Surfer ertrinken in Mangfall

Gmund - Zwei Wassersportler, ein 33-Jähriger aus dem Tegernseer Tal und ein 45-jähriger Münchner, sind in der vergangenen Nacht bei Loisenthal tot aus der Mangfall geborgen worden.

Der Alarm schrillt um 23.15 Uhr. Seit Stunden hätten Nils H. (33) und Markus S. (45) vom Surfen in der reißenden Mangfall wieder zuhause sein sollen. Doch sie sind wie vom Erdboden verschluckt. Ihre Angehörigen bekommen es mit der Angst zu tun, befürchten das Schlimmste und rufen die Polizei. Doch die beiden Männer aus München und Gmund sind zu diesem Zeitpunkt bereits tot.

Mit einem Großaufgebot rücken Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz und ­Wasserwacht am Donnerstagabend aus, insgesamt sind knapp 200 Mann im Einsatz. Ein Familienmitglied der vermissten Surfer zeigt ihnen, wo das Auto von Nils H. und Markus S. steht, ganz in der Nähe der Mangfall bei Thalmühl (Kreis Miesbach). Hier sind die Freunde zwischen 18 und 18.30 Uhr ins Wasser gegangen, vermuten die Helfer.

Mittlerweile ist es fast Mitternacht – und stockfinster. Mit Taschenlampen suchen die Helfer in beiden Richtungen das Ufer ab. „Eine schwierige Aufgabe“, berichtet Feuerwehr-Einsatzleiter Michael Röhrl. „Die Böschung ist steil, das Ufer nass – nicht ungefährlich.“ Die Suche wird drei Stunden dauern. Was Röhrl zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen kann: Die beiden Männer sind nicht wie vermutet bei Thalmühl ins Wasser – hier wollten sie wieder aussteigen, deswegen hatten sie das Auto dort geparkt. Die Helfer suchen rund vier Kilometer von der Stelle entfernt, an der das Unglück geschah. Dann gibt es bei Louisenthal, ein gutes Stück flussaufwärts, einen Fehl­alarm. „Durch Zufall haben wir dadurch das zweite Auto gefunden“, berichtet Martin Hauder vom Roten Kreuz. Hier sind Nils und Markus wirklich ins Wasser gegangen. „Sie sind nur ein paar 100 Meter weit gekommen“, sagt Hauder.

Gegen 2.30 Uhr finden die Helfer die beiden Surfbretter in der Dunkelheit. Zwischen Ästen verkeilt stecken sie in einer zugewachsenen Sandbank fest. Speziell dafür ausgebildete Wasserretter wagen sich in den reißenden Fluss. Das Hochwasser der vergangenen Wochen hat die Mangfall schnell und gefährlich gemacht. An den Surfbrettern zappeln Schnüre. Sie führen zu den beiden Freunden. Nils und Markus liegen tot im Wasser. Vermutlich sind beide fast gleichzeitig gestürzt. Ein Stück flussaufwärts vom Fundort ist eine Staustufe mit einer gewaltigen Wasserwalze. „Wir gehen davon aus, dass sie dort in die Tiefe gerissen wurden“, bestätigt Hans Schweiger von der Kripo Miesbach. Wie genau es zu dem Unglück kam, wird wohl nie geklärt werden.

Doch eines ist sicher: Die Freunde waren keine Anfänger. „Sie waren gut ausgerüstet: Schwimmweste, Neopren-Anzug, Helme – alles top“, betont Hauder vom BRK. „Sie haben sich nicht einfach waghalsig reingestürzt.“ Die beiden Männer sind in der Surfer-Szene bekannt. Die Mangfall wollten sie mit „Stand-Up-Boards“ bezwingen – die Bretter sind zwei Meter lang und zehn Kilo schwer. Im Gegensatz zum klassischen Surfen balancieren die Sportler stehend auf den Boards und stoßen dabei ein Paddel ins Wasser. „Für Wildwasser würde ich das nicht hernehmen“, warnt Polizist Schweiger.

Trotz aller Erfahrung, Vorbereitung und Ausrüstung verloren die Männer ihr Leben in der Mangfall. „Man hofft bis zum Schluss, dass es eine Rettung und keine Bergung wird“, sagt Hauder. Er ist müde von der langen Nacht. Nach der Bergung der beiden Leichen, erzählt er, haben die Helfer noch vor Ort eine kleine Andacht gehalten. „Wir haben Abschied genommen.“

Thomas Schmidt / Sascha Karowski

Mangfall: Erstes Drama vor einem Jahr

Unglücksort Mangfall: Das Drama um die beiden Surfer ist das zweite Unglück auf der Mangfall innerhalb eines Jahres. Ende Juli 2009 ertranken in dem Fluss in der Nähe von Bad Aibling Helmut (40) und Melanie H. (33). Das Ehepaar hatte versucht, zwei Buben aus dem reißenden Wasser zu retten – und bezahlte seinen selbst­losen Einsatz mit dem Leben.

Es war an einem Montag. Das Paar ist mit seinem Hund an der Mangfall zum Spazieren unterwegs. Da sehen sie plötzlich zwei Buben, die hilflos in dem schnellen Gewässer davon treiben. Das Ehepaar zögert keine Sekunden, springt ins Wasser – und wird dann selbst abgetrieben. Beide werden zwar von Wasserwacht und Feuerwehr geborgen, aber die Rettungsversuche der Ärzte kommen zu spät. Beide erliegen schließlich im Krankenhaus ihren Verletzungen.

WdP

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