Angeklagte sagen aus

Auftragsmord im Rotlicht-Millieu: Wende im Prozess

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Die angeklagte Lebensgefährtin des Ermordeten am Donnerstag im gericht in Coburg. Im Prozess gab es eine spannende Wende.

Coburg - Im Dezember 2013 wird ein Rentner in seinem Haus zusammengeschlagen und stirbt an seinen Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft hält die Freundin des 66-Jährigen für die Auftraggeberin - bis jetzt.

Wende im Prozess um einen mutmaßlichen Auftragsmord im Coburger Rotlicht-Milieu: Zwei 23 und 45 Jahre alte Angeklagte aus der Rockerszene haben am Donnerstag vor dem Landgericht Coburg eine umfassende Aussage gemacht und zugleich einen Mitangeklagten schwer belastet. Sie gaben am fünften Verhandlungstag zu, im Dezember 2013 in Coburg einen 66 Jahre alten Mann in dessen Haus überfallen zu haben. Den Mordvorwurf stritten sie ab. Es sei nie ihre Absicht gewesen, ihr Opfer zu töten. Sie hätten ihm „nur eine Abreibung“ verpassen wollen. Der 66-Jährige, der Wohnungen an Prostituierte vermietete, war am eingeatmeten Blut seiner schweren Kopfverletzungen erstickt.

Die Staatsanwaltschaft wirft der mitangeklagten 42 Jahre alten Lebensgefährtin des Opfers vor, den Mord aus Habgier beauftragt zu haben. Es sei ihr um das Erbe gegangen, außerdem habe sie das Bordell ihres Freundes übernehmen wollen.

Der 45 Jahre alte mutmaßliche Killer nannte am Donnerstag als Auftraggeber allerdings überraschend den Noch-Ehemann der Frau - auch er sitzt auf der Anklagebank, galt bislang aber nur als Mitwisser und sitzt anders als die drei anderen Angeklagten nicht in Untersuchungshaft. Von der 42-Jährigen lebt er seit Jahren getrennt, sie zog später mit dem 66-Jährigen zusammen.

Der habe sie schlecht behandelt, deswegen habe ihr Noch-Ehemann den Auftrag für die Abreibung gegeben, erläuterte der 45-Jährige, der wie sein 23 Jahre alter Komplize einem Motorradclub namens „Bad Seven“ (Böse Sieben) angehört. Die Frau hatte am ersten Verhandlungstag ausgesagt, der 66-Jährige habe ihr monatlich 1000 Euro gegeben, damit sie die Miete für ihre defizitäre Gaststätte bezahlen konnte. Dann habe er die Zahlungen eingestellt und von ihr verlangt, auch als Prostituierte zu arbeiten.

Für den Prozess würden wegen der Aussagen der beiden Angeklagten wahrscheinlich weitere Verhandlungstage benötigt, sagte ein Gerichtssprecher. Zeugen, die für Donnerstagnachmittag geladen waren, wurden nach Hause geschickt. Sei sollen vermutlich erst kommende Woche gehört werden. Ursprünglich sollte nächste Woche das Urteil fallen.

dpa

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