Wegen Hartz IV: Heldin bekommt kein Preisgeld

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Caroline Maas zeigte Mut. Ihr Preisgeld bekommt die zweifache Mutter trotzdem nicht.

Würzburg - Ein Schlag ins Gesicht für alle Menschen mit Zivilcourage: Eine Frau mit Herz und Verstand darf nicht ausgezeichnet werden, weil sie HartIV-Empfängerin ist. Lesen Sie hier die unglaubliche Geschichte.

Caroline Maas ist eine couragierte, eine starke Frau. Und so zögerte sie damals auch nicht eine Sekunde, etwas zu unternehmen, als ein Neonazi seine Hassparolen herumschrie. Per Kamera zeichnete sie das verfassungswidrige Gegeifer auf. Schnurstracks ging sie danach zur Polizei. Der berüchtigte Neonazi wurde verhaftet.

Eine Tat, für die die Würzburgerin am Mittwoch mit dem XY-Preis für Zivilcourage ausgezeichnet wird. Gibt’s nur ein Problem: Frau Maas bezieht derzeit Hartz IV –und darf deshalb das Preisgeld von 10 000 nicht behalten. Der Fall der 47-jährigen Mutter sorgt für mächtig Wirbel.

Zur Erklärung: Eigentlich ist Caroline Maas nämlich studierte Diplom-Biologin. Hier findet sie nur seit Jahren keinen Job. Und so arbeitet sie derzeit als Fotografin in einem Laden, Teilzeit. Da der geringe Verdienst aber nicht zum Leben reicht, erhält sie eine Aufstockung aus Hartz IV für den Lebensunterhalt für sich und ihre zwei Kinder. Und jetzt kommt der Haken: Dieses Geld wird sofort gestrichen, wenn sie die 10 000 Euro Preisgeld annimmt– denn dann, so will es das Gesetz, muss erst mal der Gewinn verbraucht werden. Erst, wenn der futsch ist, gibt es wieder Hartz IV.

Für die Mutter ist das ein Schlag ins Gesicht: Sie wollte nämlich das Geld für das Studium ihrer Kinder zurücklegen. „Ich fühle mich wie jemand, dem man den Lorbeerkranz wegnimmt“, beschreibt Caroline Maas die Situation. Bei der Behörde aber bleibt man dabei: Regel sei Regel. Es sei unmöglich, dass Hartz-IV-Empfänger so hohe Summen zur freien Verfügung hätten. Auch aus Gründen der Fairness gegenüber anderen. Immerhin gibt es jetzt schon einige lokale Politiker, die Caroline Maas unterstützen. So schimpfte der unterfränkische FDP-Bezirksvorsitzende und MdB Joachim Spatz gegenüber dem Main-Echo: „Es widerspricht allen Bemühungen Zivilcourage zu fördern, wenn man den Vorbildern dann wieder einen Teil ihrer Auszeichnung wegnimmt.“

Er will Bundessozialministerin Ursula von der Leyen auf den Fall aufmerksam machen. Geld hin, Geld her – natürlich holt sich Caroline Maas ihre Auszeichnung ab. „Ich freue mich sehr darüber.“ Und: Schirmherr der Preisaktion ist immerhin Innenminister Thomas de Maiziere. Vielleicht legt er ja ein gutes Wort für die Heldin ein …

Der XY-Preis

Der sogenannte XY-Preis wird am 29. September bereits zum neunten Mal verliehen. Die Auszeichnung für besonders mutige Menschen, die bei Straftaten eingriffen, wurde 2002 vom ZDF und der Redaktion von Aktenzeichen XY ins Leben gerufen. Es werden pro Jahr jeweils drei Personen aus ganz Deutschland ausgezeichnet –die auch jeweils einen Geldpreis von 10 000 Euro erhalten. Eine große Jury aus Redakteuren und auch Sicherheitsexperten entscheidet aus den eingesandten Vorschlägen, wer den Preis verdient hat. Schirmherr und auch Preisverleiher der Auszeichnung ist übrigens Deutschlands Innenminister Thomas de Maiziere.

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