Söder bei Gedenkfeier emotional

Unterkunft nach Messerattacke von Würzburg durchsucht - Ermittler geben ersten Zwischenstand

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU)
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Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nimmt an einem Gottesdienst in Gedenken der Opfer der Würzburger Messerattacke teil.

Drei Menschen starben bei dem Messerangriff in Würzburg. Die Ermittlungen zum Motiv laufen auf Hochtouren, nun gab es weitere Einblicke.

  • Bei einem Messerangriff in Würzburg wurden drei Menschen getötet, weitere schwer verletzt (siehe Ursprungsmeldung).
  • Bisher haben Ermittler keine Hinweise auf Propagandamaterial gefunden (siehe Update vom 29. Juni, 11.21 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

Update vom 29. Juni, 11.21 Uhr: Ermittler haben in der Unterkunft des Messerstechers von Würzburg nach eigenen Angaben bisher keine Hinweise für ein islamistisches oder extremistisches Motiv entdeckt. „Bislang sind beim Tatverdächtigen noch keine Hinweise auf Propagandamaterial oder sonstige extremistische Inhalte gefunden worden“, wie die Generalstaatsanwaltschaft München und das Landeskriminalamt am Dienstag mitteilten. Das Ermittlungsverfahren dauere an. Im Zuge dessen soll es ein psychiatrisches Gutachten geben, um zu klären, ob der 24 Jahre alte Somalier bei der Tat am Freitag schuldfähig war und in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss.

Update vom 28. Juni, 10.33 Uhr: Die in der Obdachlosenunterkunft des Messerangreifers von Würzburg gefundenen Gegenstände werden derzeit von Islamwissenschaftlern bewertet. „Aber wir sind bei Weitem noch nicht so weit, dass wir sagen können, wir haben es ausgewertet“, sagte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) am Montag in München. Zu den Funden zählen auch zwei Handys. „Wir gehen davon aus, dass sie ihm gehören“, sagte der Sprecher mit Verweis auf den 24 Jahre alten Verdächtigen aus dem afrikanischen Bürgerkriegsland Somalia.

Messerangriff in Würzburg: Islam-Forscher untersuchen persönliche Gegenstände des Täters

Welche weiteren Gegenstände nun untersucht und bewertet werden, sagte der Sprecher nicht. Damit ist unklar, ob unter anderem auch Schriftstücke entdeckt wurden, die auf ein politisches Motiv hindeuten könnten.

Bislang ist nicht bekannt, warum der Migrant am Freitag in Würzburg drei Frauen mit einem Messer tötete und sieben Menschen verletzte, fünf davon lebensbedrohlich. Womöglich war der Mann geistig verwirrt oder psychisch krank, wie Ermittler vermuten. Es werde aber auch geprüft, ob islamistische Einstellungen zur Tat beigetragen haben könnten. Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU) wollte beides nicht ausschließen.

Update vom 28. Juni, 6.16 Uhr: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sieht einen „eklatanten Verdacht“ auf einen islamistischen Hintergrund bei der Messerattacke von Würzburg. „Es spricht sehr viel angesichts dessen, was wir aufgefunden haben, dafür, dass es sich um eine islamistisch motivierte Tat handeln könnte“, sagte Herrmann am Sonntagabend im „Bild live“-Talk „Die richtigen Fragen“.

So habe man bei der Durchsuchung der Unterkunft des 24-Jährigen Somaliers einiges gefunden, was auf islamistisches Propagandamaterial hinweisen könnte. Außerdem habe der Verdächtige selbst von seinem „Beitrag zum Dschihad“ gesprochen. Man müsse aber jetzt die weiteren Ermittlungen abwarten, vor allem die Auswertung zweier Handys.

Messerangriff in Würzburg: Söder mit emotionalem Appell bei Gedenkfeier

Update vom 27. Juni, 17 Uhr: Ministerpräsident Markus Söder zeigte sich bei seiner Rede auf der Gedenkfeier in Würzburg erschüttert von der Tat am Freitagnachmittag. Die Leichtigkeit nach der langen und anstrengenden Corona-Zeit sei gerade wieder am Aufkeimen gewesen und wurde jäh von der schrecklichen Tat zunichtegemacht. Für die Angehörigen der Opfer beginne jetzt eine lange und schmerzvolle Zeit der Aufarbeitung. „Wir sind alle für sie da“, versicherte der Landeschef.

Er appellierte aber auch an die Menschen Gewalt nicht mit Gegengewalt zu vergelten. Man dürfe nicht alle Menschen mit Migrationshintergrund in einen Topf stecken. „Gut und böse sind keine Frage von Religion oder Ethnie.“ Viele Bürger verschiedener Herkunft hätten sich tapfer dem Attentäter entgegengestellt. „Das finde ich unglaublich mutig.“ Mit den Worten „es tut so unglaublich weh“, beendete Söder seine Rede.

