Die Magie der blauen Stunde

Ein Schauspiel der besonderen Art: „Schumanns Bargespräche“ im Kino

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Weltreisende in Sachen Genuss: Marieke Schroeder und Charles Schumann. 

Marieke Schroeder und Charles Schumann stellten ihren Kino-Dokumentarfilm „Schumanns Bargespräche“ am Sonntag in München vor.

München – Bühne frei für ein Schauspiel der besonderen Art. Und eben weil es besonders ist, bedarf es zweier Regisseure, Marieke Schroeder und Charles Schumann. Sie ist Filmemacherin und verantwortete als Produzentin etwa „Der atmende Gott“, Jan Schmidt-Garres klugen Dokumentarfilm über den Ursprung des modernen Yoga, der 2012 in unsere Kinos kam. Schumann ist Schumann: weltweit verehrte Institution des gepflegten Trinkens, Autor des Klassikers der Bar-Literatur, Model und selbst Regisseur – inszeniert er doch die blauen Stunden in seiner Bar am Münchner Odeonsplatz. Die wurde jetzt auf Platz 38 der „50 besten Bars der Welt“ gewählt, als einzige in Deutschland.

Schroeder konnte den 76-Jährigen überzeugen, mit ihr den Dokumentarfilm „Schumanns Bargespräche“ zu drehen. Am Donnerstag kommen die 103 Minuten für Genießer in die Kinos – am Sonntagabend wurde die Premiere im Arri gefeiert.

Schumann geht „in seinem Metier auf Forschungsreise“

Es ist das Ende einer langen Reise. Die erste Idee zu diesem Film hatte Schroeder 1998. Unaufdringlich, doch beharrlich hat sie das Thema immer mal wieder bei Schumann angesprochen. Warum er schließlich mitgemacht hat? „Das weiß ich nicht. Wahrscheinlich, weil sie keine Ruhe gegeben hat“, sagt er bei einer Tasse Espresso in seiner Bar. Klingt gut – ein ebenso wichtiger Grund ist aber sicher auch: Für den Film konnte Schumann „in seinem Metier auf Forschungsreise gehen“, wie die Regisseurin im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.

Ihr Ansatz ist so einleuchtend wie charmant. Gemeinsam mit Schumann machte sie sich auf den Weg und besuchte Bars in New York, Berlin, Paris, Havanna, Tokio und Wien. Eine „total subjektive Auswahl“, wie beide betonen. Bei lässigem Jazz ist die Kamera unaufdringlich dabei, wenn Schumanns Kollegen ihre Cocktails mixen, über manches Geheimnis ihres Berufs plaudern oder mit dem Münchner fachsimpeln.

„Charles kann die richtigen Konstellationen herstellen“, sagt die 46-jährige Regisseurin. Was sie damit meint? Ein Beispiel: Zwar könne jeder ein Baguette zubereiten – aber „Charles beherrscht die Magie, die dieses Baguette zu einem besseren macht“. Klingt esoterisch, ist es aber nicht. Denn mit Esoterik wäre sie bei diesen Dreharbeiten nicht weit gekommen. Einerseits sei es zwar einfach, Schumann vor der Kamera zu inszenieren. Diese liebt ihn, er sieht gut aus – und die Menschen gehen offen auf ihn zu. Andererseits: „Wenn er in einer Szene nichts findet, was ihn interessiert, dann will er halt nicht.“ Klar, sie haben auch gestritten während des Drehs – etwa weil die Regisseurin auf Kuba filmen wollte. „Nach Havanna wollte ich nie“, knurrt Schumann selbst gestern noch. Schroeder hat sich durchgesetzt, die Szenen aus der Floridita-Bar waren im Kasten.

Testlauf für den Film war in New York

Um herauszufinden, ob das überhaupt etwas werden könnte mit den „Bargesprächen“, machten die beiden einen Testlauf in New York. Im Rückblick sagt sie zu ihm: „Ich war erstaunt, dass du Humor hast.“ Darauf er: „Na ja, ein bisschen mehr könnte ich schon vertragen.“ Dieser Dokumentarfilm wurde von zwei Menschen realisiert, die ähnliche Ansprüche an sich und ihre Arbeit haben. Das merkt man spätestens, wenn man Schroeder und Schumann unabhängig befragt. Sie sagt über den Dreh: „Die Zusammenarbeit machte Spaß, weil sie nie stehen blieb.“ Er sagt, angesprochen auf die jüngste Auszeichnung der Schumann’s Bar: „Wir können nicht stehen bleiben.“

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