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Zara-Schließung in Regensburg: Mieses Spiel mit den Beschäftigten und perfide Forderung

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Von: Stefan Aigner

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Auf dem Neupfarrplatz in Regensburg haben mehrere Beschäftigte von Zara für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. © Stefan Aigner

Sämtliche Beschäftigte der Zara-Filiale in der Altstadt von Regensburg wurden gekündigt. Nun sollen sie Mitarbeiterinnen für das neue Geschäft in den Arcaden anlernen.

Regensburg – Sie demonstrieren in ihrer Freizeit oder kommen kurz als Unterstützung mit vor die Tür, wenn sie gerade Pause haben: Beschäftigte der Regensburger Altstadt-Filiale der spanischen Fast-Fashion-Kette Zara auf dem Neupfarrplatz haben am Samstag (9. April) auf ihre Situation aufmerksam gemacht. „Familienfreundliche Arbeitszeiten, auf die zum Beispiel alleinerziehende Eltern angewiesen sind, passen nicht mehr zu den Vorstellungen, die das Management von Zara hat“, heißt es auf einem Flugblatt, das verteilt wird.

Wie berichtet, wird das Geschäft zum Jahresende schließen und – so lautet die offizielle Sprachregelung – ins Arcaden-Einkaufszentrum umziehen. Doch tatsächlich greift der Milliardenkonzern im Zuge dieses „Umzugs“ zu einem Kniff, um langjährige Beschäftigte und mit ihnen den Betriebsrat und entsprechende Betriebsvereinbarungen zu Arbeitszeit und Urlaub loszuwerden.

Zara-Schließung in Regensburg: Eine bekannte Masche des Konzerns

Das Geschäft am Neupfarrplatz wird geschlossen und alle rund 35 Beschäftigten werden gekündigt. Sie können sich gegebenenfalls in der neuen Zara-Filiale in den Arcaden bewerben, allerdings zu voraussichtlich schlechteren Konditionen. Dieses Vorgehen kennt man von anderen Zara-Filialen im ganzen Bundesgebiet. Ähnliche Beispiele gibt es in Berlin, Düsseldorf und Mönchengladbach.

Im Zuge der Corona-Pandemie hat der börsennotierte spanische Inditex-Konzern, unter dessen Ägide Zara betrieben wird, angekündigt, weltweit 1200 Filialen zu schließen und sich verstärkt auf den Online-Handel zu konzentrieren. Weniger, aber dafür größere Geschäfte sollen dabei auch als eine Art Verteilzentren fungieren – ein Konzept, für das man auch verstärkt mit ungelerntem und damit schlechter bezahltem Personal planen kann.

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Zara-Schließung in Regensburg: Mit den Betroffenen wird kaum gesprochen

Die meist langjährigen Mitarbeiterinnen auf dem Neupfarrplatz wollen das zumindest nicht widerspruchslos hinnehmen. Sie sammeln Unterschriften, sprechen mit Passanten – doch viel Hoffnung, dass ihre Anliegen bei der Geschäftsführung gehört werden, machen sie sich nicht. Mit ihnen wird so gut wie gar nicht gesprochen.

Zwar ist mittlerweile durchgesickert, dass die neue Zara-Filiale in den Arcaden bereits im September öffnen soll, doch wann ihr Geschäft schließt, wissen sie auch Monate nach der angekündigten Schließung bis heute nicht. In Regensburg hat die Geschäftsleitung Termine für eine Einigungsstelle zu Verhandlungen über einen Sozialplan mehrfach verschoben. Aktuell soll es nun der 22. April sein. Ob der Termin stattfinden wird, steht aber noch in den Sternen.

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Gekündigte Zara-Beschäftigte sollen neue Mitarbeiterinnen anlernen

Besonders perfide: Derzeit hat die Geschäftsleitung bereits mehrere Beschäftigten, von insgesamt zehn ist am Samstag die Rede, am Neupfarrplatz mit befristeten Verträgen neu eingestellt, um sie von den langjährigen Mitarbeiterinnen, die ihre Jobs verlieren, für das neue Geschäft anlernen zu lassen.

Zara-Gründer Amancio Ortega zählt zu den reichsten Männern der Welt. Gleichzeitig steht das Unternehmen regelmäßig wegen seiner schlechten Arbeitsbedingungen, vornehmlich in den Produktionsbetrieben, und massiver Umweltverschmutzung in der Kritik. Nach Berichten der Gewerkschaft ver.di werden auch schwarze Listen mit unerwünschten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt. Das merkt man auch am Samstag: Namentlich äußern will sich gegenüber unserer Redaktion niemand.

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