Das ist dran an alten Wettermythen

Das Wetter in Bayern wird immer extremer - stimmt das?

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Diese Passanten wurden im März 2015 in München von einer Windböe erfasst und umgeworfen. Sturmtief "Niklas" hatte an diesem Dienstagmorgen Deutschland erreicht.

München - Was ist dran an den alten Wettermythen? Wir haben uns zehn Gerüchte und Sprichwörter angesehen und sagen, welche stimmen und welche nicht.

1. Der Klimawandel sorgt dafür, dass es keine weiße Weihnachten mehr gibt!

Stimmt nicht. Weiße Weihnachten sind in unseren Breiten eher die Ausnahme. Oftmals kommt es auch zum sogenannten „Weihnachtstauwetter“, was eine Wettersingularität darstellt, das heißt eine, mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit (bei uns ca. 60 – 70 %) auftretende Witterungsperiode. Weitere bekannte Witterungsregelfälle sind etwa die Eisheiligen, die Schafkälte, der Siebenschläfer, die Hundstage oder der Altweibersommer. Weiße Weihnachten treten im Raum München mit einer durchschnittlichen Wahrscheinlichkeit (Grundlage der Jahre 1951 bis 2008) von zirka 40 % auf.

2. Auf folgende Wetterregel kann man sich immer verlassen: „Wenn der Tag wächst, dann wächst auch der Schnee“. Sprich: Wenn die Wintertage im März, April wieder länger werden, dann gibt es auch mehr Schneefall!

Stimmt nicht. Die Monate März, April sind bereits Monate des Frühlings und es wird in der Regel wieder wärmer. Der Winter umfasst klimatologisch die Monate Dezember bis Februar. Nur im oberen Bergland und in den Alpen wächst die Schneedecke auch in den Monaten März und April oftmals noch an, da hier die Temperaturen noch verbreitet im Frostbereich liegen können. Einzelne Kaltluftausbrüche können jedoch auch im Frühling im Tiefland tatsächlich für spätwinterliche Verhältnisse sorgen.

3. Das Wetter in Bayern wird immer extremer. In den letzten 20 Jahren haben Stürme, Orkane und Hagel extrem zugenommen!

Stimmt nicht. Es ist bislang keine signifikante Zunahme von Sturmwetterlagen und ähnlichem zu verzeichnen.

4. Die Winter waren früher viel härter, es gab meterweise Schnee und langanhaltend tiefe Temperaturen!

Stimmt nicht.Auch in früheren Jahren gab oftmals milde und schneearme Winter, selbst im höheren Bergland. Je nach dem, woher der Wind weht, entscheidet darüber, ob wir einen milden oder kalten Winter haben. Ist längere Zeit eine nördliche Strömung vorherrschend, ist der Winter kalt, bei Süd oder Südwestwind meist sehr mild. Mit dem Winter assoziieren wir Menschen gern Schnee und Frost. Und die Jahre, an denen dies auch vorherrschend war, bleiben mehr in unserer Erinnerung haften.

5. Es gibt nur noch zwei Jahreszeiten: Winter und Sommer. Herbst und Frühling verwischen, vom heißen Sommer geht es schlagartig in den kalten Winter über!

Stimmt nicht. Es gibt nach wie vor die Übergangsjahreszeiten Frühling und Herbst. Es ist aber in den vergangenen Jahren zu verzeichnen, dass diese mitunter kürzer sind und im Frühjahr vermehrt kurzzeitig schon hochsommerliche Temperaturen auftreten (z.B. München-Stadt am 28. April 2012 mit einem Tagesmaximum der Lufttemperatur von 32,2 °C).

6. Stimmt der Spruch „Abendrot – Gutwetterbot, Morgenrot mit Regen droht“?

Stimmt. Beim Abendrot kommt nach einem meist trüben Tag doch noch die Sonne kurz heraus, was darauf hindeuten kann, dass die Schlechtwetterfront abzieht. Beim Morgenrot kommt die Sonne kurzzeitig noch schwach zum Vorschein, bevor dann Regen einsetzen kann (Aufzugsbewölkung). Prinzipiell spielen aber auch noch andere Faktoren, wie die Lufttrübung (Staubpartikel), der Wasserdampfgehalt in der Luft und, je nach Jahreszeit, der Winkel der Sonne, eine Rolle.

7. In zehn Jahren sind die bayerischen Skigebiete außer der Zugspitze alle grün. Im Winter kann man hier dann bestimmt nicht mehr Skifahren!

Stimmt nicht. Auch in der nahen Zukunft (zehn Jahre) wird Wintersport in den Hochlagen unserer Mittegebirge noch möglich sein. Es wird weiterhin sowohl milde und schneearme, als auch kalte, schneereiche Winter geben. Langfristig steigt aber im Winter sukzessive die Schneefallgrenze an. Der Klimawandel geht nicht linear, sondern im Wellen von statten.

8. Das Wetter wird bei zunehmenden Mond gut und bei abnehmendem Mond schlecht!

Stimmt nicht.  Es gibt keinen wissenschaftlich fundierten Nachweis über den Zusammenhang von Mond und Wetter.

9. „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.“ Auf diese Bauernregel zum Siebenschläfertag (27. Juni) kann man sich fast immer verlassen!

Stimmt nur bedingt. Den „Siebenschläfertag“ kann man nicht an einem einzelnen Tag festmachen. Betrachtet man die Wetterlage Ende Juni /Anfang Juli (Kalenderreform), so ist mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 60 – 70 % damit zu rechnen, dass die zu diesem Zeitpunkt vorherrschende Witterung auch noch längere Zeit Bestand hat.

10. Ist es richtig, dass man in Autos generell vor Blitzschlag sicher ist? Und wie ist es bei Gewittern um den Wahrheitsgehalt des Satzes „Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen!“ bestellt?

Stimmt!  Die Karosse des Autos stellt einen sogenannten Faraday’schen Käfig dar, so dass man hier vor Blitzen geschützt ist. Man sollte es trotzdem während eines Gewitters tunlichst vermeiden, im Auto Anbauteile, wie z.B. den Griff des Türöffners, anzufassen.

Stimmt nicht!  Unter Bäumen und auf Anhöhen sollte man sich während eines Gewitters auf keinen Fall aufhalten. Dem Blitz ist es völlig egal, ob als erhöhter Punkt eine Buche oder Eiche steht. Im Schutz eines Baumes ist man während eines Gewitter immer in Lebensgefahr! Wird man durch ein Gewitter überrascht, sollt man nach Möglichkeit immer den tiefsten Punkt in der Umgebung aufsuchen und sich mit geschlossenen Beinen hinhocken.

Das Special zur UN-Klimakonferenz

In den Wochenendausgaben von Münchner Merkur und tz finden Sie viele spannende Geschichten und Hintergründe zum Thema Klima und Wetter, u.a.:

  • 10 Wettermythen im Check (Wochenendausgaben von Münchner Merkur und tz)
  • So war der Rekordsommer 2015 (Wochenendausgaben von Münchner Merkur und tz)
  • Vergleich: Das Wetter in München und Garmisch-Partenkirchen von 1936 bis 2014 (Wochenendausgaben von Münchner Merkur und tz)
  • Leben auf dem Berg, Leben mit dem Wetter: Eine Familie auf dem Brauneck (Wochenendausgabe von Münchner Merkur)
  • So war das Wetter an Ihrem Geburtstag: Hier checken!

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