Zugroasten-Atlas: Einwanderungsland Bayern

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Viele Neubürger Bayerns kommen aus dem Ausland.

München - In Bayern leben so viele Menschen wie noch nie: Das neue Statistische Jahrbuch für 2011 weist 12 538 696 Einwohner aus. Viele Neubürger kommen aus dem Ausland.

„Die markanteste Komponente war die Zuwanderung“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) – vor allem aus dem Ausland, besonders aus Osteuropa. Auch aus den Schulden-Staaten der EU kommen wieder mehr Menschen. Einwanderungsland Bayern!

Die genauen Zahlen: Zum Jahresende 2010 lebten rund 12,54 Millionen Einwohner im Freistaat. Heuer sind bis Juli noch einmal 21 071 Menschen dazugekommen, berichtet das Landesamt für Statistik. Vor 20 Jahren waren es noch 11,5 Millionen Bürger gewesen und vor 200 Jahren sogar nur 3,7 Millionen im gesamten Freistaat! Bayern wächst, während der große Rest der Republik schrumpft.

Getragen wird die Entwicklung aber nicht von der Fruchtbarkeit der Bayern: Den 105 251 Geburten stehen 123 089 Todesfälle gegenüber. Bei geschlossenen Grenzen müsste der Freistaat also schrumpfen – und das schon seit Jahren.

Vielmehr wächst Bayern dank der Zuagroasten. Aus den anderen Bundesländern ziehen zwar mehr Bürger nach Bayern als aus dem Freistaat in den Rest der Republik. Aber der Trend ebbt langsam ab: Mehr als 118 000 kommen, aber auch fast 108 000 gehen. Unterm Strich bleiben noch 10 746 Neu-Bayern. Im Vorjahr waren es 5000 mehr.

Viel stärker steigt die Einwanderung aus dem Ausland. Mehr als 139 000 Menschen kommen, nur noch 105 000 gehen. In der Bilanz gewinnt Bayern 34 587. Im Vorjahr stand hier noch ein dickes Minus – da hatten also mehr Menschen den Freistaat Richtung Ausland verlassen als von dort kamen.

„Es findet eine Abstimmung mit Füßen statt. Bayern ist ein Chancenland“, sagte Innenminister Herrmann. Das sind ganz neue Töne von der CSU. Noch vor einem Jahr hatte der Parteitag in München ein altes Credo erneuert: „Deutschland ist kein Einwanderungsland.“

Herrmann sagte, die ausländischen Mitbürger könnten nach erfolgreicher Integration bei der Bewältigung des Fachkräftemangels und anderer Folgen des demographischen Wandels helfen. „Gerade aus Ländern mit extrem hoher Arbeitslosigkeit wie Griechenland und Spanien kamen viele gut ausgebildete Arbeitskräfte.“ Aus den krisengeschüttelten alten EU-Staaten verstärkt sich die Zuwanderung: Zuletzt stand oft ein Minus in der Bilanz, jetzt erscheint fast überall ein Plus.

Die größten Zuwächse verzeichnet der Freistaat aber aus Osteuropa – aus Rumänien, Polen und Ungarn kamen sehr viel mehr Menschen, als sich in diese neuen EU-Länder verabschiedeten.

Hier spricht ein Zuagroaster: „München ist einfach der Volltreffer“

Lächelnd blickt Dirk Matschke über die Dächer Münchens: „Ich bin angekommen. Das hier ist der Volltreffer“, sagt der 40-Jährige. Matschke ist ein waschechter Zua­groaster – einer, der von einem anderen Bundesland nach Bayern zog, um hier zu arbeiten. Im Jahre 2010 waren das immerhin 118 494 Menschen.

Seit mehreren Monaten ist der gebürtige Düsseldorfer nun der Küchenchef für Veranstaltungen im Bayerischen Hof. „Natürlich ist das ein Traumjob. Aber ich habe mich auch für München entschieden, weil die Stadt wirtschaftlich so stark ist – und zudem wunderschön.“ Matschke muss es wissen: Der Mann lebte schon in Katar, in Zürich, Hongkong und Berlin. Als Küchenchef kommt man halt viel herum. Die Bundeshauptstadt war sein letzter Wohnort.

„In Berlin fehlt schon allein die Kaufkraft bei vielen Menschen, die Stadt ist viel ärmer. München ist halt einfach der Wirtschaftsmotor der Republik.“ Also nie wieder weg von hier? „Ich habe es nicht vor. Ich habe jetzt eine schöne Wohnung in Solln gefunden. Perfekt!“

David Costanzo

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