Doppel-Olympiasieger heimgesucht

Wasmeiers Maibaum geklaut: So lief die Aktion ab

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Erfolgreiche Maibaumdiebe: Mitglieder und Freunde des Grenztheaters Ludwigs Erben aus Grafing.

Schliersee/Grafing - Zwei Frauen und 13 Männer haben einen Maibaum aus Schliersee (Kreis Miesbach) gestohlen. Allerdings nicht irgendeinen, sondern den von Ex-Skirennläufer Markus Wasmeier.

Im Bergwald wabert der Nebel. Zwei Frauen und 13 Männer tapsen durch die Dunkelheit – stumm, aber festen Schrittes. Die Nacht auf Dienstag: Sie war eine gute, um zu stehlen. Einige Burschen tragen schwarze Jacken, andere Lederhose, Jacke und Hut. Die Beute der Diebe: Ein Maibaum aus Schliersee (Kreis Miesbach). Allerdings nicht irgendeiner, sondern der von Ex-Skirennläufer Markus Wasmeier.

Der Doppel-Olympiasieger von 1994 hat ja bekanntlich in seiner Heimat ein Freilicht- und Bauernhofmuseum. Auf der Internetseite weist er aufs Maibaumfest hin. „Wir feiern den Mai mit allem, was dazugehört.“ Das wichtigste Detail dazu ist Wasmeier aber abhanden gekommen: der Maibaum. Der lagert irgendwo versteckt im Kreis Ebersberg. Wo genau, das weiß nur das Grenztheater Ludwigs Erben aus Grafing, aus deren Reihen laut Münchner Merkur die Maibaumdiebe kommen.

Und so lief der Maibaumklau ab: Kurz nach 23 Uhr trifft sich die Gruppe an einer Tankstelle in Hausham. Roland Becker sitzt in einem Mercedes, der mehr nach Schliersee schleicht denn fährt. Becker soll den Baum mit einem speziellen Geländeträger vom Wasmeier-Museum Richtung Ebersberg transportieren. Doch zuerst brauchen Ludwigs Erben eine Taktik. „Wie dick ist er denn?“, fragt einer aus der Gruppe. Antwort: „Er ist 18 Meter lang, aber besonders dick wird er nicht sein.“ Deswegen bleibt der Geländeträger auf dem Besucherparkplatz des Museums, den Baum tragen alle gemeinsam vom etwa 300 Meter entfernten Hügel zum Parkplatz. Und das natürlich möglichst schnell, bevor jemand etwas von dem Plan erfährt. „Die drei gefährlichsten Menschen sind Markus Wasmeier, sein Vater und der Braumeister“, weiß Sebastian Schlagenhaufer. Der 34-Jährige, der sein Haar schulterlang trägt und in einer dunklen Jacke steckt, ist Regisseur beim Grenztheater Ludwigs Erben. Die Truppe hat in den vergangenen zwei Jahren die Komödie Jennerwein – Bluat vo da Gams an Wasmeiers Museum aufgeführt. Ein erfolgreiches Werk der Grafinger, genau wie der Maibaumklau. „Wenn man zwei Jahre dort Theater spielt, lernt man seine Informanten kennen“, sagt Schlagenhaufer. „Wir haben ganz gute Kontakte zum Museum.“ Ihm wurde deswegen verraten, wo Wasis Maibaum liegt. Schlagenhaufer: „Ich glaube, mit uns hat niemand gerechnet, weil wir so weit weg wohnen.“

Gemeinsam tragen die Grafinger den Baum zum Geländeträger. Der Stamm ist glitschig, die Hände aller klebrig vom Harz. Im benachbarten Haus brennt Licht. Auf die Schliche kommt der Gruppe jedoch niemand, weder Nachbarn noch Wasmeier. Zehn Minuten vor Mitternacht fährt Becker los, der Baum ist mit roten Spanngurten befestigt. Stefanie Zapf eilt noch zu Wasmeiers Haus und hinterlässt ein Plakat, auf dem steht: Bluat vo da Gams. Da Baum is weg. Girgl Jennerwein. Klar, Girgl steht für Georg Jennerwein, dem Wildschützen.

Treffpunkt ist dann erneut die Haushamer Tankstelle. Ein Audi mit MB-Kennzeichen fetzt vorbei. Manche vermuten gar: Wasmeier! „Fünf Minuten später, und wir hätten Pech gehabt“, denkt auch Schlagenhaufer. So aber war der Klau ein leichter – der Maibaum nicht eingesperrt und nicht bewacht.

Jetzt war der Doppel-Olympiasieger gefordert, auf die Wünsche der Diebe einzugehen. So ist’s der Brauch – und diesen pflegt Wasmeier schließlich in seinem Museum. „Er muss Mitglied im Förderverein unserer Theatergruppe werden“, betont Alexander Salem, Vizechef des Grenztheaters Ludwigs Erben. Regisseur Schlagenhaufer schätzt zudem, dass die Diebe „an sauberen Durst haben werden.“ Wenn es eine Mitfahrgelegenheit gibt, wäre es auch nicht schlecht“, ergänzt Salem. „Denn es gibt nicht nur alkoholfreies Bier.“ Eine deftige Brotzeit sollte am 1. Mai auch drin sein – im Gegenzug zur Hilfe beim Aufstellen. Die Rede war zunächst etwa von 500 Litern Bier! „Die Forderungen werden immer brutaler“, sagt dazu Wasmeier. „Den Rausch möcht‘ ich nicht haben. Wir müssen weiter verhandeln.“ Er war während des Diebstahls übrigens in Garmisch-Partenkirchen – wo Christian Neureuther seinen 65. Geburtstag feierte.

Später am Dienstag wurden sich die beiden Seiten einig, wie Sie hier auf merkur-online.de nachlesen können.

Marc Lamberger

Die goldenen Regeln beim Maibaum-Stehlen

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