Impfschutz in Kindergärten

„Wir könnten Masern ganz einfach ausrotten“

Landkreis - Der Kinderarzt Dr. Christoph Wittermann aus Weilheim wirbt mit Gesundheitsministerin Melanie Huml für Impfschutz in Kindergärten.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml wirbt zu Beginn des neuen Kindergartenjahres für einen konsequenten Impfschutz bei Kindern – vor allem gegen Masern. In der Bevölkerung gebe es noch deutliche Impflücken, teilt sie in einer Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege mit. In Bayern seien in diesem Jahr bereits 151 Masernfälle gemeldet worden – 68 mehr Fälle als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres. Und gerade Masern seien keine harmlose Kinderkrankheit. „Sie können (...) zu schweren Komplikationen wie Lungen- und Gehirnentzündung führen“, warnt Huml.

Dr. Christoph Wittermann, der viele Jahre Kinderarzt in Weilheim war und heute noch vertretungsweise für die Weilheimer Kinder- und Jugendärzte arbeitet, führt Impfstudien durch und hält das Impfen für „außerordentlich wichtig“. „Die hohe Zahl derer, die noch an Masern erkranken, sind unseres Landes nicht würdig. Wir könnten die Masern ganz einfach ausrotten“, sagt er.

Auch, wenn es in Deutschland keine Impfplicht gibt, überprüfen die Mitarbeiter des Kindergartens „Nepomuk“ die Impfpässe der Kinder und geben den Eltern bei der Anmeldung Infomaterial mit. Christine Heidrich, stellvertretende Leiterin des Kindergartens „Nepomuk“ in Weilheim, sagt: „Es liegt im Ermessen der Eltern, ob sie ihr Kind impfen lassen möchten oder nicht.“ Die meisten Kinder seien jedoch ausreichend geimpft. Heidrich: „Bei Kindern, die es nicht sind, müssen wir aufpassen. Wenn ein Kind sich verletzt, muss auch mal die Tetanus-Impfung nachgeholt werden.“

Auch im katholischen Kindergarten St. Johannes in Schongau wird kontrolliert, ob die Kinder gegen Tetanus geimpft sind. Mit Masern gab es dort noch keine Probleme. „Bisher hatten wir keinen Masern-Fall bei uns“, sagt die Leiterin, Cornelia Kammerer. „Sollte es dazu kommen, müssen wir uns etwas überlegen.“ Die Erzieher selbst würden regelmäßig vom Amtsarzt untersucht, so Kammerer. „Ist eine Impfung länger her, wird uns nahegelegt, sie aufzufrischen.“

Dr. Wittermann vermutet, dass viele sich und ihre Kinder nicht impfen lassen, weil sie die Angst vor Infektionen verloren haben oder grundsätzliche Impfgegner sind, die das Impfen für gefährlich halten und sich vor dessen Nebenwirkungen fürchten. Wittermanns Erfahrung nach sind „die Impfstoffe inzwischen so gut verträglich, dass man nicht mehr von einem Risiko sprechen kann, wenn man sich impfen lässt.“

Kinder könnten bereits ab einem Alter von elf Monaten gegen Masern geimpft werden. Für einen sicheren und lebenslangen Schutz seien zwei Impfungen notwendig. Nur in vereinzelten Fällen sei eine Impfung nicht möglich. Zum Schutz dieser Ausnahme-Patienten und auch der Neugeborenen sei es wichtig, alle anderen Kinder zu impfen, so Dr. Wittermann.

Ministerin Huml sieht noch einen anderen Aspekt: „Kinder, die nicht ausreichend geimpft sind, dürfen die Kindertageseinrichtung für eine Weile nicht besuchen, wenn dort Masern oder Mumps aufgetreten sind. Das Risiko einer Ansteckung ist dann zu hoch.“  

Das Informationsblatt

„geimpft-geschützt: In Kindertageseinrichtung und Kindertagespflege“ erhalten Kindertagesstätten im Rahmen einer Impfkampagne von Gesundheits- und Sozialministerium. Es ist in 19 Sprachen erhältlich und klärt über Risiken auf.

Luca von Prittwitz

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