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Falscher Arzt verleitet junge Frauen zu gefährlichen Strom-Experimenten - überraschende Verkündung

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Von: Katarina Amtmann, Claudia Schuri

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Ein Mann überredete Frauen zu lebensgefährlichen Stromstoß-Experimenten. Jetzt ist der Prozess zuende. © Martin Gerten/dpa/Polizei Fürstenfeldbruck

Ein falscher Arzt musste sich vor Gericht verantworten, weil er junge Frauen zu Versuchen mit Stromstößen überredet hat. Nach Prozessende gab es eine Überraschung.

Update vom 29. Januar: Überraschung im aufsehenerregenden Stromschlag-Prozess: Der Verteidiger des Verurteilten hat die Revision überraschend kurz vor Ablauf der Frist zurückgezogen. Das bestätigte das Landgericht München II, nachdem zuvor die Main Post darüber berichtet hatte. Damit ist das Urteil rechtskräftig.

Die Verteidigung äußerte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zunächst nicht zu diesem Schritt. Die Main Post zitierte Rechtsanwalt Klaus Spiegel damit, er bedauere, „dass das Urteil nicht vom BGH überprüft wird“. Es sei jetzt aber „an der Zeit“, dass der Verurteilte und seine Familie „Ruhe bekommen“. Die Entscheidung, das Urteil doch anzunehmen, sei „familienintern“ getroffen worden.

Stromschlagprozess zu Ende: Gericht nimmt bedingten Tötungsvorsatz an

Update von 15.59 Uhr: Er brachte junge Frauen dazu, sich unter Strom stehende Löffel an die Schläfen zu halten - oder mit Alufolie überzogene Sandalen anzuziehen und sich damit Stromschläge zu versetzen. Er brachte außerdem Freunde oder Eltern dazu, Mädchen zu fesseln - beispielsweise mit Kabelbindern an eine Gartenliege - und ihnen Elektroschocks zuzufügen. 

Dazu gab er sich als Arzt aus, sprach von wissenschaftlichen Studien und erteilte per Online-Chat Anweisungen. Es soll ihn erregt haben zu sehen, wie seine Opfer zitterten, Krämpfe erlitten und starke Schmerzen hatten. Einige hatten nach den angeblichen Versuchen Brandmarken an den Schläfen. Die Stromstöße waren lebensgefährlich. Dafür wurde der Angeklagte zu elf Jahren Haft verurteilt.

Das Gericht nimmt in keinem Fall direkten Tötungsvorsatz an - aber bedingten. Das Mordmerkmal: Befriedigung des Geschlechtstriebes. Verurteilt wird der Angeklagte außerdem wegen Titelmissbrauchs und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen. Er zeichnete die Chats auf, um sie sich immer wieder ansehen zu können.

Elf Jahre Haft im Stromschlag-Prozess: Verteidigung forderte zwei Jahre auf Bewährung

Mit den elf Jahren bleibt die Kammer hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 14 Jahren zurück - und übertrifft die Forderung der Verteidigung bei weitem. Dieser hatte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert. Außerdem ordnet das Gericht die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an. Laut einem psychiatrischen Gutachter hat der Angeklagte das Asperger-Syndrom - gepaart mit einer „sexuellen Deviation“, was soviel bedeutet wie Perversion.

Der Richter beschreibt, dass der junge Mann „die beste Fußfetischisten-Seite im www“ besuchte und sich im Internet über Sado-Maso-Praktiken und Folter austauschte, bevor seine jahrelange Tatserie startete. Von 2013 bis Anfang 2018 zog er seine Masche immer wieder durch. Sein jüngstes Opfer war laut Anklage erst 13 Jahre alt. Für die angeblichen wissenschaftlichen Studien bot er den Teilnehmerinnen, die er bei Ebay-Kleinanzeigen fand, weil sie dort einen Nebenjob suchten, mal 200, mal 450 Euro, sogar 1500 oder 3000 Euro. Von einer „Täuschungslegende“ spricht das Gericht.

Dass er wegen seiner psychischen Verfassung - wie es die Verteidigung nahelegte - nicht genau wusste, wie gefährlich das war, was die jungen Frauen in seinem Auftrag taten, glaubt das Gericht nicht. Immer wieder habe er die Frauen, wenn sich bei ihnen während der Chatverläufe Angst und Zweifel meldeten, beschwichtigt und das Risiko heruntergespielt.

Elf Jahre Haft im Stromschlag-Prozess: Urteil wegen versuchten Mordes

Update von 15.04 Uhr: Elf Jahre Haft. So lautet das Urteil gegen den Angeklagten im Stromschlag-Prozess. Der Mann betrat den Gerichtssaal vermummt und versteckte sein Gesicht vor den zahlreichen Kameras. Das Urteil nahm er äußerlich ungerührt auf. Seine Mutter, die als gesetzliche Betreuerin neben ihm saß, wirkte dagegen bestürzt.

Der Mann wurde wegen versuchten Mordes in 13 Fällen verurteilt. Angeklagt war er ursprünglich wegen 88-fachen versuchten Mordes. In einigen Fällen ging das Gericht jedoch von Körperverletzung aus. Einige Fälle flossen aus Gründen der „Verfahrensverschlankung“ nicht in das Urteil ein. Aus Sicht des Gerichts war das Motiv für die Taten sexueller Natur.

