Horror-Preis fürs Türöffnen

Wütender Kunde rangelt mit Wucher-Schlosser

München - Dass Schlüsselnotdienste mitunter sehr teuer sind, ist kein Geheimnis. Doch die Preise von "Wucher-Johnny" haben es wahrlich in sich. Einem erbosten Kunden wurde die Abzocke nun zu bunt.

Noch zwei Stunden ist es bis Mitternacht, da fällt einem Echinger (33) die Wohnungstür zu. Er draußen, niemand drinnen. Folglich ruft der Gute am Mittwoch den Schlüsseldienst – noch nicht wissend, dass er damit das wohl schwärzeste Schaf unter schwarzen Schafen kontaktiert. In Branchenkreisen heißt der Handwerker deswegen nur „Wucher-Johnny“. 200 Euro Lohn wurden telefonisch ausgemacht. Man ahnt, was passieren wird, doch diesmal gibt es zwei Opfer…

Hans „Johnny“ B. (51, Name geändert) hat eine bemerkenswerte Wucher-Karriere vorzuweisen. Über 70 Anzeigen sind diesbezüglich aktenkundig. Gerichtsmäßig taucht er im Jahr 2004 auf, wobei es in einem Bericht da schon heißt, „dass sich seit Jahren seine unfreiwilligen Kunden über den Tisch gezogen fühlen“. Mal wird der Johnny freigesprochen, mal verurteilt; 2004 etwa zu einer Geldstrafe von 4500 Euro. Wucher liegt dann vor, wenn der Preis um 50 Prozent über dem Marktüblichen liegt. Dies ist freilich beim Türaufmachen schwer nachzuweisen.

So hatte im Jahr 2012 eine Mutter von drei Kindern Pech mit ihrer Anzeige, die später in Landshut verhandelt wurde. Auch ihr war die Tür ins Schloss gefallen, Johnny rückte an und berechnete für eine Minute Arbeit – einmal Ritsch-Ratsch mit einer Karte – die Summe von 329 Euro. Die Staatsanwaltschaft ging von Wucher aus, auf weil sich die Frau in einer Zwangslage befand. Der Schlossfachmann listete im Prozess jedoch auf, wie er auf den Preis kam: Wegen der Straßenverhältnisse habe er eineinhalb Stunden für die Strecke gebraucht – 78 Euro für An- und Abfahrt. 99 Euro kostete das pure Öffnen der Tür, 70 der Abendzuschlag, 30 Euro packte Johnny pauschal für „Werkzeugverbrauch“ drauf. Dies zusammen ergibt 277 Euro, mit Mehrwertsteuer 329 Euro und ein paar Zerquetschte. Und: Die Rechnung habe er gestellt, nachdem die Tür offen war. Der Richter erkannte zwar auf Wucher, sah aber keine Zwangslage mehr und stellte das Verfahren ein.

Potenziell gerichtsmäßg könnte auch der aktuelle Fall werden. Denn kaum hatte der Profi die Tür offen, präsentierte er dem Kunden die Rechnung: statt der ausgemachten 200 sollte es nun 350 Euro kosten. Doch der Echinger reagierte anders als die vielen Abgezockten vorher. Er flippte aus, beleidigte den Johnny und zwickte ihm auch noch die Hand in der Tür ein. Und so haben beide eine Anzeige an der Backe – der wütende Kunde wegen Körperverletzung, der Johnny wegen Wuchers. Mal wieder.

mc

Rubriklistenbild: © dpa

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