Zeitzeugen über 2. Weltkrieg

Die Erinnerungen einer Generation

München - Die Schrecken des Zweiten Weltkriegs sind nach dem TV-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" präsent wie lange nicht mehr. Die tz hat mit Zeitzeugen aus München und Bayern gesprochen.

Ein Leben an der Front, im zerbombten München oder auf der Flucht: Seit dem viel beachteten TV-Dreiteiler Unsere Mütter, unsere Väter sind die Schrecken des Zweiten Weltkriegs präsent wie lange nicht mehr. Nicht nur im Fernsehen – wie etwa am vergangenen Sonntag bei Günther Jauch –, auch zu Hause diskutieren die Menschen über diese Epoche. Wie war es wirklich, damals im Zweiten Weltkrieg? Was hat jeder Einzelne mitgemacht?

Enkel fragen ihre Großeltern, Kinder ihre Väter und Mütter. Diejenigen, die den Krieg erlebt haben, sind heute 80, 90 Jahre alt. Die Zeit, mit ihnen über ihre Erlebnisse, ihre Sorgen und Ängste zu sprechen, wird immer kürzer. Auch die tz hat sich auf Spurensuche begeben und Menschen aus München und Bayern gefunden, die sich erinnern wollen. Zeitzeugen, die ihre eigene Geschichte erzählen – und damit die Erinnerungen einer ganzen Generation.

Antonia Wille

Die Angst ist geblieben

Rosi Griesbacher lebt noch heute in ihrem Schwabing

Noch heute fürchtet sie sich vor dunklen Kellern. Lange wusste Rosi Griesbacher (76) nicht, woher diese Angst kommt. Bis ihr eines Tages in einer solchen Situation Bilder in den Kopf schossen – und sie sich zurückversetzt fühlte: ins Jahr 1945. Bombenangriff auf München – Rosi Griesbacher und ihre Familie kauern in der Halle des Max-Gymnasiums. Beim Angriff auf das Schwabinger Krankenhaus wird auch ihr Unterschlupf beschädigt. Bis heute kann sie die Angst von damals nicht vergessen.

Das Mädchen kommt 1936 in München zur Welt. Als der Krieg ausbricht, ist sie drei Jahre alt. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem ein Jahr älteren Bruder lebt sie in Schwabing, der Vater wird einberufen, muss an die Front. Er wird nicht mehr heimkommen …

Rosi Griesbacher als Kind in München

Als die Fliegerangriffe München erreichen, muss die Familie oft um ihr Leben laufen, erinnert sich Rosi Griesbacher: „Wir rannten immer, um möglichst schnell in Deckung zu kommen.“ Meist findet die Familie Schutz im nahe gelegenen Max-Gymnasium. Einmal verliert Rosi auf dem Weg zum sicheren Ort ihre Puppe: „Da war ich sehr, sehr traurig. Gefunden habe ich sie nie mehr.“ Ein anderes Mal muss alles so schnell gehen, dass die kleine Rosi nach den Bombenangriffen im Chaos verschwindet – und erst Stunden später gefunden wird. „Noch heute bekomme ich Panik, sobald ich mich irgendwo nicht auskenne. Damals wusste ich auch nicht, wo ich bin“, erzählt sie.

Heute lebt Rosi Griesbacher noch immer in Schwabing. Die Erinnerungen an das zerbombte München wird sie nie vergessen. „Hier ist meine Heimat.“

Die Angst ist geblieben

Ludwig Fichtlscherer lebt heute mit seiner Frau Bertha in München

Noch heute fürchtet sie sich vor dunklen Kellern. Lange wusste Rosi Griesbacher (76) nicht, woher diese Angst kommt. Bis ihr eines Tages in einer solchen Situation Bilder in den Kopf schossen – und sie sich zurückversetzt fühlte: ins Jahr 1945. Bombenangriff auf München – Rosi Griesbacher und ihre Familie kauern in der Halle des Max-Gymnasiums. Beim Angriff auf das Schwabinger Krankenhaus wird auch ihr Unterschlupf beschädigt. Bis heute kann sie die Angst von damals nicht vergessen.

