Wie wird der Winter?

Wetter: Die Prognosen von Königskerze, Jägerhuber und Meteorologe im Vergleich

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Welche Prognose hat Recht? Sepp Haslingers Wetterkerze oder Josef Jägerhubers Messstation?

München - Wie wird das Wetter im Winter 2015/2016? Die Prognosen von Königskerze, Jägerhuber und Meteorologe im Vergleich.

Ein Thema gibt es, über das kann eigentlich gar nicht genug gesprochen werden: Wetter. Das Small-Talk Thema Nummer Eins. Weil es so unverfänglich ist. Weil man bei keinem anderen Thema so schön emotional werden und trotzdem einer Meinung sein kann. Nicht immer einer Meinung sind allerdings Bayerns Wetterexperten. Sie arbeiten mit unterschiedlichen Methoden – und stellen deswegen auch nicht unbedingt die gleichen Prognosen auf.

Winter 2015/16: Das sagt der Jägerhuber zum Wetter

Josef Jägerhuber ist sich sicher: Das Wetter wiederholt sich. Und zwar im Sieben-Jahres-Rhythmus. Das weiß er so genau, weil er seit 1960 akribisch festhält, wie kalt es auf dem Balkon seiner Wohnung in Starnberg ist. Dort steht seine Messstation, von der er jeden Morgen und jeden Mittag die Temperatur abliest. Ausnahmslos jeden Tag. War er auf Reisen, haben seine Töchter die Urlaubsvertretung übernommen.
Der 89-Jährige hat also 55 dicke Kalender zu Hause, die ihm verraten, wie das Wetter an welchem Tag war. Wie viel Niederschlag gefallen ist. Wann es das erste Mal geschneit hat. „Ich halt nichts von dem Computerzeug“, sagt er. Es besteht auch kein Grund, seine Methode für die Wettervorhersage zu ändern, denn: „Meine Erfolgsquote liegt bei etwa 80 Prozent“, sagt er. Zum Beispiel hatte er bereits zu Jahresanfang ein feuchtes Jahr 2015 vorausgesagt und prognostiziert, dass es keinen goldenen Herbst geben werde. „Auf die Zahl Sieben ist immer Verlass.“

Jägerhubers Prognosen haben sich mittlerweile weit über die bayerischen Grenzen hinaus herumgesprochen. Neulich rief eine Frau aus Hamburg an, die wissen wollte, wie der Winter wird. Da musste Jägerhuber schon schmunzeln. Auch Bauern holen sich bei ihm gerne Rat. Seine Prognose für die kommenden Wochen: Der November wird eher regnerisch, aber der Dezember bringt Schnee.

Winter 2015/16: Das sagt die Königskerze von Sepp Haslinger zum Wetter

Sepp Haslinger hatte es ja gleich gesagt: Das erste Mal schneit’s Mitte Oktober. Der Meldung über den ersten Schneefall im Norden Bayerns hat ihn am Mittwoch also alles andere als überrascht. Der 73-Jährige hatte das alles schon Mitte August dem Blütenstand der Königskerze in seinem Garten in Benediktbeuern (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) angesehen. Die Pflanze hat ihm auch verraten, dass es viel und lange Schnee geben wird diesen Winter – bis Ostern. 

Die Kunst des Königskerzen-Lesens hat Haslinger nicht erfunden. Er saß als kleiner Bub einmal aufmerksam inmitten einer Runde älterer Herren, die sich intensiv über diese Methode der Wettervorhersage unterhielten. Und irgendwann hat er es selbst einmal ausprobiert. „Es stimmt immer“, sagt er. 

Auch er bekommt wegen seines Rufs als Wetterprophet regelmäßig Anrufe. Zum Beispiel von Fuhrunternehmern, die von ihm wissen wollen, wie viel Personal sie diesen Winter für den Winterdienst einplanen müssen. Dieses Jahr sagt er folgendes: Es wird ein langer, schneereicher Winter – und dank des Altschnees wird es auch weiße Weihnachten geben.

Wetter im Winter 2015/2016: Das sagt der Super-Computer 

Völker Wünsche ist Bayerns Chef-Meteorologe. Er leitet den Deutschen Wetterdienst in München – und betont immer wieder: "Wettervorhersagen, die über zehn Tage hinaus gehen sind nicht seriös." Wenn sie stimmen stecke dahinter nichts als Zufall. Die Vorhersagen der Meteorologen basieren auf vielen Daten vieler Wetterstationen, die an einen Großcomputer in Offenbach gesendet werden.

Dieser Super-PC berechnet mehrere Stunden lang nach einem komplizierten Algorithmus, wie sich die Daten in den nächsten Tagen verändern werden. „Das ist die einzige seriöse Methode wettertechnisch in die Zukunft zu schauen“, sagt Wünsche. Deshalb kann er nur bis Anfang nächster Woche eine verlässliche Auskunft über das Wetter geben: Die Schneefallgrenze steigt im Mittelgebirge, erst am Wochenende steigen die Temperaturen wieder auf zehn bis 14 Grad, vereinzelt wird die Sonne zu sehen sein. Schnee in München wird es erstmal nicht geben.

Winter 2015/16: Das sagt die Wetterbehörde

Dominik Jung ist Diplom-Meteorologe und Redaktionsleiter des Portals wetter.net. Er wird immer wieder nicht nur mit Wettervorhersagen, sondern auch oft mit Langzeitprognosen zitiert, die auch gerne Superlative enthalten. Die Stiftung Warentest hatte wetter.net vergangenes Jahr das Prädikat „schwächste Vorhersage“ verliehen. 

Langzeit-Vorhersagen sind nur Prognosen, deren Trefferquote bei etwa 50 Prozent liegt, sagt Jung selbst. „Sie werden auf der gleichen Datengrundlage erstellt, wie Klimatrends, die ja alle sehr ernst nehmen.“ Langzeitberechnungen sind nicht für bestimmte Regionen möglich, betont er. 

Für Deutschland deuten die Daten der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA auf einen nassen und milden Winter hin. Aber auch Jung räumt ein: „Wirklich zuverlässig kann man das Wetter nur für fünf bis zehn Tage vorhersagen.“ Und für diesen Zeitraum deckt sich seine Prognose mit der des Deutschen Wetterdienstes.

Katrin Woitsch

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