Wie zwei Jugendliche eine Katastrophe verhinderten

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Das Wohnhaus in Höhenrain ging am frühen Morgen blitzschnell in Flammen auf.

Dass sie einmal in ein brennendes Haus rennen würden, das hätten Frederic W. und Maximilian P. noch vor wenigen Tagen nicht geglaubt.

„Das macht man ja nicht, einfach so in ein brennendes Haus springen“, sagt Frederic, schaut seinen Freund Maximilian an – und muss grinsen. Denn die beiden Burschen haben genau das getan, vergangene Woche in Höhenrain im Kreis Starnberg.

Es war halb fünf Uhr morgens, der 18-jährige Schüler Maximilian und sein 17-jähriger Freund Frederic, Auszubildender in einer Gärtnerei, waren auf dem Heimweg von einer Party. „Von dem Feldweg aus sahen wir schon das Feuer. Da haben wir die Feuerwehr gerufen und sind sofort losgerannt“, erzählt Maximilian. Über das Feld, am Teich vorbei, ein Sprung über einen Zaun – wie im Film.

„Naja, einen Salto haben wir dabei nicht geschlagen. Aber es ging schon alles ziemlich schnell“, kommentiert Frederic. Die Haustür stand bereits in Flammen, also rannten die beiden an die Hinterseite des Hauses, zur verglasten Terrassentür. „Da war die Hausbesitzerin. Sie ist hysterisch herumgerannt und hat nach ihrem Mann geschrien“, erzählen die Jugendlichen. Sie öffneten die Tür, durch den plötzlichen Luftstoß knallte sie hinter ihnen zu – und von einer Sekunde auf die andere wurde alles um sie herum düster und verschwommen. „Plötzlich war da brutal viel Rauch. Wir konnten kaum noch etwas sehen“, erinnert sich Frederic. Trotzdem rannten die Burschen weiter, denn sie wussten: Oben war der Ehemann der verzweifelten Frau. Auf der Treppe kam er ihnen entgegen. Zusammen verließen sie so schnell wie möglich das Haus. Draußen teilten die Burschen sich auf: Frederic lief zur einen Straßeneinfahrt, Maximilian zur anderen. „Um die Feuerwehr einweisen zu können“, erklärt Maximilian, der freiwilliger Feuerwehrmann ist.

Die Sanitäter baten die Burschen, sich um das Ehepaar zu kümmern. Ein erschütterndes Bild für die beiden: „Sie waren vollkommen verzweifelt. Da war ja all ihr Besitz in dem Haus. Und persönliche Unterlagen“, sagt Maximilian. „Ja, Tagebücher und Fotoalben – das ist alles verbrannt“, ergänzt Frederic und schaut sich um zu dem Haus, das halb zerlegt ist in Schutt und kalte Asche. Noch immer liegt Brandgeruch in der Luft. „Die Polizei vermutet, dass nicht ganz ausgekühlte Asche in der Mülltonne das Feuer ausgelöst hat“, erzählt Maximilian. Unvorstellbar, finden die beiden – ein Haus zerstört wegen einer solchen vermeintlichen Lapalie. „Mir ist einmal mehr bewusst geworden, wie schnell so etwas gehen kann“, sagt Maximilian. Und wie wichtig es ist, in solchen Situationen zu helfen. Die beiden würden es wieder tun. Auch wenn es noch so verrückt klingt – einfach in ein brennendes Haus zu rennen.

Katja Kraft

Quelle: tz

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