Forscher zurück in Berchtesgaden

Westhauser war zwei Minuten lang wie tot

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Höhlenforscher Johann Westhauser bei seiner Rettung am 19. Juni 2014

München - Johann Westhauser stürzte Pfingsten 2014 in der Riesending-Höhle ab, seine schwierige Rettung bewegte die ganze Nation. Am Mittwochabend kehrte er nach Berchtesgaden zurück - die tz war dabei.

Mittwochabend im Kur- und Kongresshaus Berchtesgaden, es ist 20.10 Uhr: Ein bescheiden und still wirkender Mann wird von Thomas Weber, dem Bürgermeister von Bischofswiesen, angekündigt. „Bitte begrüßen sie Johann Westhauser.“ Applaus, Applaus, für einen Mann, dessen Schicksal für einen Sommer die Nation bewegte. Der 54-jährige Höhlenforscher ist mit seinen Kollegen von der Arge Bad Cannstatt gekommen, die sich mit einem Vortrag über die Riesending-Höhle für die Rettung ihres Freundes und Kameraden bedanken wollen!

Eine Rettung, wie sie ohne Beispiel war und ist. Bürgermeister Weber erinnert sich an Pfingsten 2014. „Ich habe einen Anruf bekommen, dass es in der Riesending-Höhle einen Unfall gegeben hat. Es sei aber nicht so schlimm.“

Elf Tage später war man schlauer – nach einer spektakulären Rettung durch schmale Röhren, Gänge, Systeme und 1000 Höhenmeter im Untersbergmassiv.

Johann Westhauser ist mit dem Zug aus seinem Heimatort Karlsruhe gekommen. In der Lobby vor dem Saal, die so hell und weitläufig ist, so ganz anders als die oft engen Schächte, steht er ein wenig an der Seite. Immer wieder kommen Leute, denen er in den dramatischen Tagen vor neun Monaten nahe war, die sich um seine Gesundheit sorgten und alles daran setzten, diesen schwer verletzten Mann aus der Tiefe herauszubekommen. Man umarmt sich, schüttelt sich herzlich die Hände.

Westhauser wirkt äußerlich fit. An seinen Überlebenskampf im Riesending erinnert nur eine Narbe, die sich von seinem rechten Ohr zur Mitte des Kopfs zieht. Und wie sieht in ihm aus? Kann er sich vorstellen, noch einmal ein ähnliches Unternehmen zu wagen, oder sogar noch einmal an die Unglücksstelle im Riesending zurückzukehren, wo ihn am 8. Juni 2014 in 1000 Metern Tiefe ein Felsbrocken so schwer verletzte? „Ich mache momentan lieber noch langsam, muss mich ruhig verhalten. Ich geh Laufen und jetzt auch wieder Radfahren.“ Dass er jetzt wieder in Berchtesgaden ist – „das berührt mich emotional sehr stark“, sagte er der tz. Was sich in der Höhle ereignete? Erinnern kann er sich nur an die Zeit bis zum Unfall. Was dann geschah, schilderten am Mittwoch seine Weggefährten Dr. Ulrich Maier: Westhauser war so stark verletzt, dass sie mit dem Schlimmsten rechneten. Zwei Minuten setzte Westhausers Atmung aus, er war zwei Minuten lange wie tot. Erst als er wieder schnaufte, dachten sie sich: „Jetzt hat er eine Chance.“ Wiederholt mussten sie Westhauser wiederbeleben. Dessen Wahrnehmung setzt erst wieder ein, als die Retter mit ihm den letzten Schacht erreichten, den, der senkrecht – nach 272 Stunden in der ewigen Nacht – ins Freie führt: Westhauser: „Da sah ich oben Licht.“

Der Forscher hatte Mittwochabend schließlich das Schlusswort: „Ohne ihre Hilfe“, so Westhauser, „wäre ich heute nicht hier.“

Markus Christandl

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