Das Mädchen kommt 1936 in München zur Welt. Als der Krieg ausbricht, ist sie drei Jahre alt. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem ein Jahr älteren Bruder lebt sie in Schwabing, der Vater wird einberufen, muss an die Front. Er wird nicht mehr heimkommen …

Ludwig Fichtlscherer lebt heute mit seiner Frau Bertha in München

Als die Fliegerangriffe München erreichen, muss die Familie oft um ihr Leben laufen, erinnert sich Rosi Griesbacher: „Wir rannten immer, um möglichst schnell in Deckung zu kommen.“ Meist findet die Familie Schutz im nahe gelegenen Max-Gymnasium. Einmal verliert Rosi auf dem Weg zum sicheren Ort ihre Puppe: „Da war ich sehr, sehr traurig. Gefunden habe ich sie nie mehr.“ Ein anderes Mal muss alles so schnell gehen, dass die kleine Rosi nach den Bombenangriffen im Chaos verschwindet – und erst Stunden später gefunden wird. „Noch heute bekomme ich Panik, sobald ich mich irgendwo nicht auskenne. Damals wusste ich auch nicht, wo ich bin“, erzählt sie.

Heute lebt Rosi Griesbacher noch immer in Schwabing. Die Erinnerungen an das zerbombte München wird sie nie vergessen. „Hier ist meine Heimat.“

„Diese schrecklichen Bilder werde ich nie vergessen“

Pauline Feierfeil war im Krieg Nachrichtenhelferi

Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, arbeitet Pauline Feierfeil im Café Kustermann in der Lindwurmstraße als Konditoreiverkäuferin. Sie liebt den Beruf – doch dann muss auch sie „in den Krieg“. „Alle jungen Leute mussten mit 18 zum Arbeitsdienst beziehungsweise hieß es für den Jahrgang 1925, dass wir uns zur besonderen Verwendung bereithalten sollten“, erinnert sich Pauline Feierfeil. Für die damals 18-Jährige heißt das: Sie wird zum Nachrichtendienst abkommandiert. Erst geht es für die Münchnerin in die Heeresschule für Nachrichtenhelferinnen ins hessische Gießen, dann werden die Frauen ins Ausland verteilt. Pauline Feierfeil muss gemeinsam mit einer Kollegin nach Krakau in Polen. „Zur Arbeit mussten wir mit der Straßenbahn fahren – in der Mitte war eine Linie gezogen. Vorne durften die Deutschen stehen, hinten die Polen“, erinnert sich die 87-Jährige. Schreckliche Bilder begegnen ihr in dieser Zeit: „Eines Morgen sahen wir zehn erschossene Polen am Straßenrand, sie waren bei der Arbeit wahllos getötet worden – als Vergeltung für eine tote deutsche Krankenschwester.“ Diesen Anblick hat sie bis heute nicht vergessen.

Pauline Feierfeil auf einem alten Foto

Im Jahr 1944, kurz bevor die Russen in Krakau einmarschieren, werden die zwei Frauen nach Jüterbog bei Berlin in ein Lager gebracht. Hier werden sie zu Funkerinnen umgeschult. Kurz vor Ende des Krieges 1945 überlebt Pauline Feierfeil einen Bombenabwurf nur knapp. Ein Splitter zertrümmert ihre Hand. Ihre Kollegin stirbt. Bis heute ist ihr Handgelenk steif – doch sie hat überlebt.

Kreuz wird gegen Hitler getauscht

Josef Beer (88) lebt mit seiner Frau Marianne in Bogenhausen. Bis heute sind die Erinnerungen an den Krieg für den Münchner präsent, sind ein Teil seines Lebens.

Josef Beer mit einer Patrone. Sie traf ihn – und blieb stecken

Er wird 1924 in einem kleinen Dorf in der Oberpfalz geboren. Die Familie ist glücklich. Die Jahre auf dem Land prägen Josef Beer. Das Landleben ist zwar eintönig, aber harmonisch. Gemeinsam mit seinen Geschwistern genießt er die beschauliche Zeit – bis auch hier die ersten Nazis aktiv werden. Er erinnert sich: „Unser Lehrer war ein hundertprozentiger Nationalsozialist. Er beauftragte uns Kinder, überall für seine Partei die Wahlplakate anzubringen. Es wurde ein Wettbewerb.“ Am 30. Januar 1933 kommt Hitler an die Macht. Nur einen Tag später ersetzt Beers Lehrer das Kreuz in der Schule durch ein Porträt des Führers. Die zaghaften Proteste verstummen schnell.

