Die tz traf Spider-Man

Garfield: "Spider-Man ist der Held meiner Jugend"

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Andrew Garfield

Berlin - Die tz traf Spider-Man-Darsteller Andrew Garfield vor der Deutschland-Premiere des fast zweieinhalb stündigen 3D-Abenteuers am Dienstagabend in Berlin zum Interview.

Er fliegt wieder durch New Yorks Häuserschluchten! Wendiger denn je, erwachsener denn je – und er legt sich mit noch übleren Gestalten als je zuvor an, wie dem Energiemonster Electro: The Amazing Spider-Man! Peter Parker ist immer noch hin- und hergerissen zwischen seiner bürgerlichen Welt, seiner großen Liebe Gwen alias Emma Stone, die es auch im richtigen Leben von Spider-Man Andrew Garfield (30) ist, und seiner Rolle als Superheld und Retter der Stadt. Doch in der Fortsetzung The Amazing Spider-Man 2 – Rise of Electro ist Spider-Man noch besser als er jemals war! Vor der Deutschland-Premiere des fast zweieinhalb stündigen 3D-Abenteuers am Dienstagabend in Berlin traf tz-Kolumnistin Ulrike Schmidt Spider-Man Andrew Garfield im Hotel Adlon – auf einen ganz persönlichen Plausch über Spinnen, Liebe und was es heißt, Spider-Man zu sein …

Andrew Garfield ist so charmant wie seine Filmfigur Peter Parker – zuvorkommend, höflich, die braunen Augen lächeln, der Händedruck ist herzlich – auch noch nach knapp einer Woche Premierentour quer durch Europa. „Ein bisschen ermüdend ist es schon“, räumt er ein, „weil es mir auch so wichtig ist die Figur und den Charakter richtig zu präsentieren. Aber ich kann mich nicht beschweren, ich habe ein Riesenglück!“ Das Riesenglück zum zweiten Mal Spider-Man zu sein – nach Kinofilmen wie The Social Network oder Die Schwester der Königin. Aber keine Figur ist auf der ganzen Welt so populär wie Spider-Man. Und keine Frage so zwangsläufig, wie: Fürchten Sie sich vor Spinnen? „Neieiein!“, lacht Garfield. „Höchstens, wenn sie giftig sind.“

Was tun Sie, wenn eine bei Ihnen daheim an der Wohnzimmerdecke krabbelt? 

Andrew Garfield: Ich schau, dass sie sicher nach draußen kommt.

Welche Helden hatten Sie in Ihrer Kindheit?

Andrew Garfield: Spider-Man! Seit meinem dritten Lebensjahr. Komischerweise Mahatma Gandhi und einige große Schauspieler, Musiker und viele Fantasy-Charaktere.

Dann müssen Sie jetzt ein glücklicher Mann sein, dass Sie die Comic-Figur selber verkörpern und die Welt retten dürfen?

Andrew Garfield: Ja, klar! Richtig glücklich!

Aber was würden Sie tun, wenn Sie wirklich übernatürliche Fähigkeiten und Kräfte hätten?

Andrew Garfield: Puhh! Ich liebe das Fliegen, ich glaube, Fliegen zu können, wäre das Großartigste überhaupt – ein zutiefst menschlicher Wunsch. Das ist natürlich sehr eigennützig, aber diese Erfahrung würde ich gerne machen!

"Jeder hat ein Talent und einen Ruf, dem wir folgen müssen"

Und was ist mit Welt retten?

Andrew Garfield: An zweiter Stelle, erst muss ich was für mich tun (lacht). Ich finde es erstaunlich, wie viel Kraft und Inspiration von Spider-Man auf die jungen Leute – nein, auf alle Leute – ausgeht. Für mich ist er eine Metapher, das eigene Schicksal zu leben, den eigenen Weg zu gehen. Wir alle haben ein Talent, ein Geschenk und einen Ruf, dem wir folgen müssen. Man muss nicht unbedingt ein Held werden, manchmal vielleicht schon. Aber was an Spider-Man so faszinierend ist: Er zeigt dir, du kannst Peter Parker und Spider-Man zu gleicher Zeit sein – total unperfekt und heldenhaft in einem Leben.

Was also haben Sie von Spider-Man?

Andrew Garfield: Ja, ich mache Fehler. Nicht jeder mag mich und muss mich mögen, und meine einzige Aufgabe im Leben ist, es zu leben – so tiefgründig und so großzügig wie möglich mit dem, was ich zu geben habe, was immer das sein mag.

Wie hat sich Ihr eigenes Leben durch Spider-Man verändert?

Andrew Garfield: Sehr in dem Sinne im Hier und Jetzt zu leben, das ist das Geheimnis dieses Märchens. Vielleicht kann ich mich inzwischen auch ein bisschen entspannen, was meine Arbeit betrifft. Ich kann jetzt abwarten, bis das Richtige kommt. Ganz am Anfang, als ich Schauspieler wurde, machte ich mir große Sorgen, ob ich überhaupt einen Job bekomme. Aber jetzt bin ich natürlich in einer privilegierten Lage, wofür ich sehr dankbar bin. Ich hatte wirklich großes Glück!

Existenzängste brauchen Sie ja jetzt nicht mehr zu haben …

Andrew Garfield: Oh, die habe ich immer! Mehr und mehr sogar.

Das Kann nicht sein!

Andrew Garfield: Je älter ich werde, desto weniger weiß ich. Das Einzige, was ich wirklich weiß – ich weiß nichts! Das beflügelt sogar noch die existenziellen Probleme, je mehr Zeit man hat darüber nachzudenken …

Von den existenziellen Grundfragen zur Liebe… Wie ist es mit seiner eigenen Liebe – Emma Stone – eine Liebesgeschichte auf die Leinwand zu bringen?

Andrew Garfield: Es ist verblüffend, mit Em zu arbeiten. Sie ist eine unglaublich talentierte Schauspielerin. Was wir immer versucht haben, ein authentisches, wahrhaftiges Bild davon zu zeigen, was eine schmerzvolle Liebe bedeutet, wenn so etwas Großes zwischen zwei Menschen passiert, die eigentlich nicht zusammen sein dürfen. Was sie fühlen, was sie denken. Das war hart.

Von was träumen Sie jetzt?

Andrew Garfield: Alles, was ich tun will, ist, etwas zu erschaffen, nicht zu viel über das Ergebnis nachdenken. Über einen Film wie diesen hat jeder eine Meinung – das kann auch blockieren. Ich träume also nur davon, kreativ sein zu können, mit ganzem Herzen und ganzer Seele, weiterzuarbeiten und zu wachsen. Dieser Spider-Man ist nicht nur erwachsener, er ist auch nachdenklicher, als es die anderen jemals waren!

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