Zugunglück bei Bad Aibling

Elftes Todesopfer: Lokführer Jürgen hat es nicht geschafft

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Lokführer Jürgen F. wurde bei dem Zugunglück so schwer verletzt, dass er kurz darauf starb.

Bad Aibling - Das Zugunglück von Bad Aibling hat ein elftes Todesopfer gefordert. Lokführer Jürgen F. erlag seinen schweren Verletzungen.

Zwei Tage nach der Zugkatastrophe von Bad Aibling ist einer der Schwerverletzten verstorben. Dabei handelt es sich um Jürgen F. (47) aus Sauerlach (Kreis München). Der Lokführer und zweifache Familienvater fuhr im Meridian am Unglückstag als Fahrgast mit. Er hatte sich schlimme Knochenbrüche am ganzen Körper zugezogen.

Die Ärzte hatten eine Blutung im Stammhirn festgestellt. „Mittwochnacht wurde seine Familie schon ins Krankenhaus gerufen“, sagte ein Bekannter. Offenbar rechnete man schon mit dem Schlimmsten. Jürgen F. hatte auf Lokführer umgeschult, nachdem er als Sanitäter Jahre zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatte. Er war nach wie vor bei der freiwilligen Feuerwehr in Sauerlach aktiv.

Auch das zuvor noch nicht bekannte zehnte Todesopfer ist inzwischen identifiziert. Es handelt sich um einen 38-jährigen Mann aus dem brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße, wie die Polizei mitteilte. Ronny B. war auch einer der vier Lokführer, die in den beiden Unglückszügen saßen. Er hinterlässt eine Frau und eine Tochter. Die Polizei aktualisierte zudem die Zahl der Verletzten: Demnach gibt es 21 Schwerverletzte und 62 Leichtverletzte. Die neun weiteren Todesopfer sind Männer aus der Region im Alter von 24 bis 60 Jahren.

Die Frage nach der Ursache stand auch am Donnerstag im Mittelpunkt. Ergebnisse gab es aber noch keine. „Wir haben zwei Komponenten, in denen wir ermitteln: Die technische Seite und die menschliche Seite“, erläuterte ein Polizeisprecher. Derzeit würden die Signalanlagen untersucht und die zwei bereits gefundenen Blackboxes ausgewertet.

„Wenn man zu dem Ergebnis käme, dass es keine Hinweise auf technisches Versagen gäbe, würde man die Ermittlungen eher auf die menschliche Seite richten.“ Doch derzeit gebe es noch keine Hinweise, in welche Richtung sich der Fokus verschieben werde.

Die Aufräumarbeiten kommen derweil nur langsam voran. Die Fachleute arbeiten mit schwerem Gerät an der Bergung der Zugwracks. Am Donnerstag zogen sie fünf noch fahrfähige Waggons zu den Bahnhöfen Bad Aibling, Heufeld und Rosenheim. Die Arbeiten sollen nach Angaben der Deutschen Bahn spätestens am Sonntag abgeschlossen werden. Auch Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer der zuständigen Bayerischen Oberlandbahn (BOB), sagte: „Wir rechnen damit, dass es noch ein, zwei Tage dauern wird.“

Laut Polizei gehe es sehr langsam voran, weil die beiden ineinander verkeilten Zuggarnituren nur schwierig voneinander zu trennen seien. Die Arbeiten sind nicht ungefährlich. „Da ist ja unheimlich viel Energie in dem Metall gespeichert, und wenn die Wracks auseinandergezogen werden, könnte es sein, dass ein Metallteil wie ein Pfeil weggeschleudert wird“, sagte ein Polizeisprecher.

tz

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