Zugunglück bei Bad Aibling

Vergebliche Notrufe aus dem Stellwerk?

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Ein Ermittler bringt eine Steuerungseinheit aus dem Zug. In ihr sollte die Blackbox sein. Die Bergung der Meridian-Wracks kommt derweil voran.

Bad Aibling - Bei dem verheerenden Zugunglück bei Bad Aibling starben elf Menschen. Vor der Katastrophe sollen sich dramatische Szenen abgespielt haben.

Voller Anspannung blicken viele in Bayern auf die Arbeit der Ermittler nach der Zugkatastrophe von Bad Aibling. Elf Menschen kamen dabei ums Leben, weitere Schwerverletzte sind laut Auskunft der Polizei noch nicht über dem Berg und in kritischem Zustand. Zwei Berichte sorgten zugleich am Freitag für weitere Aufregung. Der diensthabende Fahrdienstleiter im Stellwerk von Bad Aibling soll nach Informationen des Spiegel versucht haben, die aufeinander zurasenden Züge per Notruf zu stoppen. Er habe kurz hintereinander über Sprechfunk zwei Notrufe abgesetzt und dafür ein spezielles Mobilfunknetz der Bahn mit einer Notruffunktion genutzt. Allerdings sagte ein Polizeisprecherin dazu: „Dazu liegen mir keine Informationen vor.“ Und auch Rettungskräfte vor Ort wissen nichts von Notrufen. Dem Bericht zufolge soll aber der erste Notruf die Lokführer kurz vor dem Zusammenstoß der Regionalzüge am Dienstag zwischen Bad Aibling und Kolbermoor erreicht haben. Der zweite sei nach der Kollision erfolgt. 

Die Augsburger Allgemeine schrieb zudem am Freitag über ein Ergebnis aus der Auswertung der ersten beiden Fahrtenschreiber und beruft sich auf Ermittlerkreise. Demnach habe der aus Kolbermoor kommende Zug keine Signale missachtet, 200 Meter vor der Unfallstelle habe dann ein Signal „Halt erwarten“ gezeigt. Das Signal wird als Vorsignal bezeichnet und kündigt das Hauptsignal „Halt“ an. Nach dem ersten Signal habe laut der Zeitung der Zug seine Geschwindigkeit ordnungsgemäß verringert. Beim Zusammenprall sei dieser mit 52 Stundenkilometern gefahren.

Die Bergung der Meridian-Wracks kommt derweil voran.

Am Freitag wurde auch der bislang vermisste dritte Fahrtenschreiber gefunden. Die Blackbox der Firma Deuta, Typ DSK22, ist allerdings beschädigt. Dennoch wurde sie zur Auswertung gebracht. Die zwei Fahrtenschreiber, die zuvor aus den Wracks geborgen worden waren, sind bereits ausgelesen – und zwar vollständig: „Es konnten keine Hinweise auf Missachtung von Signalen festgestellt werden“, berichtete dazu ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums.

Die Ursache des Unglücks bleibt also auch zu Beginn des Wochenendes weiter ein Rätsel. Die Bergung der verbliebenen Zugteile kommt aber gut voran, die beiden Triebfahrzeuge sollten bald wegkommen. Wenn das Gleis und die Oberleitung wiederhergestellt sind, wollen Ermittler in einer Probefahrt die Unglücksfahrt simulieren. 

+++ Alle Neuigkeiten zum Zugunglück finden Sie im Ticker vom Freitag +++

mc

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