Er soll Goldmünzen ergaunert haben

Zockte Betreuer eine Millionärin ab?

Bayreuth - Steht ein untreuer Betreuer vor Gericht? Ein Ex-Berufssoldat soll Millionärin Charlotte F. († 86) nach Strich und Faden ausgenommen haben.

Er war Bürgermeisterkandidat einer kleinen Gemeinde. Doch in seinem Beruf als rechtlicher Betreuer entmündigter Personen soll der Familienvater weniger hehre Ziele verfolgt haben: Steht hier ein untreuer Betreuer vor Gericht?

Der Ex-Berufssoldat soll Millionärin Charlotte F. († 86) nach Strich und Faden ausgenommen haben. 2011 war der Familienvater vom Amtsgericht Bayreuth zum Betreuer der hochbetagten Witwe bestellt worden. „Die Betreuung umfasste insbesondere auch die Vermögenssorge“, sagt der Staatsanwalt. Laut Anklage veranlasste Roland S. am 8. Oktober 2012 die alte Dame, bei der Sparkasse 25 Krügerrand und 25 goldene Maple Leaf (Wert: 71 225 Euro) zu bestellen und ihm zu schenken. Der Ankläger: „Er wusste, dass sie aufgrund ihres geistigen Zustandes nicht mehr in der Lage war, die Tragweite ihrer Entscheidung zu erfassen.“

In der Folgezeit soll er dreimal 1000 Euro von ihrem Konto abgehoben und 3000 Euro an eine Kirchengemeinde überwiesen haben, in der er selbst beschäftigt war. Was die Sache besonders verwerflich macht: Die von einer Nachbarin vor Gericht als „krankhaft geizig“ beschriebene Charlotte F. hatte in ihrem Testament bestimmt, dass ihr Vermögen in eine Stiftung fließen soll, die sich um die Förderung von Wissenschaft und Förderung kümmern sollte. Nach dem Willen der 2013 verstorbenen Millionärin sollte ausgerechnet ihr Betreuer Roland S. Stiftungsvorsitzender werden.

Die Sache flog auf, als er sich gleich nach Charlotte F.’s Tod weigerte, eine Schlussrechnung zu erstellen. Im Prozess am Dienstag kam zudem heraus, dass er die Goldmünzen bis heute in seinem Tresor verwahrt. Doch der Angeklagte, der in dunkelblauem Anzug und mit Goldrand-Brille im Gericht erschien, sah darin kein Problem: „Aus Dankbarkeit“ habe ihm die Betreute die Münzen vermacht. Er habe schließlich ihre Messie-Wohnung aufgeräumt und sie auf die Idee mit der Stiftung gebracht. „Sie sagte, ‚Ich bin so glücklich, Sie haben mir meinen Lebenswunsch erfüllt, weil ich weiß, was mit meinem Geld nach meinem Tod passiert‘.“

Er will nicht gewusst haben, dass Charlotte F. geschäftsunfähig war. Über das Gold-Geschenk sei er glücklich gewesen. Seine Tätigkeit als Betreuer will er einstellen: „Zu viel Ärger“, schimpfte er vor Amtsrichterin Kerstin Kayser. Der Prozess dauert an.

tz

Rubriklistenbild: © dpa

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