Josef Beers Vater verbietet dem Sohn, der Hitlerjugend beizutreten. Seine Freunde, deren Väter längst der NSDAP angehören, sind bereits dabei. Und so sieht der junge Josef nur am Straßenrand zu, wenn die Jugendgruppe an ihm vorbeimarschiert. Bis es Pflicht wird, einzutreten – und auch sein Vater zustimmt. Der Zusammenhalt, die gemeinsamen Aktivitäten: Den Jugendlichen gefällt es.

Während Josef Beers Eltern gegen die Partei sind, versinkt die Jugend im politischen Sumpf. Ab 1939 tobt der Krieg. Als Hitler 1941 Russland angreift, sagt Josef Beers Vater: „Das ist der Anfang vom Ende.“ Er soll recht behalten. Der 18-jährige Josef Beer muss im Oktober 1942 in den Krieg. Josef Beer kehrt als einer der Wenigen zurück. Im Rückblick sagt er: „Der Krieg war schrecklich, es wurden uns viele Jahre gestohlen.“

Politische Äußerungen wurden ihr verboten

Als junge Frau ist Franziska Schwarzmüller in München

Der Münchner Gerhard Acktun hat die Erinnerungen seiner Mutter Franziska Schwarzmüller aufgeschrieben. Die junge Frau arbeitete als Schankkellnerin bei „Schottenhamel“ in München, als der Krieg ausbrach. Von Niederbayern aus hatte sich die zielstrebige Frau in die Großstadt aufgemacht. „Sie wollte was erleben“, erzählt Gerhard Acktun. Schnell findet seine Mutter eine Ausbildungsstelle, wird Schankkellnerin. Als der Krieg ausbricht, wechselt sie in ein Café. Vom Krieg hält die Frau nichts. „Meine Kollegin und ich hatten nicht die beste Meinung zum Krieg und zu Hitler. Wir sagten Dinge, die wir zu dieser Zeit lieber nicht hätten sagen sollen“, schreibt Schwarzmüller damals auf. Wenige Tage später kommt es zu einer Ladung der Gestapo. Ihr wird verboten, sich politisch zu äußern. Wütend fügt sie sich.

Als ihre Brüder in den Krieg müssen, zieht sie zurück zu ihrer Mutter, hilft ihr am Hof. Bis kurz vor Kriegsende. Es geht wieder in die Stadt. Alles ist zerbombt. Es wird gehamstert, die Menschen halten zusammen. Und auch Franziska Schwarzmüller findet ihr Glück. 1948 heiratet sie. Die Ehe ist glücklich, gemeinsam baut das Paar sich eine Existenz auf. Sie stirbt im Jahr 2000.

München im Jahr ’45

Wie viele Großstädte in Deutschland wurde auch München während des Zweiten Weltkriegs in Schutt und Asche gelegt. Als die Amerikaner am 30. April 1945 in die bayerische Landeshauptstadt einzogen, fanden sie eine Stadt vor, die fast zur Hälfte zerbombt war. Die historische Altstadt war sogar zu 90 Prozent zerstört. Vor dem Krieg lebten mehr als 800 000 Menschen in München. Danach waren es nur noch knapp 480 000. Viele waren aufs Land geflüchtet oder dem Krieg zum Opfer gefallen.

Der Wiederaufbau beginnt rasch: Viele alte Hausfassaden werden nach ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild restauriert. Gleichzeitig entstehen hinter den Fassaden neue Gebäude. Zehn Jahre nach dem Krieg waren die meisten Trümmer beseitigt – und im Jahr 1957 lebten bereits über eine Million Menschen in München.

So begann der Zweite Weltkrieg

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Rubriklistenbild: © Bodmer

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