Treffen mit Joseph Hannesschläger

„Bin der Pate von Giesing“: Schwerkranker „Rosenheim-Cop“ spricht exklusiv über seinen letzten Film

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Joseph Hannesschläger steht eine besondere Premiere bevor.

Joseph Hannesschläger denkt nicht ans Aufgeben. Der krebskranke Schauspieler spricht über seine neue Filmrolle - sie könnte Kult werden.

  • Der krebskranke Joseph Hannesschläger, bekannt aus „Rosenheim-Cops“, spricht über seinen neuen, und wahrscheinlich letzten, Film.
  • Er spielt in Werk, das Zeug zum Kultfilm hat, Anton Giesinger, den „Paten von Giesing“
  • tz hat Hannesschläger anlässlich das Filmstarts getroffen

München - Die letzten Monate waren für ihn eine Durststrecke. „Eine lange Durststrecke“, sagt Joseph Hannesschläger im Gespräch mit der tz. Der Kampf des Rosenheim-Cops gegen den Krebs, die Chemotherapie, immer wieder Klinikaufenthalte – die schwere Krankheit hat dem 57-Jährigen arg zugesetzt. Und trotzdem: Ans Aufgeben will der Kult-Kommissar, der an einem neuroendokrinen Tumor leidet (tz berichtete), nicht denken. 

Schon gar nicht, wenn jetzt eine ganz besondere Premiere ansteht: Der letzte Film des Schauspielers kommt ins Kino. Schmucklos heißt das Werk ganz schlicht – dabei schmücken neben Hannesschläger so große Münchner Namen wie Michaela May, Uschi Glas, Günther Maria Halmer, Marianne Sägebrecht und Christian Ude die Besetzungsliste. Genau das richtige Umfeld für Bühnen-Berserker Hannesschläger, der die Rolle seines Lebens spielt: Anton Giesinger, der Pate von Giesing. In der tz spricht Hannesschläger exklusiv über die Dreharbeiten.

Rosenheim-Cop Joseph Hannesschläger als „Pate von Giesing“

Eine gefühlte Ewigkeit musste Joseph Hannesschläger auf diese Szene warten, die er in „Schmucklos“ spielen darf. Als der Pate von Giesing liegt er mit einem Herzkasperl im Krankenhaus. Da baut sich die Lisl Graubein – im Film gibt Michaela May eine resolute Giesingerin – vor ihm auf und streift die Leopardenprint-Bluse ab, kraxelt im Schmucklos-Unterrock zum Joseph aufs Bett. Und die an der Zimmertür lauschende Krankenschwester bekommt einen Satz heiße Ohren.

Video: Joseph Hannesschläger, bekannt aus den Rosenheim-Cops, leidet an Krebs

Der Independent-Streifen hat jetzt schon das Potential zum Münchner Kultfilm. Nicht nur Joseph Hannesschläger („Die Rosenheim-Cops“) steht auf der Besetzungsliste. Unter anderem haben Michaela May und Günther Maria Halmer („Münchner Gschichtn“) mitgewirkt, dazu Hansi Kraus („Lümmel von der letzten Bank“), Marianne Sägebrecht, Eisi Gulp („Zuckerbaby“), Uschi Glas („Schätzchen“), Thomas D. („Fantastische Vier“), Hannes Ringlstetter („Ringl-stetter“), Christian Ude … Die Stars sind gekommen, weil der Macher Thomas Schwendemann sie mit seiner Begeisterung überzeugt hat. Dabei sein war alles.

Szene aus „Schmucklos“: Anton Giesinger (Joseph Hannesschläger) in einer Krankenhaus-Episode

Hannesschläger zum Filmstart: „Es geht endlich etwas besser“

„Nach einer langen Durststrecke geht es endlich etwas besser“, erzählt Joseph Hannesschläger anlässlich des Filmstarts. „Ich habe viel zu tun. Das Telefon steht nicht still. Ich muss jede Menge Papierkram erledigen, Bettina und ich haben Termine. Wirklich, viel zu tun. Aber wir schaffen das schon.“ Bettina, seine Frau, sei „ein echter Schatz“.

