Ermittler gehen alten Spuren nach

Wurde Peggy entführt und ist am Leben?

+
Das Verschwinden von Peggy ist immer noch ungeklärt.

München - Im Fall der vermissten Peggy gehen die Ermittler alten Spuren nach - auch einer aus Oberbayern. Es ist denkbar, dass das Kind entführt wurde und noch am Leben ist.

Nur Wochen vor dem Wiederaufnahmeverfahren im Mordfall Peggy sorgt die Sprecherin der Unterstützungsgruppe für den verurteilten, geistig behinderten Ulvi K. für Unruhe. In einem Brief wirft Gudrun Rödel der Staatsanwaltschaft Bayreuth vor, einseitig zu ermitteln. Rödel schreibt: „Es entsteht der Eindruck, dass man an der Aufklärung des wahren Schicksals des Mädchens tatsächlich gar nicht interessiert ist, sondern lediglich den bisherigen Spekulationen hinsichtlich einer Ermordung, nicht aber einer sehr viel wahrscheinlicheren Entführung des Kindes nachgeht.“

Wegen der seit dem 7. Mai 2001 in Lichtenberg verschwundenen Peggy, die damals neun Jahre alt war, wurde der heute 36-jährige Ulvi K. zu lebenslanger Haft verurteilt – wegen Mordes. Er ist in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Doch die Staatsanwaltschaft und Kripo Bayreuth nahmen wieder die Ermittlungen auf, mit teils spektakulären Aktionen wie dem Aufgraben eines Anwesens in Lichtenberg.

Dass die Staatsanwaltschaft nur in Richtung Mord ermittelt, stimmt so nicht, offenbar gehen die Ermittler derzeit sogar den alten Spuren aufs Neue nach. So wurde erst eine Rentnerin vernommen, die östlich von München wohnt und fünf Tage nach Peggys Verschwinden das Mädchen in ihrem Stoffladen erkannt haben will. Der tz sagte die Verkäuferin: „Ein Mann von etwa 35 Jahren ist mit dem Kind in der Hand gegen 9.15 Uhr hereingekommen. Er hat sie richtig festgehalten.“ Dann habe der Unbekannte, ein südländischer Typ, der Fränkisch gesprochen habe, ihr ein etwa 40 mal 40 Zentimeter großes Tuch hingehalten und wollte ein ähnliches haben. Er wirkte aus irgendeinem Grund nervös. Da sie kein solches Tuch besaß, wollte Friederike (Name geändert) ihm eines aus Seide verkaufen, was dieser aber ablehnte. „Ich habe auch zu ihm gesagt, dass doch die Mutter von dem Kind leicht so ein Tuch nähen könne.“ Der Mann habe behauptet: „Das hat keine Mutter mehr.“ Dann habe er das Mädchen weggezogen und sei aus dem Laden geeilt. Er sei in einem grauen Wagen weggefahren, ließ so eine verstörte Friederike zurück. „Ich hatte das Gefühl, dass mir das Mädchen etwas sagen wollte, dass es Schutz bei mir suchte.“ Sie erzählte davon zu Hause, Tage später ging sie zur Polizei und gab den Hinweis zu Protokoll. Das Verhalten der Beamten beschrieb sie als desinteressiert. Heute sagt sie: „Ich bin mir sicher, dass damals Peggy bei mir im Laden war.“ Rödel will dazu erfahren haben: „Ihre damalige Aussage vor Ort war angeblich verloren gegangen.“

In ihrem Brief listet sie eine ganze Reihe von weiteren Ungereimtheiten auf. So taucht in Zeugenwahrnehmungen immer wieder ein roter Mercedes mit tschechischem Kennzeichen auf. Das Auto könnte mit Peggys Verschwinden in einem Zusammenhang stehen. Ein rotes Auto mit tschechischem Kennzeichen spielte zumal eine Rolle bei einem Mord im nur zehn Kilometer von Lichtenberg entfernten Geroldsgrün. Im März 2001, zwei Monate vor dem Fall Peggy, wurde dort der 17-jährige Hans-Joachim W. mit mehreren Schüssen getötet. Die Soko Peggy soll zwei Wochen nach deren Verschwinden den später wegen des Mordes verurteilten Ivan L. aufgesucht haben. Es ging dabei um ein rotes Auto, das vor dessen Haus abgestellt war. Der Autoschlosser soll damals angegeben haben, dass es sich um ein Fahrzeug seines Bruders aus Tschechien handle.

Solche Erkenntnisse und weitere Sichtungen von Peggy, etwa in der Türkei, lassen Gudrun Rödel nun sogar Folgendes annehmen: „Dass in Lichtenberg in keinster Weise ein Mord stattgefunden hat.“

kh/mc

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Achtjähriger und sein Vater aus Gilching verschwunden
Achtjähriger und sein Vater aus Gilching verschwunden
Schock am Tegernsee: Sportkleidung im Wert von 100.000 Euro geklaut
Schock am Tegernsee: Sportkleidung im Wert von 100.000 Euro geklaut
Tier verursacht Sturz - Mopedfahrer stirbt
Tier verursacht Sturz - Mopedfahrer stirbt
Schauplatz der Nürnberger Prozesse für Touristen offen
Schauplatz der Nürnberger Prozesse für Touristen offen

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion