"Es ist dieses Jahr ein wenig gruselig"

Experte warnt: Es droht ein Tornado-Sommer

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Tödliche Geschwindigkeit: Im Innern der Windhose rotiert die Luft mit bis zu 500 km/h.

München - Warum kracht es derzeit so oft? Und stehen uns weitere Tornados bevor? Die tz sprach mit einem Wetter-Experten über das Phänomen.

Wetterexperte Dominik Jung.

Tornado in Mecklenburg-Vorpommern, Tornado in Affing, Tornado in der Oberpfalz. So hieß es in den vergangenen Wochen, und jedes Mal blieb eine Spur der Verwüstung zurück. Warum kracht es derzeit so oft? Und stehen uns weitere zerstörerische Wirbelstürme bevor? Die tz sprach mit dem Wetterexperten Dominik Jung von wetter.net über das Phänomen Tornado.

Was ist ein Tornado überhaupt?

Jung: Tornados sind Wirbelstürme, die nur auf sehr kleinem Gebiet auftreten, aber dort verheerenden Schaden anrichten.

Wie entsteht ein solcher Wirbelsturm?

Jung: Wenn trockene und kalte Luft mit feuchtwarmer Luft zusammentrifft, kommt es zu einem exremen Temperatur- und Feuchtigkeitsgegensatz. Dabei gerät die Luft in eine spiralförmige Drehung, und es bildet sich ein Wolkenschlauch. Im Innern nimmt die Windgeschwindigkeit stetig zu.

Wie schnell bewegt sich ein Tornado?

Jung: Der Sturm selbst ist eher schwerfällig. Die extremen Windgeschwindigkeiten werden im Innern des Wolkenschlauchs gemessen. Da können bis zu 500 Stundenkilometer erreicht werden.

Wann droht bei uns ein solcher Wirbelsturm? 

Jung: Immer, wenn sehr heißes Wetter herrscht und die Luft sehr schwül ist. Fürs kommende Wochenende ist für Südbayern so ein Wetter vorausgesagt. Es soll heftige Gewitter geben, da herrschen ideale Bedingungen für einen Tornado.

Warum gibt es Warnungen vor Unwettern, aber keine vor Tornados?

Jung: Das ist sehr schwierig. Man kann einen Tornado höchstens 30 Minuten vorher erkennen. Und vielleicht ist es sogar besser, wenn man nicht warnt. Dann rennen nämlich die Leute nach draußen und wollen Bilder mit dem Handy machen. Die schweben dabei in höchster Lebensgefahr!

Wie kann man sich dann schützen?

Jung: Gar nicht. Was soll man auch tun? Es ist einfach Pech, wann und wo so ein Sturm auftritt. Am besten bleibt man im Haus. Wenn man im Freien ist, sollte man nicht versuchen, vor dem Sturm wegzulaufen, sondern zur Seite wegrennen.

Gab es in den letzten Jahren mehr Tornados?

Jung: Es hat in diesem Jahr zwar rund 30 Prozent mehr solcher Stürme gegeben als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das ist aber vermutlich Zufall. Ob es Veränderungen gibt, kann man schwer sagen. Tornados gab es schon immer. Das sind kleine lokale Ereignisse. Man hat sie halt oft nicht als solche bezeichnet. Es ist auch mehr geworden, weil man mehr darüber berichtet. Übrigens gibt es die meisten Tornados in Europa in Deutschland, etwa 30 pro Jahr.

Gibt es eine Tornado-Saison?

Jung: Eigentlich beginnt die erst im Juli. In diesem Jahr ist es schon ein wenig gruselig, was da abgeht.

Wie wird der Sommer 2015?

Jung: Eine Vorhersage kann man jetzt noch nicht abgeben, aber es könnte ein sehr warmer Sommer werden. Das klingt dann nach einem wahren Tornado-Sommer.

War der Tornado von Affing der schlimmste Wirbelsturm, der Deutschland je heimgesucht hat?

Jung: Nein, am 10. Juli 1968 gab es in Pforzheim in Baden-Württemberg einen Tornado, bei dem Windgeschwindigkeiten von über 400 Stundenkilometer erreicht worden sind. Damals kamen zwei Menschen ums Leben, es gab etwa 200 Verletzte, 1750 Häuser wurden beschädigt, und es gab einen Schaden von rund 100 Millionen Mark.

Haben Sie selbst schon einen Tornado erlebt?

Jung: Nein, Gott sei Dank nicht. Aber ich bin auch kein sogenannter Storm-Chaser, der dem Sturm hinterherjagt.

Volker Pfau

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