Michael Fassbender als Aguilar

Trailer zu „Assassin’s Creed“: Zugetextet

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Stürzt sich überzeugt und mit Körpereinsatz in diesen Film: Michael Fassbender als Aguilar.

Die Neuankömmlinge unter den Medien sind zunächst immer die Schmuddelkinder. Und meist durchlaufen sie eine Phase, in der sie sich beim Prestige ihrer etablierten Vorgänger zu bedienen versuchen – unter Aufgabe ihrer ureigenen Qualitäten.

Wichtigtuerische Videospiele lassen oft die Interaktivität ruhen für zugetextete, pseudofilmische Zwischensequenzen. Der Spieleentwickler Ubisoft probiert’s nun andersrum: Die „Assassin’s Creed“-Reihe soll im Kino zu einer veritablen Blockbuster-Serie und damit Teil des allgemeinen Popkulturkanons werden. An Personal und Mitteln hat man im Vergleich zu gewöhnlichen Spiele-Verfilmungen nicht geknausert.

Regisseur Justin Kurzel hat mit dem Serienmörder-Drama „Snowtown“ und seiner Stammeskriegs-Interpretation von „Macbeth“ zwei wirklich starke Filme vorgelegt. Betont respektabel die Besetzung von „Assassin’s Creed“: Michael Fassbender ein Arthouse- wie Popcorn-Kino-Liebling – und merklich mit voller Überzeugung, Ganzkörpereinsatz und zähnefletschendem Ernst dabei. Marion Cotillard, Brendan Gleeson und Charlotte Rampling (sic!) geben sich immerhin Mühe zu verbergen, dass sie nicht wissen, was sie hier sollen. Während Jeremy Irons schamlos zeigt, dass er sich gegen Gage überall hinstellt und jeden Unsinn mit Gravitas aufsagt.

Aber was hilft das alles, wenn das Drehbuch von Michael Lesslie, Adam Cooper und Bill Collage, die teils schon Ridley Scotts „Exodus“ mit in den Wüstensand setzten, Murks ist, weil es die grundfalschen Entscheidungen trifft? Die „Assassin’s Creed“-Spiele leben von auftragsmordenden, repetetiven Parcours-Touren durch historische Schauplätze. Nicht die Geschichtswissen-Häppchen auf Dan-Brown-Niveau, das Verschwörungs-Geschwurbel, das Science-Fiction-Gedöns drumrum sind ihre Attraktion, sondern die virtuellen Nachbildungen legendärer Städte, die Orte – der Spiel-Raum selbst. Das hätte Vorlage abgeben können für einen munteren Mix aus „Dieb von Bagdad“ und „Matrix“. Für Sekunden geben die Action-Sequenzen immer mal wieder eine Ahnung des verschenkten Geschmacks von Freiheit und Abenteuer – zumal sie redlich 3D als echtes Stilmittel nutzen.

Doch statt je einen Schauplatz wirklich Gestalt, Gewicht, Gesicht gewinnen zu lassen, hechelt der Film möglichst viele Stationen der Spiel-Reihe belanglos durch. Und weil er ganz wichtig und ernst sein will, verwechselt er „viel Gerede“ mit „gehaltvoll“, „kompliziert“ mit „komplex“. Er sperrt sich den Großteil der Laufzeit ein in dem trostlosen Abstergo-Labor, in der von den Spielen wohlweislich geringdosierten Rahmenhandlung. Wo Hinrichtungskandidat Callum Lynch (Fassbender) von der Tochter (Cotillard) des finsteren Firmengründers mittels der Animus-Maschine rückgeführt wird zu seinem Renaissance-Ahnen Aguilar de Nerha, der als Assassine den „Apfel von Eden“ vor den Tempelrittern ... und wegen des freien Willens ... und die Inquisition ... und Kolumbus ... und Callums Kindheit und blah, Blah, BLAH.

Das mag was für jene Spielefreaks toll sein, die endlos solche Groschenheft-Handlungen analysieren. Aber es ist das völlige Gegenteil von Kino. Und ein Bärendienst an Videospielen: Wer wissen will, wie erwachsen, klug, emotional das Medium sein kann, wenn es sich auf seine wahren, eigenen Stärken besinnt, spart sich diesen Film und spielt daheim etwa „Papers, please“.

Thomas Willmann

„Assassin’s Creed“

mit Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons Regie: Justin Kurzel Laufzeit: 115 Minuten

Annehmbar (((;;

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie bei Videospielen die Gespräche der Zwischensequenzenam meisten lieben.

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