„Schmucklos“ ist für Hannesschläger eine Herzensangelegenheit. Nicht nur für ihn: Für den Film hat Schwendemann sein Konto abgeräumt und ist mit der Familie an den Stadtrand gezogen, weil er sich die Stadt nicht mehr leisten konnte. „Der Thomas“, sagt Hannesschläger, „bringt eine unbändige Euphorie mit. Er brennt für den Film. Führt Regie, ist Produzent und Aufnahmeleiter, übernimmt eine Hauptrolle. Er kümmert sich um das Catering, macht den Fahrer. Und das alles mit einer nicht endenden guten Laune.“

Szene aus „Schmucklos“: Joseph Hannesschläger spielt einen Münchner Hausbesitzer

„Schmucklos“-Darsteller: „Geld hat nicht die große Rolle gespielt“

Es war ein prima Dreh, erzählt Hannesschläger, der den wohlhabenden Hausbesitzer Anton Giesinger spielt, einen „Paten“, der ganz eigene Pläne mit dem Viertel hat – Gentrifizierung macht auch vor dem Arbeiterstadtteil nicht halt. Hannesschlägers Kollegen und er haben nicht wegen der Gage mitgemacht. „Geld hat nicht die große Rolle gespielt. Man konnte locker mit einem nicht gehabten Budget umgehen.“ Spaß – den hatten sie, haben es krachen lassen.

In „Schmucklos“ machen zwei junge Männer im Süden der Stadt eine Einraum-Wirtschaft auf, in der nur Würstl und Schnaps verteilt werden: Die Boazn wird zum Renner, es gibt Edelstoff und Bayern-Schmankerl zum Saufüttern. In ist in München, was anders ist.

„Rosenheim-Cop“-Legende verbrachte Kindheit in Giesing

Für Hannesschläger war das ein Heimspiel im Schatten vom Sechziger-Stadion. „Eine schöne Rolle, sie hat mir sofort beim Lesen gefallen. Gut zu sprechende Dialoge. Nicht solche, bei denen Du als Schauspieler gleich ins Stolpern kommst. Ich bin der Pate von Giesing. Einer mit einem guten Kern. Sein Sohn ist keine Leuchte…“ Aber letztendlich regelt der Pate von Giesing die Angelegenheiten auf seine Manier. Er hat seine Leut’und sein Viertel im Griff. Braucht nur die Augenbrauen hochzuziehen, dann spurt man schon. Joseph Hannesschläger braucht nicht die großen Gesten. „Wenn Du so eine Rolle hast, darfst Du nicht wie ein Rambo auftreten. Es sind die leisen Töne und die Nuancen, die überzeugen.“

Mit dem Film holt den Schauspieler die eigene Vergangenheit ein: Die Kindheit in Giesing – es ist eine gute Zeit gewesen. Es gab eine Bäckerei im Haus. Über die Stiege hinunter, von hinten in den Laden – und schon hatte man die Frühstückssemmeln. Die Mutter und der Vater waren pfenniggute Menschen, die es sich in dem kleinen Hausstand schön machten. Mit der Mutter – am Wochenende auch mit dem Papa – ging Joseph in einen kleinen Park. Da saß man auf einer Bank, die Mutter fütterte die Vögel aus der Hand, zum Joseph kamen die Oachkatzl.

Szene aus „Schmucklos“: Anton Giesinger (Joseph Hannesschläger) mit Hausbewohnerin Liesl Graubein (Michaela May)

Michaela May und Joseph Hannesschläger gemeinsam vor der Kamera

2019 hat also der Joseph wieder in Giesing zu tun. Und es könnte die Rolle seines Lebens werden. Die Filmproduktion ehrt ihn schon jetzt auf Facebook mit den Worten: „Von wegen er kann nur Rosenheim-Cop! Pustekuchen! Unser Anton Giesinger (Joseph Hannesschläger) ist der großartigste Münchner Mafia-Boss. Hast n Problem, geh zu ihm. Er findet eine Lösung. Dazu ist er auch noch Brauereibesitzer. Was will man mehr.“

Und endlich, endlich führt ihn der Dreh mit der gebürtigen Laimerin Michaela May zusammen. „Schon kurios. Da leben wir in derselben Stadt – und bis jetzt hatten wir nicht zusammen gearbeitet. Dabei habe ich sie immer sehr gemocht.“ Die beiden spielen herrlich. Bevor es in der Krankenhaus-Szene zur Sache geht, reibt Frau May es dem Hannesschläger ordentlich hin: „Du damischer Hund! Bist Du eigentlich blind oda wos? Mei, Toni: Du host ja früher scho nix kapiert. Aba jetzt is Schluss. Du warst verheirat, und i war beleidigt. Host Di net traut bei mir, gell? Ha! Du sogst jetz nix. Is scho vui zvui gredt worn. So! Jetz gehst her. Auf geht’s!“

Der Giesinger würde das so kommentieren: Mehr sog i net.

„Schmucklos“ läuft ab 21. November im Rio Filmpalast (Rosenheimer Str. 46).


Detlef Vetten

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