Prozess in Traunstein

WM-Mord angekündigt: "Ich geh’ jetzt jemanden umbringen!"

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Christoph R. soll seine Tat angekündigt haben.

Traunstein - Im Prozess um den WM-Mord von Bad Reichenhall haben Zeugen weitere Einzelheiten ans Licht gebracht. Demnach habe er die Tat seinen Kameradenangekündigt.

Es war am Dienstag der Verhandlungstag im Traunsteiner Prozess um den WM-Mord von Bad Reichenhall, an dem die Fassade des bubihaft wirkenden Angeklagten bröckelte: Wegen seiner Kickbox-Vergangenheit wurde Ex-Soldat Christoph R. (21) an Händen und Füßen gefesselt vorgeführt – was ihn empörte. Danach berichteten Kameraden aus der Hochstaufen-Kaserne, wie R. bei der Bundeswehr über die Stränge schlug …

Mit seinem angeblichen hohen IQ fühlte sich der Angeklagte überlegen und ließ die Kameraden das auch spüren. „In einem Hotel soll er sich als Feldjäger ausgegeben haben“, sagte ein Oberfeldwebel (26) aus. Bei der Ausbildungskompanie in Bischofswiesen soll er sich als Kommandeur Zutritt zu den Stuben der weiblichen Bundeswehr-angehörigen verschafft haben. Und auf einem Lehrgang in Hamburg musste er betrunken von der Reeperbahn abgeholt werden: R. hatte sich von einer Prostituierten alles Geld abnehmen lassen.

Sein schrecklichstes Stück lieferte Christoph R. allerdings offenbar am 13. Juli 2014 ab. Gegen 2.30 Uhr kehrten in der WM-Nacht die meisten Soldaten vom Public Viewing aus der Stadt in die Kaserne zurück. Eine Gruppe traf vor dem Kompanie-Gebäude auf R., der eigenartig angezogen war. „Christoph, du hast deinen Pullover verdreht an“, sprach ihn Harald O. (20) an. Noch seltsamer erschien den Soldaten aber trotz ihres Alkoholpegels das Kampfmesser in seinem Hosenbund. Auf die Frage, was er damit wolle, habe er geantwortet: „Ich geh’ jetzt jemanden umbringen!“ Harald O.: „Wir gingen davon aus, dass er alkoholisiert war, und haben das als Scherz aufgefasst.“ Gemeldet wurde der Vorfall erst zwei Wochen später, nachdem in den Zeitungen von einem Armeemesser als Tatwaffe die Rede war. Hätte die Blutnacht von Bad Reichenhall verhindert werden können, wenn diese Soldaten cleverer reagiert hätten?

Eine zweite Chance, R. aufzuhalten, hätte nach dem Mord an Malermeister Alfons S. (72) bestanden: R. lief mit blutbesudelten Armen auf eine Gruppe Jugendlicher am Reichenhaller Rathausplatz zu und bot Feiernden eine Zigarette an. Simon B. (17): „Er sah mir ins Gesicht und sagte ‚Ich hab’ grad einen umgebracht.‘“ Doch die Jugendlichen nahmen ihn nicht ernst – nach zehn Minuten zog Christoph R. weiter, traf auf Sarah F. (18) und stach sie brutal nieder.

Am nächsten Morgen reiste R. mit seiner Kompanie zur Gefechtsübung nach Hammelburg. Noch vor der Abreise gestand er einem Stubenkameraden: „Ich bin der Mörder. Doch die kommen nie auf mich.“ Selbst jetzt noch wurde Christoph R. nicht für voll genommen. Die Kompanie-Kameraden sahen ihn als „netten Typen“ an, der unter Alkoholeinfluss „halt mal Blödsinn macht“.

Der Prozess dauert an.

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