Mehr FSME-Erkrankungen

Achtung! Zecken-Alarm in Bayern

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Eine Zecke krabbelt über die Hand eines Mannes.

München - Der Süden Deutschlands bleibt Zecken-Gefahrengebiet: Die Zahl der Risikogebiete in Bayern ist unverändert hoch, die Zahl der Erkrankungen an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sogar gestiegen.

420 FSME-Erkrankungen gab es im vergangenen Jahr in Deutschland. Über 44 Prozent der Erkrankungen traten in Bayern auf. Betroffen ist praktisch der gesamte Freistaat, betont das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Die meisten Fälle gab es im Landkreis Amberg-Sulzbach (14), gefolgt vom Landkreis Fürth (12). Aber auch in Neustadt-Bad Windsheim (9), Main-Spessart (8) sowie in den Landkreisen Rosenheim (7) und Traunstein (5) trat die tückische Krankheit vermehrt auf. FSME-Viren können beim Menschen grippeähnliche Symptome und in besonders schweren Fällen eine Hirnhautentzündung auslösen. Bleibende Schäden können Lähmungen und Konzentrationsschwächen sein. Im Extremfall verläuft die Krankheit tödlich. Anders als bei Borreliose, einer weiteren durch Zecken übertragenen Infektion, gibt es bei FSME kein Gegenmittel. Das RKI weist aber daraufhin, dass der Wohnort der Erkrankten oft nicht identisch mit dem Infektionsort ist.

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Insgesamt seien aktuell 142 Kreise als FSME-Risikogebiete definiert, teilte das RKI mit. Nicht jede Zecke trägt das Virus in sich – warum sich die Infektionen in einigen Regionen so deutlich häufen, ist noch weitgehend unklar. Schon seit Jahren ist der Großteil Bayerns als Risikogebiet eingestuft. Kein erhöhtes Risiko besteht lediglich in folgenden Landkreisen: Fürstenfeldbruck, Starnberg, Günzburg, Dachau, Augsburg (Stadt und Landkreis), Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen, München (Stadt und Landkreis), Hof und Ostallgäu. Lediglich in Baden-Württemberg gibt es noch mehr Risikogebiete – nur ein Landkreis ist hier offiziell ohne FSME-Risiko.

Die Zahl der Erkrankungen schwankt jedes Jahr. Die 420 FSME-Erkrankungen im vergangenen Jahr sind ein starker Anstieg im Vergleich zu 2012 (plus 115 Prozent). Aber schon 2011 wurden ähnlich viele Erkrankungen registriert wie nun. Der absolute Spitzenwert stammt von 2006 (546). Die Gründe für die Schwankungen sind vielfältig. So gibt es einen Zusammenhang mit der Zahl der Mäuse, die das wichtigste Wirtstier für die Zeckenlarven sind. Auch das Wetter spielt eine Rolle. Der diesjährige milde Winter könnte die Ausbreitung der Zecken erneut begünstigen. Tatsächlich gibt es, etwa im Landkreis Forchheim sowie in Rottal-Inn, auch schon 2014 einzelne gemeldete FSME-Fälle.

FSME-Impfung "unbedingt" bei Schulkindern und bei über 40-Jährigen

Das RKI empfiehlt jedem, der in einem Risikogebiet Kontakt zu Zecken haben könnte, zu einer Impfung. Bei Schulkindern sollte das „unbedingt“ erfolgen, sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Die Aufforderung kommt nicht ohne Grund, denn die tatsächliche Impfbereitschaft ist relativ gering.

In Bayern ist die Impfquote nur in der Stadt Ingolstadt bei über 50 Prozent, sonst darunter. Aufgrund der relativ schlechten Impfmoral sei nicht davon auszugehen, dass die Zahl der Neuerkrankungen nachhaltig gesenkt werden könnte, heißt es im jüngsten Bulletin des RKI. Vor allem Impfungen von über 40-Jährigen seien wichtig, da hier statistisch gesehen weit mehr Erkrankungen auftreten als etwa bei Jugendlichen. In Gebieten ohne Risiko sind die Quoten noch geringer. So sind im Landkreis Dachau 30,8 Prozent der Schulanfänger geimpft und nur 21,8 Prozent der Allgemeinbevölkerung.

FSME-Impfung schützt nur höchstens fünf Jahre

Info-Grafik zum Gesundheitsrisiko Zecke (zum Vergrößern bitte hier klicken).

Wer regelmäßig in Wald und Wiese spazieren geht, sollte sich vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) schützen. Zecken übertragen deren Erreger. Drei Impfungen sind für einen umfassenden Schutz erforderlich. Darauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hin. Die zweite Dosis wird vier bis zwölf Wochen nach der ersten verabreicht. Etwa 14 Tage nach der zweiten Impfung hat der Körper für einige Monate genug Abwehrkräfte. Wer länger geschützt sein möchte, sollte sich nach neun bis zwölf Monaten eine dritte Impfung verabreichen lassen. Die Immunisierung hält aber nur drei bis fünf Jahre vor und muss dann erneuert werden. Bemerkbar macht sich eine Infektion unter anderem durch Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen. Die Viren können zu Hirn-, Hirnhaut- und Rückenmarkentzündungen führen. Keine Impfung gibt es gegen die ebenfalls von Zecken übertragene Bakterien-Infektion Borreliose.

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Dirk Walter/dpa

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