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Spannung, Sprachstil, Botschaft: Darum ist „Die Wut, die bleibt“ von Mareike Fallwickl mein Jahreshighlight

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Von: Janine Napirca

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Mareike Fallwickl trifft mit ihrem Roman „Die Wut, die bleibt“ ins Schwarze und mitten ins Herz vieler Feministen und Feministinnen: Mein Buchtipp.

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Verschlingen, verlieben, nie vergessen – die Romane von Mareike Fallwickl sind etwas ganz Besonderes, weil sie die drei wichtigsten Prädikate, die für mich ein gutes Buch von der Masse abheben, erfüllen:

  1. Einzigartiger Sprachstil, der für Wiedererkennungswert sorgt
  2. Spannung bis zur letzten Seite
  3. Wichtige und aktuelle Botschaft

Nachdem ich durch den Instagram-Buchclub Mädels, die lesen auf den 2018 erschienenen Roman „Dunkelgrün fast schwarz“ und somit erstmals auf die österreichische Autorin aufmerksam geworden bin, konnte ich gar nicht anders, als auch weitere Bücher von Mareike Fallwickl zu lesen. Wie beispielsweise „Das Licht ist hier viel heller“, das 2019 erschienen ist. 2022 war es dann endlich wieder so weit und Leserinnen und Leser konnten sich über einen neuen Roman von der für den Österreichischen Buchpreis nominierten Autorin freuen: „Die Wut, die bleibt“.

Mareike Fallwickl „Die Wut, die bleibt“: Über das Buch

Buchcover „Die Wut, die bleibt“ von Mareike Fallwickl
Der Roman „Die Wut, die bleibt“ überzeugt neben der Sprache vor allem durch die vermittelten Botschaften. © Rowohlt Buchverlag

Helene, Mutter von drei Kindern, steht beim Abendessen auf, geht zum Balkon und stürzt sich ohne ein Wort in den Tod. Die Familie ist im Schockzustand. Plötzlich fehlt ihnen alles, was sie bisher zusammengehalten hat: Liebe, Fürsorge, Sicherheit. Helenes beste Freundin Sarah, die ­Helene ­ihrer Familie wegen zugleich beneidet und bemitleidet hat, wird in den Strudel der ­Trauer und des Chaos gezogen. Lola, die ­älteste Tochter von Helene, sucht nach einer ­Möglichkeit, mit ihren Emotionen fertigzuwerden, und konzentriert sich auf das Gefühl, das am stärksten ist: Wut. Drei Frauen: Die eine entzieht sich dem, was das Leben einer Mutter zumutet. Die anderen beiden, die Tochter und die beste Freundin, müssen Wege finden, diese Lücke zu schließen. Ihre Schicksale verweben sich in diesem bewegenden und kämpferischen Roman darüber, was es heißt, in unserer Gesellschaft Frau zu sein. Ein Buch über die Last, die auf den Frauen abgeladen wird, und das Aufbegehren: radikal, wachrüttelnd, empowernd.

Rowohlt Buchverlag

Mareike Fallwickl „Die Wut, die bleibt“: Mein Fazit

Der Roman „Die Wut, die bleibt“ von Mareike Fallwickl greift einige wichtige und hochaktuelle Gesellschaftsphänomene auf, über die man im Grunde gar nicht zu häufig sprechen kann. Dreifach-Mama Helene ist nicht zuletzt aufgrund der Coronapandemie am Ende ihrer Kräfte. Mental Load lautet das Stichwort: Der Alltag zahlreicher Mütter besteht aus dem Organisieren und Koordinieren von Aufgaben, auch Care Arbeit genannt, die insbesondere von Männern gar nicht oder nur kaum wahrgenommen werden. Es verwundert also nicht, dass der Roman vielen Leserinnen, wie zum Beispiel auf der Buchplattform LovelyBooks aus der Seele spricht:

Stark, spannend, aufwühlend. Definitiv mein feministisches Highlight 2022

CarryBanana auf LovelyBooks

Dieses Buch brennt in den Händen!! Jedes Wort ist so wichtig und richtig und ehrlich und wahr, dass ich nach der allerersten Seite bereits gezittert habe.

FrauKlopp auf LovelyBooks

Feminismus pur, erschreckend aufrüttelnd und real. Dazu noch ein fantastischer Schreibstil. Top!

Dajobama auf LovelyBooks

Definitiv keine einfache Thematik, die in „Die Wut, die bleibt“ von Mareike Fallwickl behandelt wird, das weiß auch die Autorin selbst:

Es wird schmerzhaft sein und fies, es wird mir wehtun und euch auch. Es wird fiktiv sein und trotzdem wahr.

Mareike Fallwickl

Ich mochte den Perspektivwechsel und damit einhergehende Handlungs- und Gedankenstränge der beiden Generationen – stellvertretend durch Tochter Lola und Freundin Sarah – sehr. Während Lola ihre Mutter verloren hat, kämpft Sarah mit ihrer plötzlichen Mutterrolle. Beide haben unterschiedliche Arten, mit dem Verlust umzugehen. Gemein ist jedoch, dass die Ursache allen Übels dem Roman zufolge das Patriarchat ist. Unter dem aber nicht nur die Frauen, in dem Fall Sarah und Lola, sondern auch die Männer leiden. Vater Johannes ist vollkommen überfordert mit der Situation und weiß schlichtweg nicht, was er anderes tun könnte, als die Frauen in seinem Leben um Hilfe zu bitten.

Auch wenn „Die Wut, die bleibt“ keine Lösung geschlechtsspezifischer Gesellschaftsprobleme ist, so macht der Roman immerhin auf Missstände aufmerksam und sorgt dafür, dass Betroffene sich nicht alleingelassen fühlen, ähnlich wie Mareike Fallwickls Kurzgeschichte „Tamina Blue“, erschienen bei DAS GRAMM. Darin geht es ebenso um Feminismus und das Patriarchat und auch in „Die Löwinnen von Afghanistan“ von Waslat Hasrat-Nazimi werden feministische Stimmen laut. Wer hingegen gerne über starke Frauenbilder aus vergangenen Zeiten lesen möchte, ist mit „Violeta“ von Bestseller-Autorin Isabel Allende oder „Die Wagemutige“ von Caroline Bernard bestens bedient.

Mareike Fallwickl „Die Wut, die bleibt“

2022, Rowohlt Buchverlag ISBN-13‎ 978-3498002961

Preis: Gebundene Ausgabe 22 €, E-Book 15,99 €, 384 Seiten – jetzt bestellen (werblicher Link)

Mareike Fallwickl

Mareike Fallwickl, 1983 in Hallein bei Salzburg geboren, arbeitet als freie Autorin und lebt mit ihrer Familie im Salzburger Land. 2018 erschien ihr literarisches Debüt „Dunkelgrün fast schwarz“ in der Frankfurter Verlagsanstalt, das für den Österreichischen Buchpreis sowie für das Lieblingsbuch der Unabhängigen nominiert wurde. 2019 folgte der Roman „Das Licht ist hier viel heller“, dessen Filmrechte optioniert wurden. Sie setzt sich auf diversen Bühnen sowie Social-Media-Kanälen für Literaturvermittlung ein, mit Fokus auf weiblichen Erzählstimmen.

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