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Ammonite im Kino: Pikante Szene zwischen Kate Winslet und Saoirse Ronan

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Von: Thomas Willmann

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Im neuen Kinofilm „Ammonite“ kämpft Kate Winslet als Fossiliensammlerin in einer Männerdomäne und beginnt eine Beziehung mit Saoirse Ronan.

Unter den Schichten von Versteinerung verbirgt sich einstiges Leben. Kaum jemand ist im England der 1840er-Jahre besser darin, es aufzustöbern als Mary Anning (Kate Winslet). Die auf eigene Faust arbeitende Paläontologin sammelt in einem Dorf an der Küste Dorsets Fossilien. Die sind für die männlichen Zunftgenossen in London Grundlage der Erkenntnis, bringen ihr aber kaum Anerkennung und nur das bescheidenste Auskommen ein.

Kate Winslet und Saoirse Ronan spielen die Hauptrollen in „Ammonite“

Anning selbst hat in „Ammonite“ ihr Leben und ihr Begehren hinter einer schwer durchdringbaren Sprödheit verborgen. Bis sie Charlotte Murchison (Saoirse Ronan), die depressive Frau eines lieblosen Geologen (James McArdle), in Obhut nimmt.

Nein, Francis Lees Film ist nicht zimperlich, wenn es ums Symbolische geht. Eine Riege Porzellanfiguren steht für die als Kinder verstorbenen Geschwister Annings. Die herrschende Männerwelt löscht Annings Namen buchstäblich aus. Und doch ragt „Ammonite“ über weite Strecken aus den Niederungen handelsüblicher, oscar-heischender Filmbiografien heraus. Er ist impressionistischer erzählt und zielt statt auf die Wikipedia-Schau auf eine geradezu leibliche Präsenz im Augenblick ab.

Ammonite im Kino: Romanze im Film hat keinen historischen Beleg

Seine beiden großartigen Hauptdarstellerinnen legen in jeden Blick, jede Geste ein reiches Innenleben, küssen sich sogar (wie im Video oben zu sehen). Das Licht, die stofflichen Texturen von Kleidung, Einrichtung, Gestein und nicht zuletzt das phänomenale Klangdesign geben allzeit ein sinnliches Gefühl für lebendige Körper, die in dieser Welt der Repression zu Hause oder Gefangene sind.

Erst zum Finale legt dann plötzlich der Erklärbär noch ein überflüssiges Solo aufs Parkett, wird alles ausgesprochen, was zuvor wortlos so viel tiefer begreifbar war. Und wo „Ammonite“ doch ganz in die übliche Biopic-Falle tappt: Es gibt keine historischen Belege für die dargestellte Romanze – oder irgendeine andere in Annings Leben. Der Film aber ist unfähig, eine Biografie zu denken, in deren Zentrum nicht eine romantische Zweierbeziehung steht.

Annings reales wissenschaftliches Interesse, ihre Leistungen bleiben letztlich auch hier bloßes Beiwerk und wohlfeile Symbol-Lieferanten. Es darf im Kino wohl noch immer nicht sein, dass eine Figur den Kern ihrer Identität und ihre Erfüllung tatsächlich in ihrem Werk findet. Pandemie-bedingt erscheint der Film erst jetzt, Schauspielerin Kate Winslet erzählte zuletzt, dass Contagion sie gut auf die Pandemie vorbereitet hätte. Mit: Kate Winslet, Saoirse Ronan Regie: Francis Lee Laufzeit: 120 Minuten. Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ mochten. Sehenswert ★★★★☆

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