Art: Manche stecken so einen Vorfall besser weg, andere nicht.“ Es gebe ein Bedürfnis nach Sicherheit, dafür seien die Seelsorger da. „Es ist aber auch wichtig, dass der Alltag schnell wieder einkehrt“, sagte Gerg.

Nach Aussage von Schöner war es auch wichtig für die Schüler, dass die Polizei vorbeikam und informiert hat; dass bei dem Unglück kein Fremdverschulden vorlag und die Frau schon längere Zeit tot war, man also nicht hätte helfen können. Es folgten noch Tipps, wie man mit der Situation umgehen soll, dass man beispielsweise nichts auf Facebook stellen soll, so Schöner. Dann war der Einsatz vorerst beendet. Schulpsychologe Gerg war auch am Mittwoch noch an der Mittelschule, um als Ansprechpartner für Schüler mit Redebedarf zur Verfügung zu stehen.

Pfaffenberger war während der Gespräche am Dienstag auch nicht untätig und hat einen Brief an die Eltern der betroffenen Schüler verfasst, in dem er den Vorfall geschildert hat und dass sich Mütter und Väter bei Fragen an die Schule wenden können. Das Schreiben haben die Schüler direkt mitbekommen. Tags darauf legte Pfaffenberger noch ein Schreiben an alle Eltern nach. „Nach so einem Vorfall entstehen natürlich Gerüchte bei allen Schülern, die nicht dabei waren. Die wollten wir mit dem Informations-Schreiben ausräumen.“ Damit, so hofft Pfaffenberger, ist diese schwierige Situation für die Schule und vor allem die Schüler ausgestanden.

Boris Forstner

Rubriklistenbild: © picture-alliance / dpa/dpaweb

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