Weniger Einwohner als gedacht

Mir san weniger: Bayern ist geschrumpft

München - In Bayern leben weniger Menschen als bisher angenommen. Das kam bei der aktuellen Volkszählung heraus. Es gab noch mehr Überraschungen, was die Bevölkerung angeht.

In Bayern leben weniger Menschen als bisher angenommen: Zum Stichtag der Volkszählung am 9. Mai 2011 hatte der Freistaat genau 12.397.614 Einwohner, sagte Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) am Freitag in München bei der Vorstellung der ersten Ergebnisse des Zensus 2011. Bisher war die Staatsregierung davon ausgegangen, dass es vor zwei Jahren schon rund 150 000 Menschen mehr waren. Somit wäre die Bevölkerung in Bayern vom einen auf den anderen Tag um 1,2 Prozent geschrumpft. Nürnberg sank dadurch unter die Marke von einer halben Million Einwohner auf 486 300.

Zensus 2011 - das sind die wichtigsten Ergebnisse

Für die erste Volkszählung in Deutschland seit mehr als 20 Jahren haben die Statistiker eine Unmenge von Daten gesammelt. Das sind die wichtigsten Ergebnisse: © dpa
In Deut schland leben 80 219 695 Menschen. Bislang waren die Statistiker von 81 729 155 Einwohnern ausgegangen. Die neuen Zahlen ergeben daher ein Minus von 1,8 Prozent. © picture-alliance/ dpa
Vor allem die Zahl der Ausländer ist deutlich niedriger als gedacht: Statt 7,25 Millionen leben in der Bundesrepublik lediglich 6,17 Millionen Menschen mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft. © picture alliance / dpa
Neben den Stadtstaaten Berlin (-5,2%) und Hamburg (-4,6%) weist Baden-Württemberg den deutlichsten Einwohnerverlust (-2,5%) auf. In Rheinland-Pfalz liegt das Minus hingegen nur bei 0,2 Prozent. © picture alliance / dpa
Berlin hat rein rechnerisch die meisten Einwohner verloren: Anstelle der vermuteten 3,47 Millionen Menschen leben in der Hauptstadt lediglich 3,29 Millionen - ein Minus von 5,2 Prozent. Das größte prozentuale Minus (-8,5%) weist allerdings Aachen auf. © picture-alliance/ dpa
Manche Städte sind auch größer als erwartet: Vor allem Bielefeld (+3724 auf 326 870) und Bergisch Gladbach (+3118 auf 108 878) ragen dabei heraus. © dpa
Zum Zeitpunkt der Erhebung gab es in Deutschland 39,99 Millionen Erwerbstätige und 2,14 Millionen Erwerbslose. Die Arbeitslosenquote betrug damit 5,1 Prozent. © picture alliance / dpa
Etwa 15,02 Millionen Einwohner kommen aus einer Zuwandererfamilie. Während in Hamburg 27,5 Prozent der Menschen einen sogenannten Migrationshintergrund haben, sind es in Thüringen nur 3,3 Prozent. Die Stadt mit der deutschlandweit höchsten Quote ist das hessische Offenbach mit 48,9 Prozent. © picture alliance / dpa
Die meisten Zuwanderer stammen aus der Türkei. Mit 17,3 Prozent aller Migranten stellen sie die größte Gruppe. Dahinter folgen Zuwanderer aus Polen (13,1%), Russland (8,7%), Kasachstan (8,2%) und Italien (5,3%). © picture alliance / dpa
Frauen sind in Deutschland klar in der Überzahl: 41,07 Millionen weiblichen Einwohnern stehen lediglich 39,15 Millionen Männer gegenüber. Besonders deutlich zeigt sich der Vorsprung der Frauen in der Gruppe der über 75-Jährigen. © picture alliance / dpa
In der Bundesrepublik gibt es 40,8 Millionen Wohnungen - etwa eine halbe Million mehr als bislang erwartet. 4,4 Prozent davon stehen leer - vor allem in Ostdeutschland. Spitzenreiter ist Chemnitz mit einer Leerstandsquote von 13,7 Prozent. © picture-alliance/ dpa
Eine Mehrheit wohnt weiterhin zur Miete. Die Eigentümerquote kletterte in den vergangenen Jahren auf 45,8 Prozent - allerdings mit deutlichen regionalen Unterschieden: Im Saarland befinden sich 62,8 Prozent der Wohnungen im Besitz der Bewohner, in Berlin sind es lediglich 15,6 Prozent. © dpa

Bundesweit waren es knapp zwei Prozent weniger Einwohner als bisher angenommen. Die Einwohnerzahlen waren deshalb ungenau, weil sich viele Bürger beim Umzug von einem Ort in den anderen nicht ummelden oder weil Tote nicht aus allen Registern gelöscht wurden.

In Bayern leben auch weniger Ausländer

In Bayern leben offensichtlich auch weniger Ausländer als bislang angenommen: Nach den bisherigen Schätzungen, die auf einer Fortschreibung der letzten Volkszählung im Jahr 1987 beruhten, lebten in Bayern rund 1,2 Millionen Menschen ohne deutschen Pass. Der Zensus hat ergeben: Es waren vor zwei Jahren nur gut eine Million Ausländer. Nach einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2008 müssen die Mitgliedsstaaten alle zehn Jahre einen Bevölkerungszensus erheben.

Sehr stark abgenommen hat in Bayern auch die Zahl der Gläubigen in den beiden großen Kirchen: Demnach gehörten 2011 nur noch drei Viertel der Bayern der römisch-katholischen oder der evangelischen Landeskirche an. Mit 6,8 Millionen sind nur noch 55 Prozent der bayerischen Bevölkerung katholisch. Bei der letzten Volkszählung vor gut 25 Jahren waren lediglich neun Prozent nicht Mitglied einer der beiden großen Kirchen, nun waren es 2011 schon 24 Prozent.

Ebenfalls erhoben haben die Statistiker die Anzahl der Wohnungen. Laut Zählungen gab es bayernweit 6,1 Millionen Wohnungen - rund ein Prozent mehr als bis 2011 angenommen. In München hingegen, wo es ohnehin an Wohnraum mangelt, musste die Anzahl der Wohnungen um etwa ein Prozent nach unten korrigiert werden - auf 742 000. Knapp 50 Prozent der Wohnungen werden vom Eigentümer selbst bewohnt, bundesweit sind es nur 45 Prozent.

Die Einwohnerzahlen sind unter anderem entscheidend für die Verteilung der Länderstimmen im Bundesrat, für die Höhe der Finanzausgleichszahlungen sowie für die Verteilung der Landtagsmandate auf die Wahlkreise. Für die Landtagswahl im September spielten die Zensusergebnisse aber noch keine Rolle, sagte Eck. Im Jahr 2014 wollen die Statistiker weitere Daten veröffentlichen. Bisher hat die Volkszählung in Bayern 90 Millionen Euro gekostet, davon hat 60 Millionen der Bund und 30 Millionen das Land übernommen. Nach einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2008 müssen die Mitgliedsstaaten alle zehn Jahre einen Bevölkerungszensus erheben.

dpa

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