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„Kosmetik des Bösen“ verbindet Ekel mit Ästhetik

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Von: Lam Vy Nguyen

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Athena Strates drängt sich als Texel Textor in die Gedanken von Jeremiasz Angust, gespielt von Tomasz Kot.
Athena Strates drängt sich als Texel Textor in die Gedanken von Jeremiasz Angust, gespielt von Tomasz Kot. © Koch Films

Im neuen Kinofilm „Kosmetik des Bösen“ treibt Texel Textor (Athena Strates) den Architekten Jeremiasz Angust (Tomasz Kot) in den Wahnsinn.

Bei strömenden Regen klopft eine junge Frau an die Scheibe des im Taxi sitzenden Architekten Jeremiasz Angust (Tomasz Kot), der sich auf dem Weg zum Flughafen befindet. Widerwillig teilt er sich die Fahrt und verpasst so den Flug. Genau wie seine unverhoffte und flippige Begleitung, die sich in „Kosmetik des Bösen“ als Texel Textor (Athena Strates) vorstellt und von nun an hemmungslos den attraktiven Angust mit Geschichten aus ihrer Vergangenheit bedrängt. Gewalt, Ekel und Grausamkeit sind nur ein paar Merkmale ihrer Rückblicke.

Kosmetik des Bösen im Kino: Flippige Athena Strates trifft auf verklemmten Tomasz Kot

„Angust, sag mir: Hast du schon mal einen Menschen getötet?“, säuselt Textor, lächelt geheimnisvoll und lässt dann ihre verführerische Maske fallen. Sie treibt ein verzerrtes Psychospiel, lässt nicht locker und drängt sich in die Gedanken von Angust. Bis die Grenze zwischen der Wahrheit und Lüge immer schwerer zu greifen ist.

Athena Strates, bekannt aus der Serie „Deutschland 86“ mit Jonas Nay, füllt ihre Rolle mit so einer intensiven Präsenz, dass man sich selbst von ihr in die Ecke gedrängt fühlt. Die Südafrikanerin mit deutschen Wurzeln hält stets die Spannung aufrecht, lacht schrill und hat dabei gegenüber ihrem Kollegen einen großen Vorteil: Sie darf ohne Hemmungen spielen. Tomasz Kot („Die Spur“) überzeugt in der Rolle des perfektionistischen, fast verkrampften Architekten, der nicht ausbrechen darf und sich verzweifelt an seiner Vernunft und Selbstbeherrschung festklammern will. Am Anfang herrscht zwischen beiden eine sinnliche fast erotische Verbindung, ohne dabei Zärtlichkeiten austauschen zu müssen. Noch spannender wird es, wenn diese Beziehung in Hass und Abscheu umschlägt.

„Kosmetik des Bösen“ im Kino: Sehenswerter Thriller, der manchmal zu gezwungen wirkt

„Kosmetik des Bösen“ ist ein packender Thriller, der am meisten mit seinen Handlungsorten beeindruckt: Der hinreißende Pariser Friedhof Montmatre, das moderne Kongressgebäude Darmstadtium oder eine einfache Flugzeugtoilette geben dem Film das gewisse Etwas. Der spanische Filmregisseur Kiké Maíllo legt dabei Wert auf stimmige Aufnahmen: Proportionen werden stets eingehalten, selten fällt ein Bild aus der Rolle. Das mag zwar visuell ansprechend wirken, lässt den Psychothriller allerdings an manchen Stellen zu gewollt, zu perfekt und auch ein wenig gezwungen wirken.

Video zu weiteren Kinostarts am 05. November

Nicht zuletzt tanzt diese deutsch-französisch-spanische Produktion einen Tango mit ästhetischen Darstellungen, warmen Farben und düsteren Szenen, die einem schwer im Magen liegen können. Zarte Gemüter sollten daher lieber auf Popcorn verzichten. Laufzeit: 89 Minuten. Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Der unsichtbare Gast“ mochten. Sehenswert ★★★★☆

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