Fakten - und was noch ungeklärt ist

Zugunglück: Die Ursache ist bekannt - dennoch bleiben Fragen offen

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Nahe des Ortes, an dem die Züge aufeinander prallten, erinnern nun Blumen an das Unglück in Bad Aibling.

Bad Aibling - Elf Menschen sind tot. Die Ursache des Zugunglücks bei Bad Aibling liegt nach Angaben der Ermittler bei einem Fehler des Fahrdienstleiters. Hier haben wir zusammengefasst, was zu dem Zusammenstoß bekannt ist und welche Fragen weiterhin offen bleiben.

Ein schrecklicher Unfall. Zwei Meridian-Züge prallen aufeinander. Menschen werden verletzt, einige getötet. Rettungskräfte waren vor Ort und kümmerten sich um Verletzte und Angehörige. Es ist ein Schock. Die Entwicklungen am Tag des Unglücks lesen Sie in unserem Ticker zum Zugunglück in Bad Aibling vom Dienstag.

Hier finden Sie einen Überblick über das, was wir bereits wissen und was noch ungeklärt ist.

Zugunglück bei Bad Aibling: Die Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim

Es ist eine Stammstrecke des Meridian, der von der Bayerischen Oberlandbahn GmbH betrieben wird. Die Strecke, auf der es zu dem Unglück kam, führt von Holzkirchen über Bad Aibling nach Rosenheim. Diese Verbindung ist nur eingleisig befahrbar. Auf Höhe des Klärwerks Bad Aibling - zwischen Bad Aibling und Kolbermoor - kam es zu dem Zusammenstoß. Kurz vor einer Aral-Tankstelle ist es passiert, rund 600 Meter vom Bahnhof entfernt. Unser Reporter vor Ort berichtete, dass es sich um ein abgelegenes Waldgebiet handelt. Der Unfall passierte in einer Kurve.

Zugunglück bei Bad Aibling: Die Züge waren schnell unterwegs

Ein Zug kam von Kolbermoor und fuhr in Richtung Holzkirchen, der andere war Richtung Rosenheim aus München unterwegs. Zugelassen sind auf diesem Abschnitt 100 km/h. Rainer Scharf von der Bundespolizei sagte zur ARD: "Ich gehe davon aus, dass die beiden Züge mit einer hohen Geschwindigkeit aufeinander geprallt sind." Die Bergung der beiden Züge gestaltete sich schwierig. Die Züge hatten sich 20 Meter in einander geschoben, weshalb die Bergung der Zugwracks spezielle Geräte erforderte.   

Opfer des Zugunglücks bei Bad Aibling: Elf Tote und viele Verletzte

Von dem Unfall betroffen waren vor allem Pendler. Aufgrund der Faschingsferien befanden sich keine pendelnden Schüler in den beiden Zügen, insgesamt waren etwa 150 Personen in den beiden Zügen. Alle elf Menschen, die bei diesem Unglück starben, sind männlich und zwischen 24 und 60 Jahren alt, darunter auch der Lokführer Jürgen F. Zudem wurden rund 18 Schwerverletzte und etwa 90 Leichtverletzte in Krankenhäuser eingeliefert. 

Zugunglück bei Bad Aibling: Betroffene Strecke ab Samstag wieder offen

Die Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim ist ab Samstag, 19. Februar, wieder für den regulären Zugverkehr frei gegeben.

Um die verkeilten Züge vom Unglück von einander zu trennen, wurden zwei Spezialkräne aus Fulda und Leipzig mit einer Tragkraft von 160 und 60 Tonnen nach Bad Aibling gebracht. Das ist mittlerweile geschehen, die geborgenen Teile wurden nach Kolbermoor und Bad Aibling transportiert. 

Aufgrund der Folgen des Unfalls wurden einige Faschingsumzüge in der Region abgesagt. In München fand das bunte Treiben ohne Einschränkungen am Viktualienmarkt statt.

Zugunglück bei Bad Aibling: Die Einsatzkräfte - Unterstützung aus Österreich

Vor Ort waren hunderte Helfer im Einsatz. Hilfe aus Österreich mit 14 bis 15 Hubschraubern. Rettungskräfte seilten sich von diesen ab, um besser an die nur schwer begehbare Unglücksstelle zu gelangen. Zudem hatte das Bayerische Rote Kreuz alle verfügbaren Kräfte an der Bahnstrecke. Die Wasserwacht brachte Verletzte mit Booten über die Mangfall. Auch Bergwachtkräfte waren als Helfer vor Ort. Die Verletzten wurden auf umliegende Krankenhäuser verteilt, darunter auch das Krankenhaus Agatharied im Landkreis Miesbach.

Zugunglück bei Bad Aibling: Fehler des Fahrdienstleiters als Ursache

Beamte der Kriminalpolizei übernahmen unter Leitung der Staatsanwaltschaft Traunstein mit Unterstützung von Kollegen der Bundespolizei die Ermittlungen zum Hergang des Unglücksfalles. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt erklärte, dass es sich nicht um ein technisches Versagen handle. Auf einer Pressekonferenz eine Woche nach dem Unglück gaben die Ermittler bekannt, dass der Fahrdienstleiter im Stellwerk von Bad Aibling ein Sondersignal gegeben hatte, das zu dem Zusammenprall führte. 

Der 39-Jährige ist derweil an einem sicheren Ort untergebracht, um ihn vor Selbst- und Fremdgefährdung zu schützen. Er soll über viele Jahre Berufserfahrung verfügen und nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gestanden haben. Genauere Hintergründe zu seinem Handeln haben die Ermittler bislang noch nicht veröffentlicht. Allerdings wird nicht von vorsätzlicher, sondern von fahrlässiger Tötung ausgegangen, weshalb der Mann nicht in Untersuchungshaft sitzt.

Details zu allen Abläufen zum Zeitpunkt des Unglücks konnten noch nicht rekonstruiert werden. Klar ist aber, dass der Zug von Holzkirchen nach Rosenheim etwa drei bis vier Minuten Verspätung hatte und vom Fahrdienstleiter ein Sondersignal bekam. Warum, hat die Polizei bisher nicht bekanntgegeben. Wir haben zusammengefasst, wasüber den Ablauf zum Zeitpunkt des Unfalls bereits bekannt ist.

Was am Tag nach dem Unglück von Bad Aibling passiert, lesen Sie in unserem Ticker vom Mittwoch. Zwei Tage später geht es weiter mit den Bergungsarbeiten der Zugteile, wir berichten darüber in einem weiteren Ticker am Donnerstag.

Lesen Sie zu diesem Thema außerdem:

Zugunglück Bad Aibling: Was Angehörige jetzt wissen müssen

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Er saß nicht im Zug: "Unfassbar, was ich für ein Glück habe!"

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Kommentar zum Zugunglück: Bayern unter Schock

Das Ausmaß des Zugunglücks zeigt die Bildergalerie:

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