Zugkatastrophe bei Bad Aibling

Rätsel um Unglücks-Ursache: Wichtige Fragen und Antworten

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Die Polizei stellte am Mittwoch im Aiblinger Stellwerk Unterlagen sicher.

Bad Aibling - Wie konnte das Unglück von Bad Aibling passieren? Insider vermuten: So viele defekte Sicherungen auf einmal – das kann nicht sein. Die tz klärt die wichtigsten Fragen:

Welche Fehler kommen in Frage?

Prinzipiell möglich sind Fehler in der Zugleittechnik, in der Kommunikation zwischen Stellwerk und Lokführern oder im Verhalten von Fahrdienstleiter oder Lokführern. Auf eine technische Fehlschaltung der Signale, dass etwa das automatische System einem Zug grünes Licht gab statt Rot, deutet bislang nichts hin. Denkbar ist auch eine grobe Missachtung der Vorschriften.

Wie ist die Unglücksstrecke technisch ausgerüstet?

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Die 37 Kilometer lange Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim wird mit der sogenannten Punktförmigen Zugbeeinflussung (PZB) gesichert. Die ist ab Tempo 100 vorgeschrieben und wird bis 160 Kilometer pro Stunde eingesetzt. Beim PZB-System empfängt ein Gerät im Zug Signale von Magneten im Gleisbett – diese sind mit einem ersten Vorsignal und dem 1000 Meter weiter stehenden Hauptsignal verkabelt. Steht das Hauptsignal auf Rot, zeigt dies auch bereits das Vorsignal an. Der Lokführer muss mit einer Taste bestätigen, dass er dies bemerkt hat, sonst bremst ihn die Technik ab. Rollt der Zug über das rote Hauptsignal, wird eine Zwangsbremsung ausgelöst.

Lässt sich das Sicherheitssystem außer Kraft setzen?

Das PZB-System gilt als zuverlässig. Ein Fahrdienstleiter kann eine Entscheidung des Computers aber überstimmen: So kann etwa eine Signalanlage defekt sein. Um einen Zug bis zum nächsten Bahnhof zu bringen, kann der Fahrdienstleiter die Weiterfahrt per Funk anordnen. Anderes Beispiel: Ein Zug bleibt liegen und muss abgeschleppt werden. Die Abstandsregeln verböten es, eine zweite Lok an den Zug heranfahren zu lassen. Per Ersatzsignal oder Anordnung per Funk kann der Fahrdienstleiter dies dennoch ermöglichen.

Von welchem Stellwerk wurde die Strecke überwacht?

Die eingleisige Strecke wird nach Angaben der Deutschen Bahn von einem Fahrdienstleiter im Stellwerk von Bad Aibling betreut. Der Mitarbeiter, der zum Unglückszeitpunkt Dienst hatte, wurde von der Polizei befragt. Nach deren Angaben bestand am Mittwoch kein dringender Tatverdacht gegen ihn.

Was machen eigentlich Fahrdienstleiter?

Sie entscheiden, ob ein Zug fährt oder nicht. Denn sie stellen Signale und Weichen per Hebel, ihr Arbeitsplatz ist das Stellwerk. In Bad Aibling steht ein elektrisches Relaisstellwerk, das mit Drucktasten bedient wird. Die Tasten sind im Gleisbild dort angeordnet, wo sich die zugehörigen Elemente, etwa Weichen und Signale, draußen befinden.

Zugunglück bei Bad Aibling: Alle News vom Donnerstag im Ticker zum Nachlesen

tz

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