In letzter Sekunde

Wespenstich! "Meine Familie rettete mir das Leben"

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Manfred Schwathe (Mitte) mit seinen beiden Schutzengeln: Weil Ehefrau Rita und Sohn Martin blitzschnell reagierten, hat der 54-Jährige einen gefährlichen Wespenstich überlebt.

Hohenfurch - Nur den blitzschnellen Maßnahmen von Ehefrau und Sohn hat Manfred Schwathe aus Hohenfurch sein „zweites Leben“ zu verdanken. Ein Wespenstich ließ den 54-Jährigen in kürzester Zeit kollabieren.

Ein gewöhnlicher Montagabend mit dramatischem Ausgang in Hohenfurch (Kreis Weilheim-Schongau). „Ich war mit dem Brotzeiten eigentlich schon fertig, wollte mir nur noch einen Salat aus dem Kühlschrank holen“, erzählt Manfred Schwathe. Doch dazu ist es nicht mehr gekommen. Im selben Moment sticht ihn eine Wespe ins Genick. Sofort breitet sich das Gift im ganzen Körper aus. „Ich hatte überall rote Flecken und Juckreiz, es fühlte sich so an, als würde sich ein Knödel in meinen Hals bohren und mir die Luft abdrücken.“

Geistesgegenwärtig greift Manfreds Frau Rita zum Telefon, informiert den Hausarzt. „Ich kenne meinen Mann und wusste sofort, dass es schlimm ist.“ Währenddessen kramt Sohn Martin ein altes Allergikermittel – ein bereits seit 2008 abgelaufenes Cortisonpräparat – aus dem Arzneikästchen. Im selben Moment der telefonische Hinweis vom Hausarzt, er solle seinem Vater doch sofort die volle Dosis verabreichen. 30 Milliliter schüttet sich Manfred noch aus eigener Kraft in den Rachen. Danach kippte er weg, ist bewusstlos.

Rita hat inzwischen den Rettungsdienst alarmiert. Ein Ersthelfer ist fünf Minuten später vor Ort. In Zusammenarbeit mit Martin und Rita bringt er Manfred Schwathe in die stabile Seitenlage und bereitet erste Maßnahmen für die weitere Behandlung des kurz danach eintreffenden Notarztes vor. Nach rund einer halben Stunde ist Schwathe stabil genug, um ihn mit dem Krankenwagen ins Schongauer Krankenhaus zu transportieren. Dort wird er über die Notaufnahme sofort auf die Intensivstation verlegt. Nach nur einer Nacht kann Manfred Schwathe aus dem Krankenhaus wieder entlassen werden. Und zwar nur, weil seine eigene Familie blitzschnell und absolut korrekt auf diesen Wespenstich reagiert hat. „Alle Ärzte haben uns bestätigt, dass ich ohne der Ersten Hilfe meiner Frau und meines Sohnes keine Überlebenschance gehabt hätte.“

Als „krass“ bezeichnet Schwathe im Nachhinein dieses Horrorszenario. „Man hat noch Pläne und plötzlich ist alles vorbei.“ Nicht auszumalen, wenn der 54-Jährige am Montagabend allein gewesen wäre. „Es ist ja nicht so, dass wir jeden Abend zur gleichen Zeit zu Hause sind“, bemerkt sein Sohn Martin. Abgesehen davon wusste Manfred Schwathe nicht, dass er auf Wespenstiche allergisch reagiert. „Mich hat vor zwei Wochen schon eine in den Unterarm gestochen.“ Damals reagierte sein Körper „relativ normal“. Er habe leichte Schmerzen und eine Schwellung um den Einstich gehabt – nichts tragisches also. Warum der neuerliche Stich beinahe zum Tode geführt hat, ist demnach auch den Ärzten ein Rätsel. „Es wird vermutet, dass das Gift über die vielen Nervenbahnen im Nacken so heftig gewirkt hat“, sagt Schwathe. Das sei aber alles nur Spekulation.

Nachdem die Familie diesen ersten Schock mittlerweile verdauen konnte, möchte sie sich bei allen Rettungskräften bedanken und gleichzeitig auf die enorme Wichtigkeit der Ersten Hilfe hinweisen. „Solch ein schlimmer Fall zeigt, dass sich jeder darin ausbilden lassen sollte“, betont Manfred Schwathe, der selbst seit über 20 Jahren bei der Firma ept in Peiting für Erste-Hilfe-Maßnahmen verantwortlich ist und am Montag erfahren musste: „Am Ende kann es einem das eigene Leben retten.“

Erst vor zwei Wochen war im Kreis Erding ein 49-jähriger Familienvater nach einem Wespenstich gestorben. Auch die Bienen sind im Spätsommer aggressiver. In Arnbach (Kreis Dachau) ist am Dienstag eine Kindergarten-Gruppe im Wald von einem Bienenschwarm regelrecht verfolgt worden. Die Tiere stachen die Kinder in den Kopf und durch die Kleidung. Nach Angaben des Vorsitzenden des Dachauer Kreisimkervereins, Walter Niedermeier, befinden sich die Insekten jetzt im Endstadium ihres Lebens. Sie spürten, dass es zu Ende gehe und wollten sich mit allen Mitteln retten. Daher wehrten sie sich gegen vermeintliche Angreifer.

Johannes Schelle

Erste Hilfe bei einem Wespenstich

Wer der Übeltäter war, lässt sich an der Einstichstelle erkennen: Bei einer Biene bleibt oft der Stachel mit der Giftblase stecken. Doch Vorsicht: Zieht man ihn mit den Fingern heraus, drückt man das Gift in die Wunde. Geeignet ist eine Pinzette. Die Wespe zieht ihren Stachel wieder heraus. Ein Stich tut zwar weh, ist für Nicht-Allergiker aber harmlos. Die Einstichstelle sollte man kühlen, damit sie nicht so stark anschwillt. Doch auch Hitze hilft. So gibt es bestimmte Geräte, die sich auf 50 Grad aufheizen. Erstickungsgefahr droht allerdings bei einen Stich im Rachen. Dann sollt man unbedingt Ruhe bewahren und den Notarzt rufen. Eiswürfel lutschen oder kalte Umschläge um den Hals verringern die Schwellung. Lebensgefahr besteht auch bei einer Allergie auf Bienen- oder Wespengift. Manche reagieren nur mit einer stärkeren Schwellung. Ab einem Durchmesser von etwa zehn Zentimeter sollte man aufmerksam werden. Doch können auch Quaddeln am ganzen Körper auftreten sowie Übelkeit, Atemnot, Schweißausbrüche und Herzrasen. Gefürchtet ist der anaphylaktische Schock. Der Betroffene wird ohnmächtig, kann sterben. Allergiker sollten daher stets Notfallmedikamente dabeihaben und auch Bekannte über den Einsatz informieren. Dazu gehört neben frei verkäuflichen Antihistaminen, ein Kortisonpräparat sowie eine Adrenalinspritze. Langfristig kann eine Hyposensibilisierung helfen. Dabei werden über Jahre geringe Giftmengen gespritzt.

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