Der Bischof von Würzburg eröffnet die Gedenkfeier im Kiliansdom

Update vom 27. Juni, 15.43 Uhr: „Eine Stadt steht unter Schock,“ sagt Dr. Franz Jung, Bischof von Würzburg. Die Opfer hätten keine Chance gehabt, sich zu schützen. „Wir wollen unsere Trauer und unsere Verunsicherung vor Gott bringen.“ Man fühle mit den Angehörigen. „Wie Sie sind wir alle betroffen, weil es jeden hätte treffen können (...) Niemand soll in dieser Not alleine gelassen werden.“

Update vom 27. Juni, 15.30 Uhr: Die Gedenkfeier im Würzburger Kiliansdom hat begonnen. Direkt zu Beginn spricht Oberbürgermeister Christian Schuchardt „Ich weiß nicht, welches die richtigen Worte sind, die ich an Sie richten kann“, sagt er den Angehörigen. Mit der Gedenkfeier möchte man ausdrücken: „Wir sind für Sie da, egal was Sie brauchen, indem wir gemeinsam trauern, aber auch, wenn Sie Hilfe brauchen. Bitte wenden Sie sich auch an uns und auch an mich ganz persönlich“, so der CDU-Politiker.

„Ich war vorgestern Abend gelähmt und erschüttert vor Entsetzen, wie ich schon in meinem offenen Brief schrieb,“ sagt Schuchardt. Er lobt nochmals die Menschen für ihre Zivilcourage, die mutig eingegriffen haben und sich dem Angreifer in den Weg stellten.

Update vom 27. Juni, 15.05 Uhr: Mutige Bürger stellten sich dem Würzburg-Angreifer am Freitag in den Weg und hielten ihn in Schach, bis die Polizei kam. Damit verhinderten sie möglicherweise noch mehr Opfer. Einer von ihnen ist der 42-jährige Chia Rabiei. Der Kurde aus dem Iran ist seit 17 Monaten in Deutschland. Die Ereignisse vom Freitag lassen ihn nicht los, wie Merkur.de berichtet.

Update vom 27. Juni, 14.30 Uhr: In einer Stunde beginnt im Würzburger Kiliansdom eine Gedenkfeier für die Opfer des Messerangriffs vom Freitag. Neben Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) werden auch Vertreter verschiedener Religionen teilnehmen. Erwartet werden unter anderem der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die evangelische Regionalbischöfin Gisela Bornowski und Vertreter der muslimischen Gemeinden. Die Gedenkfeier können Sie um 15.30 Uhr im Live-Stream (Video oben) verfolgen.

Update vom 27. Juni, 11.59 Uhr: Ob es der Messerangreifer von Würzburg gezielt auf Frauen abgesehen hatte, war für die Ermittler am Sonntag noch unklar. „Die sichergestellten Gegenstände werden ausgewertet“, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes am Sonntag in München dazu lediglich. Das werde einige Zeit dauern, weil beispielsweise Material, das in der Obdachlosenunterkunft des Verdächtigen gefunden wurde, in somalischer Sprache sei. Daher sei es auch noch zu früh, etwa von Hassbotschaften zu sprechen.

Die Beamten untersuchen aktuell auch ein gefundenes Handy. „Die Auswertungen dauern einfach, erfahrungsgemäß mehrere Tage“, sagte ein Ermittler der Deutschen Presse-Agentur. „Das muss jetzt alles übersetzt und bewertet werden.“ Unklar ist bislang vor allem das Motiv des Angreifers, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Ermittler gehen zum einen dem Verdacht nach, der 24 Jahre alte Somalier könnte psychisch krank sein. Zum anderen könnte eine extremistische Einstellung für den Messerangriff des Mannes in der Innenstadt mitverantwortlich gewesen sein.

Anwalt des Angreifers von Würzburg: Mandant womöglich suizidgefährdet

Hanjo Schrepfer, der Pflichtverteidger des Verdächtigen, hält es für möglich, dass sich sein Mandant in der Untersuchungshaft etwas antun könnte. „Was ich feststelle, ist, dass er psychisch auffällig ist“, sagte der Rechtsanwalt am Sonntag der Deutschen-Presse Agentur. Auch die Ermittler sehen offensichtlich diese Gefahr: „Die zuständige Justizvollzugsanstalt ist über eine mögliche Selbstgefährdung informiert“, sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes in München. Welche Vorkehrungen dort getroffen worden seien, wisse er nicht.

Der 24-jährige Verdächtige sitzt in Würzburg im Gefängnis - wegen dreifachen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in sechs weiteren Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall.

Die Polizei präzisiert Detail-Angaben zu den Opfern von Würzburg

Update vom 27. Juni, 10.45 Uhr: Nach unterschiedlichen Angaben zu Zahl und Identität der Opfer des Messerangriffs von Würzburg hat die Polizei am Sonntag ihre Angaben präzisiert. Demnach starben in dem Kaufhaus drei Frauen im Alter von 24, 49 und 82 Jahren. Der Verdächtige hatte die Opfer, die dort einkaufen wollten, am Freitag mit einem Messer angegriffen, das er sich zuvor in der Haushaltswarenabteilung besorgt hatte. Vorherige Angaben, wonach eine der Frauen in dem Laden als Verkäuferin gearbeitet hätte, träfen nicht zu, sagte ein Polizeisprecher.

