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Was wir preisgeben, liegt in unserer Hand: „Menschen, Götter und Maschinen“ von Wolfgang Huber

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Von: Sven Trautwein

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Die Digitalisierung hat unsere Privatsphäre ausgehöhlt. Milliardäre, wie Elon Musk, greifen nach den sozialen Medien. Lässt sich Digitalisierung selbstbestimmt gestalten? Mein Buchtipp.

Die digitale Revolution hat nicht nur den Wissenstransfer, sondern unser Alltagsleben von Grund auf verändert. Mittlerweile tragen wir ein Smartphone bei uns, das technisch den Supercomputern von vor einigen Jahren haushoch überlegen ist. Die täglichen Veränderungen durch alles Digitale haben für uns Menschen einen solch großen Einfluss wie die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg im 15. Jahrhundert.

„Menschen, Götter und Maschinen“: Über das Buch

Cover Wolfgang Huber „Menschen, Götter und Maschinen“
Wolfgang Huber „Menschen, Götter und Maschinen“ – Eine Ethik der Digitalisierung © C.H. Beck

Die Haltungen zur Digitalisierung schwanken zwischen Euphorie und Apokalypse: Die einen erwarten die Schaffung eines neuen Menschen, der sich selbst zum Gott erhebt. Andere befürchten den Verlust von Freiheit und Menschenwürde. Wolfgang Huber wirft demgegenüber einen realistischen Blick auf den technischen Umbruch. Das beginnt bei der Sprache: Sind die «sozialen Medien» wirklich sozial? Fährt ein mit digitaler Intelligenz ausgestattetes Auto «autonom» oder nicht eher automatisiert? Sind Algorithmen, die durch Mustererkennung lernen, deshalb «intelligent»? Eine überbordende Sprache lässt uns allzu oft vergessen, dass noch so leistungsstarke Rechner nur Maschinen sind, die von Menschen entwickelt und bedient werden. Notfalls muss man ihnen den Stecker ziehen. Wolfgang Huber zeigt in seinem wunderbar klar geschriebenen Buch, wie sich konsensfähige ethische Prinzipien für den Umgang mit digitaler Intelligenz finden lassen.

C.H. Beck

Wie viel jeder Internetnutzer an Daten den beteiligten Unternehmen an die Hand gibt, ist vielen gar nicht bewusst. Die sozialen Netzwerke liegen in den Händen einiger weniger. Nun hat Elon Musk nach einigem Hin und Her Twitter gekauft. Was er damit plant, ist noch unklar. Spekuliert wird, dass er dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump damit wieder eine Plattform bietet, der im vergangenen Jahr aus dem Netzwerk flog. Was aus Twitter wird, bleibt offen.

Wolfgang Huber streift in seinem Buch „Menschen, Götter und Maschinen“ die Themen, die uns auch in den kommenden Jahren begleiten werden: New Work, Machine Learning oder autonomes Fahren, was Huber eher in „selbstbestimmtes Fahren“ umbenannt sehen möchte. Es ist, ähnlich wie Prechts „Die vierte Gewalt“, eine gute Möglichkeit, sich einen Überblick über die Themen und die offenen Fragen zu verschaffen, und selbst zu reflektieren.

Wolfgang Huber „Menschen, Götter und Maschinen“: Mein Fazit

Wichtige Ansätze beleuchtet Huber ansatzweise. Es ist ein solider Einstieg für alle, die sich mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen möchten. Was wir mit unseren Daten machen, was wir preisgeben, liegt allein in der Hand jedes Einzelnen. Die folgenden Jahre und Entwicklungen werden zeigen, wohin die Reise geht.

Wolfgang Huber „Menschen, Götter und Maschinen“

Eine Ethik der Digitalisierung

2022, C.H. Beck ISBN-13 978-3-406-79020-1

Preis: Taschenbuch 18 €, E-Book 12,99 €, 207 Seiten (abweichend vom Format) – Jetzt bestellen (werblicher Link)

Wolfgang Huber

Wolfgang Huber, Professor für Theologie in Berlin, Heidelberg und Stellenbosch (Südafrika), war u.a. Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland und Mitglied des Deutschen Ethikrats. Er engagiert sich im Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik sowie im Beirat des Deutschen Krebsforschungszentrums und wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Max-Friedländer-Preis, dem Karl-Barth-Preis und dem Reuchlin-Preis.

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