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Keine One-Love-Binde? Wirt sagt kurzfristig geplantes Public Viewing der WM-Spiele ab – „Schnauze voll“

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Von: Tanja Kipke

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Gemeinsam vor der großen Leinwand Fußball schauen und jubeln – solche Bilder wird es bei dieser WM wohl eher nicht geben. Große Public-Viewing-Veranstaltungen sind im Landkreis nicht geplant. symbo Große Leinwand nur in Taufkirchen Aufwand im Winter zu hoch
Solche Bilder wird es beim „Kulturkiosk“ in Bayreuth dieses Jahr nicht geben. Der Wirt sagte das Public Viewing zur WM 2022 kurzfristig ab. (Archivbil) © andreas arnold/dpa

Eigentlich wollte er zumindest die Deutschland-WM-Spiele übertragen. Nachdem Neuer nun doch nicht die „One-Love“-Binde tragen darf, reicht‘s dem bayerischen Wirt.

Bayreuth – „Aktuelle Um-Entscheidung ,wegen Schnauze voll´“: Mit diesen Worten verkündet der Wirt des Kulturkioskes „Zur Seebühne“ in Bayreuth das Aus für die Live-Übertragung der WM-Spiele. Eigentlich hatte er geplant, Public Viewing zumindest für die Deutschland-Spiele in seiner Location anzubieten. Die Entscheidung der Fifa, dass Kapitäne mit Sanktionen rechnen müssten, wenn sie wie geplant die „One-Love“-Armbinde tragen, habe das Fass zum Überlaufen gebracht.

WM 2022 in Katar: Nach Fifa-Entscheidung zur Armbinde – Wirt aus Bayern sauer

Zum Start der umstrittenen WM in Katar gab die Fifa die Entscheidung bekannt. Jeder Kapitän, der die „One-Love“-Armbinde auf dem Feld trägt, habe mit sportlichen Konsequenzen zu rechnen. Gemeint ist damit eine Gelbe Karte. Zahlreiche Länder, unter anderem Deutschland, wollten mit der Binde ein Zeichen für Toleranz und Selbstbestimmung sowie gegen Diskriminierung im Allgemeinen setzen. Nach der Fifa-Entscheidung knickten sie jedoch ein. Geldstrafen hätte man in Kauf genommen, aber eine Gelbe Karte zu Spielbeginn könne man den Spielern nicht zumuten. Die Fan-Reaktionen im Netz verurteilen das Vorgehen scharf.

Auch Cornelius Sturm, der Wirt des Kulturkiosk, ist enttäuscht, wie er dem BR verrät. Die Entscheidung des DFB, Neuer wegen der angekündigten Fifa-Sanktionen doch nicht mit der Armbinde auflaufen zu lassen, könne er nicht mittragen. „Damit wird wieder einmal ängstlich der FIFA gefolgt, obwohl dies eine gute Gelegenheit gewesen wäre, Stellung zu beziehen“, heißt es in einem Statement auf Facebook. Er werde daher keine WM-Spiele zeigen. Die Strafen hätte man laut Sturm in Kauf nehmen sollen. „Unser Fazit: Kein A... in der Hose...“

Auch zahlreiche andere Kneipen haben beschlossen, bei dieser WM die Spiele nicht zu übertragen. Als Boykott gegen das Austragungslandes Katar. In Nürnberg wurden Gastronomen kreativ: Es gibt Freibier statt Public Viewing und ein eigens gebrautes „Boycott-Bier“.

Video: WM in Katar: Manuel Neuer trägt doch keine One-Love-Binde

Facebook-Nutzer zeigen Verständnis über Absage der Public-Viewing-Events

Die Reaktionen unter dem Facebook-Post des Kulturkioskes aus Bayreuth sind zunehmend positiv. „Ich bin euch als Mensch, der sich für eine offene und bunte Gesellschaft einsetzt, für diese Entscheidung unglaublich dankbar“, schreibt eine Nutzerin beispielsweise.

Oft ist zu lesen, dass man Verständnis für die Absage habe und es die richtige Entscheidung sei. Andere glauben, dass Deutschlands Kapitän Manuel Neuer dennoch mit einer „One-Love“ oder Regenbogenarmbinde auf dem Platz erscheinen wird. Am Mittwoch (23. November) muss die deutsche Nationalmannschaft das erste Mal ran, um 14 Uhr spielen sie gegen Japan. (tkip)

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