Die Wahrheit sieht anders aus

Zwölf Stämme: Die trügerische Idylle

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Nach außen wirken die Mitglieder der Zwölf Stämme freundlich und naturverbunden.

München - Die Vorwürfe gegen die Glaubensgemeinschaft Zwölf Stämme wiegen schwer: Kinder sollen systematisch misshandelt worden sein. Einem Reporter gelang es, mit versteckter Kamera zu filmen.

Sie reden von Liebe, vom Glauben an das Gute, von Toleranz. Doch geht es nach Recherchen des RTL-Magazin Extra, sieht die Wahrheit im Gutshof Klosterzimmern (Kreis Donau-Ries), in dem die Zwölf Stämme ihre Heimat haben und sich dort zum Urchristentum bekennen, ein wenig anders aus. Donnerstagfrüh war dort ein Großaufgebot an Polizei angerückt und hatte 28 Kinder in die Obhut des Jugendamts gebracht. Eine ähnliche Aktion gab es im mittelfränkischen Wörnitz (Kreis Ansbach), wo ebenfalls eine Gemeinschaft der Zwölf Stämme existiert. Dort kamen zwölf Buben und Mädchen zu Pflegefamilien bzw. in Heime.

Doch was passierte hinter den Mauern des Gutshofs, dass die Behörden sich zu so einem drastischen Schritt entschlossen? Undercover-Reporter Wolfram Kuhnigk von RTL hat ein Jahr lang über und in der Gemeinschaft recherchiert. Ihm gelang es, mit versteckter Kamera zu filmen – auch Misshandlungen von Kindern. Er beschreibt, wie diese aussehen: „Es ist Material, auf dem man ganz klar erkennt, dass es keine Ausrutscher sind, sondern dass die Misshandlungen systematisch jeden Tag mehrfach passierten. Wir sehen, wie kleine Kinder brutal mit Stöcken geschlagen werden, nicht nur von den Eltern. Und das Ganze geschieht eiskalt und völlig emotionslos.“ Dazu erhielten die Behörden Aussagen von Aussteigern, die so detailliert waren, dass die Ämter nicht mehr warten wollten. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt inzwischen gegen Unbekannt wegen Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlicher Körperverletzung. Vor einigen Wochen noch wurde ein ähnliches Verfahren der Staatsanwaltschaft eingestellt – mangels Beweisen.

Nach außen wirken die Mitglieder der Zwölf Stämme freundlich und naturverbunden. Doch Reporter Kuhnigk blickte tiefer. „Wenn man dort eintaucht, stellt man schnell fest, dass alle Angst vor dem Ausschluss aus der Gemeinschaft haben und deswegen das System des Schlagens und Brechens der Kinder unterstützen.“

Vorwürfe, die die Mitglieder der Zwölf Stämme so nicht hinnehmen wollen. Klaus Schüle (56) hat man bei der Razzia seinen 13-jährigen Sohn weggenommen. Immer wieder bricht seine Stimme. „Uns allen geht es sehr schlecht, die Mütter sind nur noch am Heulen. Ich weiß nicht einmal, wo mein Bub ist.“ Er widerspricht Darstellungen, die Kinder hätten emotionslos den Abschied hingenommen. „Wir hatten zuvor einen Kreis gebildet, um ihnen die Angst zu nehmen. Dann haben wir sie verabschiedet mit dem einem ,Gott wird euch schützen‘“. Und die Vorwürfe? „Das meiste, das da behauptet wird, stimmt nicht.“

Das RTL-Magazin Extra sendet den Beitrag am kommenden Montag ab 22.45 Uhr.

mc

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