Neue Reihe

Jutta Speidel: So ist die die Idee zum neuen Film entstanden

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Jutta Speidel spielt Fanny Steininger, eine liebenswert chaotische Frau, die völlig überraschend geerbt hat.

München - Jutta Speidel startet eine neue Film-Reihe. Im Gespräch mit der tz erzählt sie nun, wie ein Anwalt die Idee dazu lieferte.

Vor etwa vier Wochen wurde beim Sommerfest des Bayerischen Landtags eifrig getuschelt. Jutta Speidel kam in Begleitung eines charmanten Herren – und Journalisten, Fotografen und Gäste fragten sich: Ist das ihr Neuer? Speidel, deren Beziehung mit Bruno Maccallini vor etwa zwei Jahren in die Brüche ging, amüsiert sich über solche Gerüchte und lacht sie nach dem Motto „Haben die Leute denn sonst nichts, worüber sie reden können …“ einfach weg. Sie und Dr. Thomas Fritz, so sein Name, seien seit vielen Jahren gute Freunde, erzählt Speidel nun im Gespräch mit der tz – und außerdem habe er sie zu ihrer neuen ARD-Reihe inspiriert, die gerade in München gedreht wird.

Dr. Thomas Fritz ist Jurist und hat in Nymphenburg eine Kanzlei für Erbrecht und Vermögensnachfolge. „Vor einigen Jahren gab er mir ein Buch zum Lesen“, erinnert sich Speidel. Titel: Wie Sie Ihre Familie zerstören, ohne es zu merken. Darin hatte Fritz Geschichten aufgeschrieben, Anekdoten aus seinem Alltag als Erbschaftsanwalt, freilich ohne die jeweiligen Personen kenntlich zu machen. „Ich fing an zu lesen und habe sofort gesagt: ,Thomas, da muss man einen Film draus machen‘“, sagt Speidel. „Das ist genial.“

Und dann bekam die emsige Schauspielerin, die immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist, einen überraschenden Anruf von Hager-Moss-Produzentin Kirsten Hager, die ebenfalls etwas über das Erben machen wollte. Gemeinsam fanden sie in der ARD einen interessierten Sender. Der Autor Thomas O. Walendy schrieb das Konzept und auch die ersten beiden Drehbücher. Am 21. Juli 2015 war dann schließlich Produktionsstart.

„Eigentlich ist es ein Wunder, dass noch niemand darauf gekommen ist, das Thema Erben filmisch zu behandeln“, sagt Speidel. „Da steckt doch alles drin.“ In der Tat – jeder hat, wenn nicht gar am eigenen Leib erfahren, schon Geschichten über Erbstreitigkeiten gehört. „Das Schlimmste, was Eltern ihren Kindern antun können, ist es, kein Testament zu machen“, sagt Speidel. Dann könne es leicht passieren, dass Geschwister für alle Zeiten zerstritten seien. Schließlich geht es beim Erben auch um sehr emotionale Themen – wie viel war man dem Verstorbenen wert? Warum drückt er seine Dankbarkeit und Liebe nicht in einer Erbschaft aus? Wie kann es sein, dass die Schwester oder der Bruder das Auto bekommt und man selbst den alten Tisch aus dem Wohnzimmer und so weiter. Alles gute Stoffe fürs Fernsehen.

Schon geerbt …? – so lautet der (Arbeits-)titel der neuen „Speidel-Reihe“. Einen Sendetermin gibt es noch nicht. Die Figur, die die Münchnerin spielt, heißt Fanny Steininger, was, nebenbei bemerkt, der Name der Schwester von Speidels Großmutter war. Die Schauspielerin hat sich diesen Namen für ihre Figur gewünscht, woran man absehen kann, wie leidenschaftlich sie an dieses Projekt rangeht.

Fanny Steininger also ist eine sehr energische, freche, durchaus anarchistische Frau, die notorisch klamm ist. Wenn ihr das Kleingeld für ein U-Bahnticket fehlt, beklaut sie schon mal einen blinden Straßenmusikanten. Aber – dass sie ihr Leben auch mit 60 noch nicht im Griff hat, stört sie herzlich wenig. Ihr Lebensmotto lautet: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen. „Ich liebe diese Fanny“, sagt Speidel. „Sie ist großartig.“

Als Fanny eines Tages überraschend Geld erbt, ein Anwesen am Ammersee noch dazu, wird ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt: Der Verstorbene soll Fannys leiblicher Vater gewesen sein, von dem weder sie noch ihre Schwestern Ute (gespielt von Isolde Barth) und Karin (Lena Stolze) etwas wussten. Und sie ergattert im Zuge ihrer Erbschaft gleich noch einen Job als Empfangsdame in der Kanzlei Hackenbusch, wo fortan kein Erbschaftsfall mehr vor ihr sicher ist …

Klingt nach richtig viel Stoff. Wie viele Folgen sind geplant? „Wir drehen jetzt erst einmal zwei“, sagt Speidel. „Dann hoffen wir, dass es der ARD und den Zuschauern gefällt und wir weitermachen dürfen. Es gibt noch 1000 Geschichten zu erzählen.“

Speidel selbst ist übrigens auch persönlich oft mit dem Thema Erbschaft konfrontiert. Seit vielen Jahren kümmert sie sich mit ihrem Verein Horizont um obdachlose Kinder und ihre Mütter. Derzeit sammelt sie Geld für ein zweites Haus, das sie in München aufbauen will. Gar nicht so selten kommt es vor, dass Menschen dem Verein ein Teil ihres Vermögen vererben. „Das ist natürlich großartig“, sagt Speidel. Und privat? Hat die zweifache Mutter selbst vorgesorgt, dass sich ihre inzwischen erwachsenen Töchter nicht eines Tages um ihr Erbe streiten? „Ganz ehrlich – ich habe auch noch kein Testament“, sagt Speidel. „Aber die Arbeit an dem Film erinnert mich täglich daran, dass ich es tun sollte.“ Gefeit sei vor Erbstreitigkeiten schließlich niemand.

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