Kriseninterventionsteam kümmert sich um Helfer

"Diese Bilder schockieren jeden"

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Horst Henke vom Kriseninterventionsteam des Bayrischen Roten Kreuz.

Bad Aibling - Das Zugunglück bei Bad Aibling konfrontierte die vielen Helfer mit schrecklichen Bildern. Für deren Betreuung war das Kriseninterventionsteam des Bayrischen Roten Kreuzes im Einsatz.

Menschen schreien um Hilfe, überall Blut, Tote liegen zwischen den Trümmern. Was die vielen Ersthelfer in den Zugwracks sehen mussten, kann niemand beschreiben. Auch Horst Henke (54) vom Kriseninterventionsteams des Bayerischen Roten Kreuz war vor Ort. Seine Aufgabe war es, sich mit seinem Team psychologisch um die Retter zu kümmern. Die tz sprach mit ihm.

Wie kann man solche Bilder verarbeiten? 

Henke: Da reagiert jeder Helfer anders. Wichtig ist, dass jeder über das Erlebte spricht. Und genau dafür waren wir am Dienstag mit 16 Personen am Unglücksort. 

Kommt da jeder Feuerwehrler oder BRK-Helfer, um Trost zu suchen? 

Henke: Die meisten. Früher war das anders. Heutzutage weiß aber jeder, dass psychologische Erstbetreuung sehr wichtig ist und nichts mit Schwäche zu tun hat. 

Was passiert dann? 

Henke: Oft sitzen alle in einer Pause zusammen und erzählen, was sie am meisten aufgewühlt hat. Das ist oft nicht nur Gesehenes, sondern mal Schreie, ein Wimmern oder auch Gerüche. 

Es gibt auch Einzelgespräche? 

Henke: Natürlich. Mancher braucht auch einen Therapeuten nach solch schrecklichen Einsätzen. 

Ein hoher Preis für jemanden, der ehrenamtlich anderen hilft … 

Henke: Ja. Jeder hat Angst vor solchen Einsätzen. Aber der Wille zu helfen ist halt noch größer. Das Schlimmste sind übrigens Tragödien, wo Kinder zu Schaden kommen. Das gilt für jeden Ersthelfer. 

Was passiert, wenn jemand solche Erlebnisse in sich reinfrisst? 

Henke: Das ist gefährlich. Denn oft speichert der Mensch schreckliche Erlebnisse in irgendeiner Schublade im Gehirn ab. Die bleibt dann jahrelang verschlossen. Wenn es ihm plötzlich aus einem anderen Grund schlecht geht, schnellt diese regelrecht auf. Alles kommt plötzlich wieder hoch. Das kann zu Burnout oder auch zu Depressionen führen. 

age

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