DWD-Experten erklären aktuelle Wetterlage

Wetter in Bayern: Tief Lothar sorgt für Sturm und Schauer - Können Biergärten an Pfingsten öffnen?

Sonne, Wolken, Schauer: Wettertechnisch fühlt sich der Mai in Bayern derzeit eher wie April an. Denn auch Sturmtief „Lothar“ macht was es will - und lässt die Biergarten-Saison einfach nicht starten.

München – Die Gastronomen sind gewappnet. Stimmt die Inzidenz in ihrem Landkreis, dürfen sie im Außenbereich wieder öffnen. Doch aktuell macht der Biergarten-Saison nicht Corona, sondern Petrus einen Strich durch die Rechnung. Sturmtief Lothar sorgt für April-Wetter – und das mitten im Mai. Bei Kälte, Wind und all den unvorhersehbaren Schauern ist Draußensitzen für die Gäste ungemütlich und das Geschäft für die Wirte unplanbar.

„Aktuell ist der Mai in Bayern zu kalt“, bestätigt auch Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst in München. Grund dafür ist eine ausgeprägte Westströmung, so der Diplom-Meteorologe. „Diese Luft kommt aus sehr hohen Breiten und hielt sich lange über dem Atlantik und Island auf“, erklärt sein Kollege Martin Schwirnbacher.

Sturmtief Lothar rückt aus Island an - und bringt Kälte und Regen

An der tristen, wechselhaften Wetterlage haben dem Experten zufolge also gleich mehrere Faktoren Schuld: Das Tief, das aus Westen kommt, erwärmt sich auf seinem Weg nach Kontinentaleuropa nur ganz langsam. Die Böden sind noch recht kühl, weil sie auch in den vorigen Wochen wenig Sonne abbekommen haben. „In circa fünf Kilometern Höhe kommt es innerhalb seiner Schichten immer wieder zu blasenartigen Umwälzungen – und die äußern sich dann als Niederschlag“, erklärt Schwirnbacher.

Und auch, wenn der Gedanke naheliegt, sind weder Pankratius noch Servatius, Bonifatius oder die Kalte Sophie für den Sommer-Aufschub verantwortlich: „Die Eisheiligen können dafür nichts. Nachtfrost erwarten wir jetzt nicht mehr, aber eben niedrige Temperaturen“, sagt Schwirnbacher. Und bis zum Pfingstmontag ändert sich daran wenig. Über das Wochenende bleibt es wechselhaft. Mit einzelnen Schauern und Gewittern muss ganz Bayern rechnen.

Ungewöhnlich ist das aber nicht, betonen die beiden Wetterexperten. „Die Frühjahrsmonate der letzten Jahre haben uns schon etwas verwöhnt. Sie waren außergewöhnlich warm und das manifestiert sich schnell im Kopf der Menschen“, sagt Wolz. Und in der Tat, die Erinnerungen an März und April vorigen Jahres sind noch allgegenwärtig, werkelten da doch schon viele im Garten und die Obstbäume standen früher in voller Blüte. Die Biergärten waren aber auch damals aufgrund des bundesweiten Lockdowns geschlossen.

Wetter in Bayern: Pfingstmontag bringt Wetterumschwung

„Erst ab Pfingstmontag deutet sich nun ein Umschwung an“, so Schwirnbachers aktuelle Prognose. „Dann wird die Luft milder, die Temperaturen gehen nach oben und zumindest in Südbayern scheint die Sonne.“ Bis zu 20 Grad erwartet der Wetterexperte dann am Alpenrand. Das klingt schon mehr nach Biergarten-Wetter. Selbst wenn man vor Schauern auch dann noch nicht völlig sicher ist.

Eine Prognose für den Sommer wollen weder Wolz noch Schwirnbacher wagen. Eines steht aber schon fest: Vor der sogenannten Schafskälte Mitte Juni ist Bayern trotz des regenreichen und kühlen Tiefs Lothar nicht gefeit. Doch Wolz zufolge ist noch nicht alle Hoffnung auf hochsommerliche Temperaturen verloren: „Wenn sich die aktuelle Westströmung nur leicht nach Süden dreht, bedeutet das für uns gleich fünf bis zehn Grad mehr.“ Und genau die braucht es, damit ganz bald aus Biergarten- auch Bade-Wetter wird. (sco) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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