Zudem verletzte der Verdächtige in dem Geschäft einen 57 Jahre alten Mann leicht. Der 24-Jährige griff in dem Laden auch eine 52-jährige Frau an. Sie wurde schwer verletzt, ist jedoch außer Lebensgefahr. Auf der Straße vor dem Kaufhaus fanden Polizisten ein elfjähriges Mädchen sowie einen Jugendlichen (16) - beide mit schweren Verletzungen. Lebensgefahr bestand bei beiden am Sonntag nicht mehr.

Nach Messerangriff von Würzburg: Polizei präzisiert Angaben zu Opfern

Der 24-Jährige verletzte außerdem eine 26-Jährige leicht. Sie war ebenfalls auf der Straße gefunden worden. In einer nahe gelegenen Bank soll der Mann eine weitere Frau angegriffen haben. Die 73-Jährige kam mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus, ist aber laut Polizei außer Lebensgefahr.

Der Zustand einer 39-jährigen Frau, die der Somalier ebenfalls attackierte, war am Sonntag stabil. Sie sei nicht mehr in einem lebensbedrohlichen Zustand, sagte der Sprecher. Wo der Mann diese Frau angriff, war zunächst unbekannt.

Sie schützte ihre Tochter: Junge Frau (24) unter den Opfern des Messerangriffs von Würzburg

Erstmeldung vom 27. Juni, 9.11 Uhr: Würzburg - Bei dem Messerangriff in Würzburg kamen am Freitag drei Menschen ums Leben, mehrere Personen wurden schwer verletzt. Auch am Samstag herrschte in der Mainmetropole Entsetzen. Immer mehr Details der Tat kommen derweil ans Licht: So soll der 24-jährige Somalier im Woolworth am Barbarossaplatz* eine Verkäuferin gefragt haben, wo die Messer seien. Als die Mitarbeiterin auf die Auslage gedeutet und den Mann beraten haben soll, soll er sich ein Messer gegriffen und damit auf sie eingestochen haben. Das berichtet die Bild. Die Frau starb im Krankenhaus.

Sie schützte ihre Tochter: 24-Jährige stirbt bei Messerangriff von Würzburg

Danach soll der Verdächtige eine Rentnerin (82) getötet und eine weitere Kundin (24) angegriffen haben. Die junge Frau soll nach Informationen der Bild am Sonntag ihre Tochter vor dem Angriff geschützt haben, sie selbst starb.

Nach der Attacke im Kaufhaus soll der Somalier dann auf die Straße gerannt sein. An einer Sparkasse griff er eine 73-Jährige an - und stach rund 13 Mal auf sie ein, wie ihr Sohn der Bild berichtet. Das Messer habe ihre Hauptschlagader um zwei Millimeter verfehlt. „Sonst wäre meine Mutter jetzt tot“, sagte er weiter.

Messerangriff in Würzburg - Bekannter des Verdächtigen erklärt: „Der Typ ist total unnormal

Der Verdächtigte sitzt aktuell in Untersuchungshaft. Focus Online hat mit einem 21-Jährigen gesprochen, der den Verdächtigen persönlich kennt. Er kenne ihn zwar nicht gut und habe nur einmal selbst mit ihm gesprochen, aber: „Der Typ ist total unnormal. In der Zeit, die wir zusammen an der Bushaltestelle standen, hat er nur totalen Schwachsinn erzählt. Sachen wie ‚Der russische Präsident verfolgt mich‘, oder ‚Die Deutschen wollen mich töten‘, völlig krankes Zeug. Alle wussten, dass er total durchgeknallt ist.“

Er sei dem Mann in der Stadt immer wieder begegnet, hatte jedoch keinen Kontakt zu ihm: „Das ist jemand, dem man aus dem Weg geht, weil man merkt, wie komisch er drauf ist. Einmal habe ich gesehen, wie er vor mir ging und einfach seine Brieftasche weggeworfen. Einfach so.“ Ärgerlich findet er, dass durch die Tat des Mannes andere Migranten in Verruf kommen. „Als wir gehört haben, dass er das war mit dem Messerangriff, da waren wir alle total schockiert. Das ist doch total krank! Wer macht denn so was, einfach Menschen umzubringen? Und damit bringt er nun auch noch die ganze Migrantengruppe in Verruf.“

Video: Entsetzen in Würzburg nach dem tödlichen Messerangriff

Nach Messerattacke von Würzburg: Gedenkfeier mit Söder und OB Schuchardt im Dom

Nach der tödlichen Messerattacke wird es am Sonntagnachmittag im Kiliansdom der Stadt eine Gedenkfeier für die Opfer geben. Daran wollen neben dem katholischen Würzburger Bischof Franz Jung auch Vertreter weiterer Religionen und der Öffentlichkeit teilnehmen, wie Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) mitteilte. Erwartet werden bei der Feier der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die evangelische Regionalbischöfin Gisela Bornowski und Vertreter der muslimischen Gemeinden.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wird zu der Gedenkfeier um 15.30 Uhr erwartet. Zuvor legt er gemeinsam mit OB Schuchardt in Gedenken an die Opfer einen Trauerkranz nieder. (kam/dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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