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„The Many Saints of Newark“: So enttäuscht der neue Sopranos-Kinofilm

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Von: Jonas Erbas

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Die Kult-Serie „Die Sopranos“ erscheint als Kinofilm „The Many Saints of Newark“. Ein Besuch lohnt sich für die meisten nicht.

Der Sommer 1967 gilt als geschichtsträchtiges Kapitel im mühevollen Streben der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung nach mehr Gleichberechtigung. Als die Ungerechtigkeit unerträglich wird, entlädt sich ab Juni die Wut auf der Straße. In eben jener, von Aufruhr und Zerstörung geprägten Zeit spielt „The Many Saints of Newark“, das rund zweistündige Prequel – also die Vorgeschichte – zur von 1999 bis 2007 ausgestrahlten TV-Serie „Die Sopranos“.

„Die Sopranos“ eine der besten Serien aller Zeiten: Neuer Kinofilm „The Many Saints of Newark“ erzählt Vorgeschichte

Das Familien-Epos um den „Müllentsorgungsberater“, wie Tony Soprano seine Tätigkeit bei der italo-amerikanischen Mafia so charmant umschrieb, war ab 2000 auch hierzulande erfolgreich. „Die Sopranos“ gelten bis heute als eine der besten Serien.

Michael Gandolfini, Sohn des Serien-Hauptdarstellers James Gandolfini, spielt Tony Soprano.
Michael Gandolfini, Sohn des Serien-Hauptdarstellers James Gandolfini, spielt Tony Soprano. © warner bros.

Braucht ein derartiger TV-Meilenstein nun, fast anderthalb Jahrzehnte nach dem Finale, einen Kino-Ableger? Möglich – doch „The Many Saints of Newark“ taugt als solcher nur wenig. Der Film wirkt bestenfalls wie ein bemühtes Beiwerk, das nur eingefleischte „Sopranos“-Fans wirklich unterhalten dürfte. Es fehlt schlichtweg eine durchgängige, fesselnde Handlung.

Mit den Rassenunruhen von 1967 hat Serienschöpfer David Chase eigentlich einen vielversprechenden Rahmen gewählt, doch das Wagnis, Historisches mit Fiktivem zu verknüpfen, misslingt. „The Many Saints of Newark“ verschenkt die Chance, sich mit Ursachen und Zusammenhängen auseinanderzusetzen. Stattdessen ist dies ein klischeehaftes, Testosteron-geschwängertes Gangster-Märchen, das in einen formelhaften Bandenkrieg zwischen Italo- und Afroamerikanern mündet.

Neuer Sopranos-Kinofilm enttäuscht – nur Neubesetzung kann überzeugen

Sehenswerter inszeniert Regisseur Alan Taylor den Blick ins Innenleben der Mafia-Familie. Protagonist Dickie Moltisanti (Alessandro Nivola) überrascht als interessante Mischung aus Sympathieträger und Bösewicht. Dessen Neffe – der junge Tony Soprano – feiert eine rührende Rückkehr. Er wird vom 22-jährigen Michael Gandolfini glaubhaft gespielt, dem Sohn des 2013 verstorbenen Serien-Hauptdarstellers James Gandolfini.

In diesem Film überzeugen genau jene Momente, mit denen sich klare Bezüge zu „Die Sopranos“ herstellen lassen, etwa wenn Tonys Mutter Livia (überzeugend: Vera Farmiga) einen ihrer theatralischen Nervenzusammenbrüche erleidet oder der eitle Mafioso Silvio Dante (extrem witzig: John Magaro) zum ersten Mal mit seinem berühmt-berüchtigten Haarteil aufschlägt. Die verjüngte Neubesetzung alter Serien-Bekannter ist fraglos gelungen – das Drumherum enttäuscht allerdings. Zuletzt äußerten sich außerdem ehemalige Sopranos-Stars zum Harvey-Weinstein-Skandal. Laufzeit: 123 Minuten; mit Alessandro Nivola, Ray Liotta; Regie: Alan Taylor. Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Gotti“ mochten. Erträglich ★★☆☆☆

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