Besonders schwerwiegend waren aus Sicht der Kammer die Fälle, in denen der Angeklagte seine Opfer dazu brachte, sich metallene Gegenstände an beide Schläfen zu halten - „was bedeutet, dass das menschliche Gehirn im Stromweg liegt“, wie der Vorsitzende Richter sagte. Dabei hätten die Opfer heftige Schmerzen erlitten. „Es hat mir das Licht ausgeknipst“, zitierte der Richter eines der Opfer. Oder: „Es hat peng im Kopf gemacht.“

Stromschlag-Prozess: Urteil gegen Angeklagten gefallen

Update vom 20. Januar, 14.30 Uhr: Der aufsehenerregende Stromschlag-Prozess ist am heutigen Montag vor dem Landgericht München zu Ende gegangen. Der Angeklagte wurde zu elf Jahren Haft wegen versuchten Mordes in 13 Fällen verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Informatiker aus Würzburg sich als falscher Arzt ausgegeben und junge Frauen zu lebensgefährlichen Stromschlägen überredet hatte. Außerdem wurde die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus verhängt. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft gefordert, die Verteidigung plädierte für eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Prozess um lebensgefährliche Stromexperimente: 14 Jahre Haft gefordert

Update vom 13. Januar: Im Prozess um lebensgefährliche Stromschläge fordert die Staatsanwaltschaft 14 Jahre Haft für den Angeklagten sowie die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Das teilte das Landgericht München II am Montag mit. Die Plädoyers waren nicht-öffentlich. 

Der Staatsanwalt forderte eine Verurteilung des 30 Jahre alten Angeklagten wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung, Titelmissbrauchs und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches. Das Urteil soll am 20. Januar fallen. 

Die Verteidigung des Mannes beruft sich auf eine psychische Erkrankung des Angeklagten und plädierte auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren wegen Titelmissbrauchs und der Erstellung von Bildaufnahmen oder hilfsweise die Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung beziehungsweise fahrlässiger versuchter Tötung. Die Verteidigung fordert außerdem, die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus zur Bewährung auszusetzen.

Gefährliche Stromexperimente: „Falscher Arzt“ steht vor Gericht

Ursprungsartikel vom 11. Januar

München – Es war ein lebensgefährlicher Nebenjob: Ein 30-Jähriger aus dem Raum Würzburg soll zwischen 2013 und 2018 bis zu 120 junge Frauen über das Internet zu Stromexperimenten überredet haben. Er gab sich als Mediziner aus, der gegen Bezahlung Probanden für seine Forschung sucht – in Wirklichkeit wollte er nur seine eigenen Interessen befriedigen (wir berichteten). Die Versuche verfolgte er über das Internet und machte oft auch Videoaufnahmen.

Seit November muss sich der 30-Jährige vor dem Landgericht München II unter anderem wegen versuchten Mordes verantworten. 88 Taten waren angeklagt. Jetzt geht der Prozess dem Ende zu. Am Freitagnachmittag haben Verteidiger, Staatsanwaltschaft und die Anwälte der Nebenkläger ihre Plädoyers gehalten. Weil bei der Verhandlung die Öffentlichkeit teilweise ausgeschlossen war, fanden auch die Schlussvorträge ohne Publikum statt.

Stromschlag-Prozess: Schmerzensgeldansprüche gelten gemacht

Öffentlich verhandelt wurde jedoch über zwei Adhäsionsanträge, mit denen die Anwälte zweier Geschädigten Schmerzensgeldansprüche geltend machten. Eine zur Tatzeit 22 Jahre alte Frau hatte Stromstöße an den Schläfen und Füßen erlitten. Weil sie während des Versuchs mit dem nackten Fuß einen Heizkörper berührte, kam es zu einer Körperdurchströmung. Der Angeklagte habe es „billigend in Kauf genommen, einen Menschen zu töten“, erklärte der Anwalt der Frau. Die Folgen seien unter anderem Schmerzen sowie Strommarken an den Schläfen gewesen. 

Seine Mandantin sei außerdem psychisch labil und leide an einer schizo-affektiven Störung, sagte er. Der Vorfall sei „Bestandteil einer erneut ausgelösten Psychose“. Der Anwalt nahm auch auf eine schriftliche Einlassung des Angeklagten Bezug. Darin habe der 30-Jährige erklärt, „in seinen Gedanken gefangen“ gewesen zu sein und „gezwungen gewesen zu sein, immer weiterzumachen“. „Er hat die Gefahren verdrängt“, erläuterte der Anwalt. Grund für die Taten sei ein sexueller Fetisch.

Bei Stromstoßexperimenten: Frau erleidet Schmerzen und rote Stellen

Seine Kollegin, die für die andere Geschädigte Forderungen geltend machte, sprach von einem „Fußfetischismus und einem Interesse an Sadismus“. Ihre Mandantin ließ sich auf Anweisung des Angeklagten zunächst von ihrem Lebensgefährten die nackten Füße fesseln, bevor die Stromzufuhr erfolgte. Auch sie erlitt Schmerzen und rote Stellen an den Füßen. „Der Angeklagte hat die Ungefährlichkeit des Experiments vermittelt“, erklärte die Anwältin. „Aber die Konstruktion war völlig unsicher. Dass die Versuche nicht tödlich verlaufen sind, ist schlicht Zufall.“

Beide Angeklagten forderten jeweils 5000 Euro Schmerzensgeld. Der Angeklagte blickte währenddessen durchgehend starr nach unten. Der IT-Fachmann leidet unter dem Asperger-Syndrom, einer Autismus-Spektrum-Störung. Seine Mutter tritt beim Prozess als seine gesetzliche Betreuerin auf. Die Verteidiger lehnten die Schmerzensgeldforderungen zunächst ab. Sie argumentierten, dass es keine ärztlichen Gutachten zu den Gesundheitsfolgen für die Geschädigten gebe. Der tatsächlich erlittene Schaden sei gering. Letztlich kam aber ein Vergleich zustande: Die Frau mit den Stromstößen an den Schläfen bekommt 2000 Euro Schmerzensgeld, die andere 800 Euro.

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