Von der Lawine verschüttet: Die in ihrer Alm gefangene Oberkaser-Mare (84) vertrieb sich die Zeit mit Putzen

Zwei Tage in der Dunkelheit

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Sennerin Mare wäre am liebsten in ihrer Hütte geblieben.

Der Trubel um sie regt die Mare langsam mehr auf als die depperte Lawin’. Am Mittwoch hatten Bergwachtler sie aus der von einem Schneebrett verschütteten Oberkaseralm am Geigelstein gerettet.

Von der Alm war da nur noch das obere Stück des Kamins zu sehen. Jetzt wohnt die 84-jährige Sennerin, die seit fast 70 Jahren auf dem Berg lebt, für kurze Zeit weiter unten in der Priener Hütte. Arri-Hauptaktionär Bob Arnold, bei dem die Mare früher Haushälterin war, erzählte der tz, wie es ihr geht.

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Die Rettung der Oberkaser-Mare

„Anfangs wollte sie nicht einmal in ein eigenes Zimmer, sondern auf der Bank in der Stub’n schlafen.“ Inzwischen hat sich die Sennerin immerhin überreden lassen, ein richtiges Bett zu nehmen.“ Christl von der Priener Hütte gab ihr das Zimmer mit der Nummer 12. „Dort geht der Kamin vom Kachelofen durch, das Zimmer ist schön warm.“

Die Lawine kam am Montagabend runter. Um 17.30 Uhr rief die Sennerin mit ihrem Wählscheiben-Telefon in der Priener Hütte an und berichtete der Christl von dem Schneebrett. Doch die Einsiedlerin fühlte sich trotz der Dunkelheit pudelwohl: Proviant war da, Wasser, und als Gesellschaft die liebgewonnenen sechs Katzen. Und es gab auch was zu tun: Die Sennerin putzte seelenruhig bei Kerzenschein oder im Licht der Taschenlampe. Es war ja nicht die erste Lawine, die die Oberkaseralm traf …

Doch diesmal war die Mare tatsächlich gefangen. Sie spannte es selbst, als sie versuchte, sich rauszugraben. Den Plan gab sie schnell auf. Was sie nicht wissen konnte: Vier Meter hoch türmte sich da der Schnee vor ihrer Tür!

Eine Situation, wie sie die naturverbundene Frau wohl nie erlebt hat, seit sie als Mädl auf die Geigelstein-Almen kam. Zunächst noch als Besucherin, dann als Sennerin und Haushälterin, deren Kasspatz’n im Geigelstein-Kessel berühmt sind.

„Die ziehen mich aus meinem Haus raus“, sagte sie bei ihrer Rettung nach zwei Tagen. Auf den Schock hin trank sie gleich zwei Schnäpse mit dem Priener Hüttenwirtspaar. Nun will Mare schnell wieder zurück in ihre eigene Hütte. Die Bergwacht jedenfalls hat sich schon zum Freischaufeln angesagt. Um die Katzen kümmert sich bis dahin ein Nachbar.

Markus Christandl

Der Geigelstein ist mit 1813 Metern Höhe der zweithöchste Gipfel der Chiemgauer Alpen. Hier wurde die Mare in 1500 Meter Höhe verschüttet.

Die dramatische Rettung

Thomas Griesbeck von der Bergwacht Bayern erklärt den Ablauf der Rettung:

Nach dem Lawinenabgang am Montagabend um halb sechs Uhr flog zunächst die Polizei im Hubschrauber über die Alm. Die Helfer sahen den Schornstein, der als einziges noch aus dem Schnee herausragte. Vorsichtig landete der Hubschrauber in sicherem Abstand zur Hütte, die Männer von der Bergwacht Sachrang, Aschau und Wasserburg eilten zum verschütteten Haus. „Mit Lawinensonden haben sie die Hütte sondiert und die Umrisse festgestellt.“ Diese Sonden werden in den Schnee gesteckt, bis sie auf Widerstand stoßen.

Zuerst gruben sich die Bergwachtler bis zur Rückwand des Hauses. „Aber das war eine Sackgasse.“ Also versuchten sie es noch einmal von der Vorderseite und konnten sich vier Meter tief bis zum Giebelfenster hindurchwühlen. Von dort stiegen die Helfer in die Hütte ein.

Und wie wurden sie empfangen? „Mare war völlig ruhig und entspannt, sie war ja schon fast zwei Tage verschüttet.“ Sie saß gemütlich am Tisch und begrüßte ihre Retter. „Sie hat sich ein Kerzlein angezündet, sonst wäre es stockfinster gewesen.“ Erstickungsgefahr bestand übrigens nicht – selbst wenn auch noch der Kamin verschüttet worden wäre: Der Schnee war durchlässig für Sauerstoff.

Die Männer konnten die Sennerin überreden, mitzukommen. Mit dem Hubschrauber wurde sie „hochgewincht“, also über eine Winde am Seil hochgezogen und zur Priener Hütte geflogen.

ast

Quelle: tz

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